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Studie: Schubereignisse oft schon lange vor MS-Diagnose

Montag, 4. Juli 2022 – Autor:
Bevor eine Multiple Sklerose diagnostiziert wird, haben Betroffene oft schon unerkannte Krankheitsschübe. Zu diesem Ergebnis sind Wissenschaftler aus München in einer neuen Studie gekommen. Damit stellt das Team die Theorie der sogenannte Prodromalphase in Frage.
Eine neue Studie legt nahe, dass sich Multiple Sklerose über einen sehr langen Zeitraum entwickelt.

Eine neue Studie legt nahe, dass sich Multiple Sklerose über einen sehr langen Zeitraum entwickelt. – Foto: © Adobe Stock/ Magryt

Es sind Sensibilitätsstörungen, Taubheitsgefühle oder Sehstörungen, die erste Hinweise auf eine Multiple Sklerose geben. Doch bevor die Diagnose MS gestellt wird, sind viele Betroffene schon jahrelang immer wieder krank, wie Daten zur Arztbesuchen und Krankenhauseinweisungen zeigen. Die Zeit vor der Diagnose wurde in den letzten Jahren von der Fachwelt als eine mögliche sogenannte Prodromalphase gewertet, also eine Vorläuferphase der Autoimmunerkrankung.

Körperliche Beschwerden könnten MS-Schübe sein

Wissenschaftler der TU München stellen das nun in Frage. Sie nehmen aufgrund eigener Studienergebnisse an, dass hinter den häufigen Arztkonsultationen unerkannte Schübe stecken. Wahrscheinlich handle es sich bei den Beschwerden vor der Diagnose nicht um eine Prodromalphase, sagt Studienleiter Prof. Bernhard Hemmer „Vielmehr vermuten wir hinter den Gründen zur ärztlichen Vorstellung bereits erste Schubereignisse“, so der Neurologe.

 

Mehrere Tausend Patientenakten ausgewertet

In der Studie hatten die Wissenschaftler Daten von tausenden mehreren Tausenden Personen aus Bayern ausgewertet, die von der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern zur Verfügung gestellt wurden. Dabei fanden die Autoren heraus, dass bei den Arzt- und Klinikbesuchen vermehrt Beschwerden vorlagen, die auf erste Symptome der MS hinweisen. „Wir glauben deshalb, dass die Erkrankung zwar noch nicht diagnostiziert, aber schon voll aktiv ist und sich nicht in einem Vorstadium, dem sogenannten Prodrom, befindet“, betont Hemmer.

Zusammenhang mit Atemwegsinfekten noch unklar

Ein weiterer Fund der Studie passte nicht so recht ins Bild: Personen mit MS stellten sich weniger häufig für Infekte der oberen Atemwege bei Ärzten vor. „Dies war ein unerwartetes Ergebnis, zumal Schubereignisse bei MS in der Vergangenheit manchmal mit Infekten in Verbindung gebracht werden konnten“, sagt Co-Erstautor PD Dr. Alexander Hapfelmeier vom Institut für Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung der TUM. „Ob es allerdings einen kausalen Zusammenhang zwischen MS und einem gewissen Schutz vor manchen Infektionen gibt, oder ob sich in den analysierten Versorgungsdaten eine schützende Verhaltensänderung erkrankter Personen widerspiegelt, müssen wir in zukünftigen Studien untersuchen.“

Hauptkategorie: Medizin
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