. Altersforschung

Stressverarbeitung wird im Alter besser

Im Alter erholen wir uns offenbar von Stress schneller. Das ist das Ergebnis einer Studie von Forschern aus Heidelberg und Colorado. Demnach verbessert sich mit zunehmendem Alter die Fähigkeit, stressige Phasen zu verarbeiten und Gefühle zu regulieren.
Weniger Stress im Alter

Im Alter werden viele Menschen gelassener.

Es gibt ein natürliches Mittel gegen Stress: das Alter. Denn anscheinend verbessert sich mit dem Alter die Resilienz, also die Fähigkeit, trotz schwieriger Lebensumstände die seelische Stabilität zu bewahren. Das widerspricht der häufigen Annahme, dass es mit dem Wohlbefinden im Alter bergab geht.

Forscher der Universitäten Heidelberg und Colorado wollten herausfinden, wie sich das Verhalten bei Stress im Laufe des Lebens verändert. Dazu untersuchten sie knapp 300 Menschen zwischen 18 und 90 Jahren. Das Ergebnis: Nach mehrtägiger Stressakkumulation erholten sich die älteren Teilnehmer schneller als die jüngeren.

Schnellere Erholung nach Stressphasen

Für die Studie wurden bei den Probanden täglich Messungen ihres Stresslevels unternommen. Gleichzeitig wurde anhand von schriftlichen Aufzeichnungen der Teilnehmer analysiert, welchen Belastungen sie ausgesetzt waren. Die Messungen und Analysen wurden an 30 aufeinanderfolgenden Tagen vorgenommen.

Es zeigte sich, dass das Lebensalter eine große Rolle bei der Verarbeitung des Stresses spielte. Zwar reagierten die älteren Menschen auf die Stressphasen zunächst genauso stark wie alle anderen Probanden, doch sie erholten sich schneller davon und hatten in kürzerer Zeit wieder normale Werte. Die Studienautoren schlussfolgern daraus, dass die Selbstregulierungsfähigkeit im Alter zunimmt – auch wenn die unmittelbaren emotionalen Reaktionen auf den Stress zunächst bei allen gleich sind.

 

Mehr Zufriedenheit im Alter?

Schon frühere Studien hatten Hinweise darauf gegeben, dass viele Menschen im Alter selbstbewusster und zufriedener werden. Aufgrund der größeren Lebenserfahrung sind ältere Menschen zudem oft gelassener und wissen um die Vergänglichkeit schwieriger Phasen. Auch suchen ältere Menschen bewusst eher Situationen auf, die ihnen gut tun, und vermeiden Ereignisse, die bei ihnen negative Emotionen auslösen können.

Natürlich gilt das nicht für alle Menschen und ist unter anderem abhängig von den Lebenserfahrungen. Bei einigen Menschen verstärken sich Stress- und Angstreaktionen bei belastenden Situationen im Laufe des Lebens. Faktoren, welche die Stressverarbeitung und die Resilienz stärken, sind Optimismus, ein gutes soziales Netzwerk und vor allem der Glaube an die Selbstwirksamkeit, das heißt die Überzeugung, aktiv auf das eigene Leben Einfluss nehmen zu können. Menschen, die sich oft in der Opferrolle sehen, haben es hingegen schwerer, belastende Ereignisse zu verarbeiten.

Foto: © Ljupco Smokovski - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Demografischer Wandel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Alter

| Keine Altersgruppe wächst so schnell wie die der Hochbetagten. Viele, die auf die 100-Jahre-Marke zusteuern, verfügen über eigene Ideen und Strategien für ein gutes Altern. Die Wissenschaft, kritisiert jetzt eine der wenigen Altersforscherinnen, habe dies bisher aber so gut wie übersehen.
| Anders als bislang vermutet steigt das Selbstwertgefühl im Laufe des Lebens stetig an, auch die Pubertät kann diese Entwicklung nicht aufhalten. Erst im Alter beginnt die Selbstachtung zu sinken. Das haben Psychologen nun in einer Meta-Studie zeigen können.
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Sie hat keine Kalorien und trotzdem soll sie dick machen: Kohlensäure. Das ist zumindest das Ergebnis einer Studie, die bereits letztes Jahr durchgeführt wurde und nun wieder in die Schlagzeilen geraten ist. Doch stimmt das wirklich?
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.