. TK Gesundheitsreport

Stress im Teilzeitjob

Stress entsteht nicht nur durch zu viel Arbeit, sondern vor allem durch das Arbeitsverhältnis. Das geht aus dem neuen Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) hervor. Demnach leiden Teilzeitarbeiter und Leiharbeiter besonders oft unter psychischen Belastungen.
Teilzeitjobs und Leiharbeit können Männern auf die Psyche schlagen

Teilzeitjobs und Leiharbeit können Männern auf die Psyche schlagen

Der Befund ist erschreckend: Seit 2006 haben psychisch bedingte Fehlzeiten um gut 75 Prozent zugenommen. Die Depression steht mittlerweile unter den Fehlzeitenursachen auf Platz eins. Doch es nicht nur das Arbeitspensum, die ständige Erreichbarkeit und Überstunden, die für Stress unter Deutschlands Berufstätigen sorgen. Wie der neue Gesundheitsreport der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, leiden vor allem diejenigen unter psychischen Belastungen, die befristet, in Teilzeit oder in Leiharbeit beschäftigt sind, sowie diejenigen, die durch Familie und Beruf mehrere Rollen gleichzeitig erfüllen müssen. „Es wird derzeit viel diskutiert, wie sich die hektische Arbeitswelt weniger stressig gestalten lässt. Es gibt sogar Initiativen, die dies staatlich regulieren möchten“, sagte Dr. Jens Baas, Vorstandsvorsitzender der TK. „Unser Bericht zeigt aber, dass es vor allem die Lebenssituation der Beschäftigten ist, die sie belastet. Sind Arbeitsverhältnisse befristet oder ist die finanzielle Situation aufgrund von Teilzeit oder Leiharbeit angespannt, belastet das die Betroffenen."

Teilzeitarbeiter nehmen 53 Prozent mehr Depressionsmittel als Vollzeitjobber

Vierzig Prozent der berufstätigen Frauen und 7,4 Prozent der Männer arbeiten in Teilzeit. Insbesondere Männer, die in Teilzeit oder befristeten Jobs arbeiten, sind gestresst. Sie sind laut TK-Report zwar insgesamt weniger krankgeschrieben als Vollzeitangestellte. Allerdings sind sie mit durchschnittlich 1,9 Fehltagen pro Kopf deutlich mehr von psychischen Diagnosen betroffen als Vollzeitbeschäftigte (1,4 Tage). Noch offensichtlicher wird dieser Trend bei den Medikamenten. So nehmen männliche Teilzeitarbeiter 53 Prozent mehr Antidepressiva ein als Vollzeitbeschäftigte.

„Die Vermutung liegt nahe, dass die erhöhte psychische Belastung bei Männern in Teilzeit, in befristeten oder Leiharbeitsverhältnissen daher rührt, dass Männer traditionell noch als Haupternährer der Familie fungieren, was aber unter den genannten Beschäftigungsformen oft schwierig ist“, sagt Heiko Schulz, Psychologe bei der TK. „Viele Beschäftigte arbeiten nicht freiwillig in Teilzeit, sondern weil ihnen nicht mehr angeboten wird oder weil sie eine höhere Arbeitszeit nicht mit ihren familiären Verpflichtungen vereinbaren können."

Unternehmen sollten in die Gesundheit ihrer Beschäftigten investieren

Vor diesem Hintergrund kommt einem Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) besondere Bedeutung zu. Eine Investition in diesen Bereich lohne sich in jedem Fall für den Unternehmer, meint TK-Chef Baas. „In einem Unternehmen mit 350 Beschäftigten fehlen jährlich fünf Mitarbeiter unter der Diagnose Depression. Lohnfortzahlung und Produktivitätsausfall kosten das Unternehmen allein für diese Diagnose etwa 75.000 Euro. Ein wirkungsvolles BGM bekommt man dagegen schon für 50.000 Euro", rechnet Baas vor. In die Gesundheit von Beschäftigten zu investieren, sei also keine Nettigkeit, sondern wirtschaftlich sinnvoll.

Der TK-Gesundheitsreport analysiert jährlich die Krankschreibungen und Arzneimitteldaten der 3,91 Millionen bei der TK versicherten Erwerbspersonen. Dazu zählen sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und Empfänger von Arbeitslosengeld I. Der Report 2013 steht unter dem Webcode 516422 auf der Website der TK.

 

Foto: © Jean-Pierre - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Stress , Arbeitsbelastung , Psychische Krankheiten

Weitere Nachrichten zum Thema Stress

| Multitaskingfähig zu sein, gilt vielen Menschen als Voraussetzung für besonderen Erfolg im Job und Privatleben. Dabei ist echtes Multitasking ein Mythos. Wer es trotzdem immer wieder versucht, erzeugt vor allem eins: Stress im Gehirn.
| Warum verkraften einige Menschen seelische Belastungen oder traumatische Erlebnisse besser als andere? Das Zauberwort heißt nach Ansicht vieler Wissenschaftler Resilienz. Woher sie kommt und wie sie gestärkt werden kann, erforscht unter anderem das Deutsche Resilienz-Zentrum (DRZ) in Mainz.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Der Nutzen von Alzheimer-Tests wurde offenbar nie in Studien untersucht. Das geht aus einer Überprüfung des Igel-Monitors hervor. Ob die Früherkennung tatsächlich so sinnlos ist, wie es der Monitor jetzt darstellt, ist aber keinesfalls ausgemacht.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender

Vivantes Klinikum Spandau, Neue Bergstraße 6, 13585 Berlin
. Kliniken
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Für Menschen mit Behinderung sind Arbeit und gesellschaftliche Teilhabe nach wie vor nicht selbstverständlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Ulla Schmidt, MdB und Bundesvorsitzende der Lebenshilfe, darüber gesprochen, was getan werden muss, um die Situation von Betroffenen zu verbessern.
Prof. Hendrik Streeck leitet Deutschlands erstes Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem US-Rückkehrer über sein größtes Ziel gesprochen: eine präventive Impfung gegen HIV.
Die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern der Homöopathie sind verhärtet. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Homöopathie-Kritikerin Dr. med. Natalie Grams über wissenschaftliche Prinzipien und den verbreiteten Wunsch nach medizinischen Alternativen gesprochen.