Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.07.2019

Studie: Pflegende Angehörige fühlen sich allein gelassen

Pflegende Angehörige sind Deutschlands größter Pflegedienst. Dass sie körperlich und seelisch stark belastet sind, bestätigt die aktuelle Studie „Was pflegende Angehörige wirklich brauchen.“
Pflegende Angehörige, Hilfe, Unterstützung

Überlastet und allein gelassen: Pflegende Angehörige brauchen mehr Unterstützung

Eltern werden gebrechlich, Ehepartner werden plötzlich zum Pflegefall: Die Pflege eines Angehörigen kann an physische und psychische Grenzen gehen. Eine Erhebung der Universität Witten/Herdecke zeigt nun, wie belastet Pflegende Angehörige in Deutschland sind. Von über 1.400 Befragten berichteten zwei Drittel von einer hohen Gesamtbelastung. Etwa die Hälfte leidet darunter körperlich, mehr als 70 Prozent der Befragten sind stark bis sehr stark emotional belastet.

Die Studie „Was pflegende Angehörige wirklich brauchen“ zeigt außerdem, dass sich Deutschlands größter Pflegedienst ziemlich allein gelassen fühlen. „Einige Menschen haben nicht nur den Fragebogen ausgefüllt, sondern uns auch angerufen und erzählt, wie allein gelassen sie sich mit ihren Sorgen und Anliegen fühlen“ berichtet die Studienleiterin Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko von der Universität Witten/Herdecke.

Informationslücken

Den Auswertungen zufolge sind viele Informations- und Beratungsangebote sowohl zur Pflegesituation wie auch zu eigenen Bedürfnissen nur teilweise bekannt. „Besonders wenig bekannt und vermutlich deswegen auch kaum genutzt sind Informations- und Beratungsangebote zu den eigenen Bedürfnissen der pflegenden Angehörigen“ ordnet Prof. Dr. Sabine Bohnet-Joschko die Ergebnisse ein, „hier sehen wir Handlungsbedarf.“

 

Handlungsempfehlungen für Kommunen

Mit einer Clusteranalyse wollen die Forscherinnen nun pflegende Angehörige in unterschiedliche Gruppen (Segmente) einteilen, damit bedarfsgerechte Unterstützungsangebote der einzelnen Zielgruppen entwickelt werden können. Auch Handlungsempfehlungen insbesondere für Kreise und Kommunen sollen bis Ende des Jahres erarbeitet werden.

Das Projekt „Zielgruppenspezifische Unterstützungsangebote für pflegende Angehörige“ (ZipA) wird vom Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen und den Pflegekassen gefördert. Befragt wurden volljährige Personen, die einen Familienangehörigen, Freund oder Nachbarn regelmäßig pflegen oder betreuen.

Pflegende Angehörige klagen über Schlafmangel

Die aktuelle Studie stützt andere Untersuchungen, die ebenfalls die hohe Belastung pflegender Angehöriger festgestellt haben. Der Barmer Pflegereport 2018 zeigt etwa, dass fast 40 Prozent an Schlafmangel leiden und sich 30 Prozent in ihrer Rolle als Pflegende gefangen fühlen. Pflegende Angehörige sind danach auch vergleichsweise oft krank. So leiden 54,9 Prozent unter Rückenbeschwerden und 48,7 Prozent unter psychischen Störungen. Bei Personen, die nicht pflegen, trifft dies nur auf 51,3 Prozent und 42,5 Prozent zu.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Pflegende Angehörige
 

Weitere Nachrichten zum Thema Pflegende Angehörige

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.

Antibiotika sind die Standardtherapie bei bakteriellen Infektionen und retten jedes Jahr Millionen von Leben. Aber sie greifen auch die hochkomplexe Darmflora an und damit das Immunsystem. Und: Sie können sogar ihrerseits Krankheiten auslösen. Forscher haben jetzt 1.200 Medikamente daraufhin getestet, ob sie sich hier – parallel verabreicht – als „Gegenmittel“ eignen.

In Israel gelten nur noch Personen mit dritter Impfung als vollständig geimpft. Und tatsächlich sinken die Fallzahlen im Land. Das Vorgehen ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin