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Stressreport 2019: Arbeitnehmer erschöpfter als früher

Wie gestresst sind Deutschlands Arbeitnehmer? Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hat nun ihren Stressreport für das Jahr 2019 vorgelegt. Danach haben die Belastung und Überforderung am Arbeitsplatz zumindest subjektiv zugenommen.
Immer mehr Beschäftigte können sich von ihrer Arbeit nicht mehr richtig erholen

Immer mehr Beschäftigte können sich von ihrer Arbeit nicht mehr richtig erholen

Obwohl Arbeit immer weniger an feste Zeiten und Arbeitsplätze gebunden ist – das war auch vor Corona schon so – fühlen sich Arbeitnehmer gestresster als früher. Das geht aus dem Stressreport 2019 der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) hervor. So haben seit 2012 Erholungsbeeinträchtigungen zugenommen, die sich vor allem als Schlafstörungen und Erschöpfung äußern. Immerhin gibt etwa jeder dritte Beschäftigte lange oder überlange Arbeitszeiten an. Von häufiger Müdigkeit berichtet fast die Hälfte und von häufigen Schlafstörungen fast ein Drittel der Beschäftigten.

Über körperliche Erschöpfung klagen zudem aktuell 37 Prozent, über emotionale Erschöpfung mehr als ein Viertel der Beschäftigten und 22 Prozent der Befragten geben an, von der Arbeit häufig nicht abschalten zu können. Über einen schlechten Gesundheitszustand berichten 15 Prozent der Beschäftigten.

Arbeitsbedingungen entscheidend

Das Stresslevel hängt demnach sehr von den jeweiligen Arbeitsbedingungen ab. „Eine gute Gestaltung der Arbeit trägt wesentlich zur Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Beschäftigten bei", sagt Isabel Rothe, Präsidentin der BAuA. „Dazu sind die Arbeitsanforderungen, wie Arbeitsmenge und Arbeitszeit, angemessen zu steuern. Zudem brauchen die Beschäftigten ausreichende Handlungsspielräume, um ihre Aufgaben zu bewältigen.“ Wichtige Kraftquellen seien dabei auch eine gute Erholung von der Arbeit sowie die Unterstützung durch Kolleginnen und Kollegen und Vorgesetzte.

 

Geringe Handlungsspielräume schlagen auf die Gesundheit

Bei einem Teil der Beschäftigten verringerten sich jedoch die persönlichen Handlungsspielräume. „Dies trägt offensichtlich auch bei, dass die gesundheitlichen Beeinträchtigungen bei diesen Beschäftigten eher zunehmen“, schlussfolgern die Autoren des Reports. Haben Beschäftigte dagegen zeitliche Handlungsspielräume, geht das häufig auch mit einer besseren Gesundheit einher. „Arbeitszeit sollte für Beschäftigte planbar und vorhersehbar sein“, sagt Rothe.

Der Stressreport zeigt außerdem, dass die Arbeitsintensität für rund die Hälfte der Beschäftigten seit einigen Jahren unverändert hoch ist. Etwa die Hälfte der befragten abhängig Beschäftigten gibt an, häufig von starkem Termin- oder Leistungsdruck betroffen zu sein. Insbesondere Führungskräfte sind davon betroffen.

Arbeit flexibler geworden

Im Trend ist Arbeit immer weniger an feste Zeiten und Arbeitsplätze gebunden. So berichtet beispielsweise fast jeder fünfte Erwerbstätige, in Rufbereitschaft und Bereitschaftsdienst zu arbeiten. Etwa jeder vierte Beschäftigte arbeitet laut Stressreport ortsflexibel, was mit Dienstreisen, Auswärtsübernachtungen oder wechselnden Arbeitsorten verbunden ist. Mobil beziehungsweise ortsflexibel Tätige berichten - im Vergleich zu den übrigen Beschäftigten - seltener, dass ihnen die Trennung zwischen Arbeit- und Privatleben gelingt.

Grundlage des Stressreports 2019 ist die BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung 2018, für die mehr als 20.000 Erwerbstätige befragt wurden.

Foto: © Adobe Stock/Prostock-studio

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Gesundheitspolitik
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