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09.10.2018

Studie der Hans-Böckler-Stiftung attestiert Kliniken 100.000 offene Pflegestellen

Die Lücke an Pflegekräften ist möglicherweise größer als gedacht: Eine Studie der Hans-Böckler-Stiftung besagt, dass augenblicklich 100.000 Pflegestellen in Kliniken fehlen. Die Vorhaben des Bundesgesundheitsministeriums greifen demnach viel zu kurz.
Pflegelücke, Hans-Böckler-Stiftung

Laut einer Studie der Hans-Böckler-Stiftung fehlen allein in Krankenhäusern 100.000 Pflegekräfte

Dass in Kliniken Pflegepersonal fehlt, ist kein Geheimnis. Doch wie viele Pflegekräfte tatsächlich fehlen, ist offenbar Auslegungssache. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will die Lücke mit 13.000 Pflegekräften schließen, wobei diese auf Krankenhäuser und Pflegeheime verteilt werden sollen.

Eine neue Studie der Hans-Böckler-Stiftung legt nun ganz andere Zahlen vor. Demnach fehlen allein in Krankenhäusern bereits 100.000 Vollzeitstellen. Die Unterbesetzung wird demnach mit den zwei geplanten Gesetzesregelungen aus dem Haus von Gesundheitsminister Jens Spahn keinesfalls behoben werden können. „Die vorliegenden Entwürfe des Bundesgesundheitsministeriums werden die große Personallücke nicht schließen“, sagt Studienleiter Prof Dr. Michael Simon, Pflegewissenschaftler von der Hochschule Hannover.

Kommt drauf an, wie man den Personalschlüssel berechnet

Ein Schwachpunkt des Pflegepersonal-Stärkungsgesetz“ (PpSG) sei, dass der Personalbedarf nicht an der Zahl der Patienten berechnet worden sei, meint Simon, sondern sich auf pauschale Kostengrößen beziehe, die unabhängig vom realen Pflege- und Personalbedarf kalkuliert werden. „Ein solches System kann somit bestenfalls nur die bestehende Personalbesetzung reproduzieren. Und das heißt im Fall des Pflegedienstes, die bestehende Unterbesetzung festzuschreiben“, warnt der Wissenschaftler.

 

Pflege wurde kaputt gespart

Die Unterbesetzung in der Pflege hat vor mehr als 20 Jahren begonnen: Während die Zahl der behandelten Fälle im Krankenhaus seit Anfang der 1990er Jahre um mehr als 20 Prozent gestiegen ist und vermehrt betagte Patienten mit erhöhtem Pflegebedarf ins Krankenhaus kommen, wurden zwischen 2002 und 2007 rund 33.000 Pflegestellen gestrichen. Ein wesentlicher Treiber dafür war die Einführung eng kalkulierter Fallpauschalen. „Auch wenn sich der Trend mittlerweile gedreht hat, bleibt eine enorme Lücke“, sagt Simon.

Pflege-Personalrechnung (PPR) wieder einführen

Auf die offenen 100.000 Pflegestellen ist der Wissenschaftler gekommen, indem er Daten aus der Pflege-Personalrechnung (PPR) analysiert hat. .Für die PPR mussten in den 1990er Jahren alle Krankenhäuser nach einem einheitlichen Verfahren erheben, wie groß der Pflegebedarf der Patienten auf ihren Stationen war. So ließ sich realitätsnah und detailliert berechnen, wie viel Personal notwendig ist. Schon damals ergab sich ein beträchtlicher Mehrbedarf von rund 60.000 Stellen. 1996 wurde die PPR auf Betreiben der Krankenkassen ausgesetzt. Kostendämpfung stand im Vordergrund.

„In vielen Häusern wird die PPR für die interne Einsatzplanung aber nach wie vor verwendet und genießt hohe Akzeptanz“, meint Simon. Er schlägt nun vor, das erprobte Instrument wieder flächendeckend zu reaktivieren und zum Maßstab für die notwendige Personalausstattung auf allen Stationen zu machen. Allerdings müsse es weiterentwickelt werden und dem demografischen Profil der Patienten sowie dem veränderten Therapiespektrum angepasst werden.

Dieser Prozess werde etwa zwei Jahre dauern, durch bessere IT sei die die Erhebung und Analyse der für die Personalplanung nötigen Daten aber erheblich leichter als noch in den 1990er Jahren.

Simon wird am Mittwoch bei einer Expertenanhörung im Bundestag zu den Gesetzentwürfen Stellung nehmen.

Foto: AOK Mediendienst

Autor: ham
Hauptkategorien: Berlin , Gesundheitspolitik , Pflege
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