Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Studie: Antikörper in COVID-19-Genesenen halten länger

Donnerstag, 29. Oktober 2020 – Autor:
COVID-19 gut überstanden – und dann erst mal dagegen immun? Und wenn ja: wie lange? Diese Frage ist in der Wissenschaft nach wie vor umstritten. Eine Studie aus Österreich kommt zu dem Schluss: Die corona-spezifischen Langzeit-Antikörper halten sich im menschlichen Organismus offenbar länger als gedacht. Das nährt die Hoffnung auf bleibende Immunität.
Comicfigur "Superman" mit Aufschrift "Antibody" schlägt grüne Viren mit der Faust.

Kampf gegen das Coronavirus SARS-CoV-2: Die Hoffnungen richten sich auf Impfstoffe und Medikamente - aber auch auf eine dauerhaft wirksame Immunantwort des Körpers. – Foto: ©rudall30 - stock.adobe.com

Die COVID-19-Krankheit ist noch kein Jahr alt. Fieberhaft versucht die Wissenschaft, das neuartige Coronavirus immer besser kennenzulernen, um es erfolgreich zu bekämpfen. Vor vier Monaten erst dämpfte eine Studie aus China die Hoffnungen auf Immunität nach überstandener Infektion. Erstens hatten die darin untersuchten schwach symptomatischen Patienten kaum Antikörper gebildet. Zweitens waren bei einigen von ihnen die Antikörper nach wenigen Wochen schon wieder verschwunden. Eine von der österreichischen Privatuniversität  DPU in Krems durchgeführte Studie aber gibt jetzt Anlass zumindest für vorsichtigen Optimismus.

Infizierte: 94 Prozent haben nach vier Monaten immer noch Antikörper

Im Juni 2020 untersuchten Wissenschaftler der „Danube Private University Krems“ (DPU) in einer Pilotstudie die Bewohner der nahe gelegenen Marktgemeinde Weißenkirchen darauf, ob sie spezifische Antikörper gegen SARS-CoV-2 gebildet hatten. Damals kamen insgesamt 884 Personen zum Antikörpertest. In einer Folgestudie untersuchten Forscher jetzt die COVID-19-Infizierten von damals ein zweites Mal. Das Ziel der Studie war es herauszufinden, ob in den 102 positiv auf das Coronavirus getesteten Personen immer noch die SARS-CoV-2-spezifischen Langzeit-Antikörper existieren. Ergebnis: Bei 94 Prozent der Probanden sind diese Antikörper tatsächlich weiterhin in einer wirksamen Größenordnung vorhanden. Die Indikatorwerte seien dabei „überaschend konstant“, sagt Ralf Braun, Zellbiologe und Professor an der „Danube Private University Krems“ (DPU).

 

Konstante Antikörper: Impfprogramme 2021 wären erfolgreicher

„Dies lässt eine bleibende Immunität erwarten und gibt Hoffnung auf die Wirksamkeit der im nächsten Jahr zu erwartenden Covid-19-Impfprogramme“, sagt Braun weiter. Die Konstanz der Antikörpertiter zeige sich interessanterweise nicht nur für die IgG-Langzeit-Antikörper, sondern auch für die IgA-Titer. Für letztere sei zu erwarten gewesen, dass sie mit der Zeit abnähmen.

Zum besseren Verständnis: Der „Titer" ist ein Maß für die Immunität des Körpers gegen eine bestimmte Krankheit nach einer vorausgegangenen Impfung oder Infektionskrankheit. Festgestellt wird er durch Messung der im Blut vorhandenen Antikörper gegen den jeweiligen Erreger. „IgA" steht für „Immunglobulin A": Das ist ein Antikörper, der hauptsächlich in den externen Körperflüssigkeiten (zum Beispiel an den Schleimhäuten) vorkommt und dort eine bedeutende Abwehrbarriere gegen Krankheitserreger bildet.

Zwei Arten von Immunantwort: durch Antikörper und Zellen

„In den Fällen, in denen keine IgG-Langzeit-Antikörper mehr zu erkennen waren, war es bereits im Juni so, dass der Titer nicht besonders hoch war“, berichtet der Direktor der Kremser Privatuniversität, Robert Wagner. „Einige IgG-Langzeit-Werte steigerten sich über die Zeit sogar, auch dort, wo im Juni bereits höhere Werte zu erkennen waren.“ Mit Spannung erwarten die Forscher die demnächst vorliegenden Ergebnisse der T-Zell-Untersuchung. Ihre Hoffnung: Vielleicht gibt es ja auch auf dieser Ebene eine Immunität.

Foto: AdobeStock/rudall30

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Immunsystem , Infektionskrankheiten , Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Coronavirus

05.11.2020

Hunderte Varianten des neuen Coronavirus SARS-CoV-2 kursieren derzeit um den Globus. In Europa hat sich keine andere so schnell verbreitet wie die Virus-Variante 20A.EU1. Das haben Wissenschaftler durch umfassende Virussequenzierungen herausgefunden. Gefährlicher soll das neu entdeckte Virus aber nicht sein.

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Ein Schrank voller Nudeln, Klopapier und Wasserflaschen: Das ist eine Art, mit aktuellen Krisen wie Ukraine-Krieg und Klimawandel umzugehen. Eine weitere Art ist, alles zu tun, dass man psychisch stabil und gesund bleibt. Experten sagen: Das kann man lernen.

Wespen und Stechmücken haben sich gemeinsam mit dem Sommer verabschiedet. Ruhe vor lästigen Insekten haben wir damit nicht. Zecken etwa sind weiterhin aktiv – solange das Thermometer die 8-Grad-Marke nicht unterschreitet. Beim Pilze-Sammeln heißt es deshalb: aufpassen!
 
Interviews
Affenpocken verlaufen in der Regel harmlos. Doch nicht immer. Dr. Hartmut Stocker, Chefarzt der Klinik für Infektiologie am St. Joseph Krankenhaus in Berlin Tempelhof, über die häufigsten Komplikationen, die Schutzwirkung der Impfung und den Nutzen von Kondomen.

Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin