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Stress im frühen Kindesalter hinterlässt Spuren im Gehirn

Kinder, die in frühen Jahren Misshandlungen oder anderen Formen von starkem Stress ausgesetzt sind, weisen später häufig Verhaltensauffälligkeiten auf oder leiden unter psychischen Erkrankungen. Warum dies so ist, zeigen Forschungen.
Stress im Kindesalter und die Folgen

Misshandelte Kinder leiden ein Leben lang

Stress im frühen Kindesalter bleibt nicht ohne Spuren. Seit langem ist bekannt, dass Kinder, die missbraucht, vernachlässigt oder emotional misshandelt wurden, später häufiger Depressionen, Ängste, bipolare Störungen oder psychosomatische Beschwerden aufweisen als andere. In verschiedenen Studien der vergangenen Jahre konnten Forscher zeigen, wie stark traumatische Erfahrungen in der Kindheit das Gehirn verändern.

So wiesen Wissenschaftler der amerikanischen Universität Wisconsin bereits vor Jahren nach, dass bei Kindern, die in den ersten Lebensmonaten erhöhtem Stress ausgesetzt waren, der Cortisolspiegel stark angestiegen war. Der Dauerbeschuss durch das Stresshormon scheint wiederum die Informationsverarbeitung des Gehirns zu beeinträchtigen. So zeigte sich, dass bei Mädchen mit besonders hohen Cortisolspiegeln die Verbindung zwischen zwei Gehirnbereichen, die das emotionale Gleichgewicht steuern, eingeschränkt war. Die betroffenen Mädchen wiesen besonders viel Angst auf und schienen psychisch instabil zu sein.

Traumata: Erbgut der Kinder verändert

Schwere Traumata in der Kindheit können sogar das Erbgut verändern. Forscher des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München konnten zeigen, dass bei Menschen, die in der Kindheit zum Teil schwer traumatisiert worden waren, das Stress-Gen FKBP5 Veränderungen aufweist. Die Variation des Gens führt dazu, dass der Körper den Spiegel des Stresshormons Cortisol nicht mehr richtig regulieren kann und die Betroffenen daher nur noch unangemessen auf Stress reagieren.

In einer anderen Studie konnten britische Forscher nachweisen, dass bei Kindern, die Misshandlungen ausgesetzt waren, die Telomere in den Chromosomen verkürzt waren. Die Telomere, die eine Art Schutzkappe der Chromosomen bilden, schrumpfen im Laufe des Lebens auf natürliche Weise. Sind sie aufgebraucht, erhöht sich das Risiko für bestimmte Erkrankungen. Bei den untersuchten Kindern, die in jungen Jahren bereits Gewalterfahrungen erlebt hatten, waren sie auf unnormale Weise verkürzt.

 

Gehirn kann sich erholen – unter bestimmten Bedingungen

Doch nicht nur Stress in der Kindheit kann das Gehirn schädigen. Schon in der Schwangerschaft kann Stress die Entwicklung der kindlichen Nervenbahnen beeinträchtigen. Forscher haben nun nachgewiesen, dass Stresshormone der Mutter über die Nabelschnur auch zum ungeborenen Kind gelangen und auf dieses einwirken können. In einer Studie aus Cambridge, die kürzlich im Fachmagazin JAMA Psychiatry veröffentlicht wurde, konnten die Wissenschaftler zudem zeigen, dass Kinder von Müttern, die in ihrer eigenen Kindheit Misshandlungen erlebt hatten, ein um das Dreifache erhöhte Risiko hatten, an Autismus zu erkranken.

Eine wichtige Frage der Forschung ist, ob und wie diese negativen Veränderungen des Gehirns wieder rückgängig gemacht werden können. Offenbar ist es durchaus möglich, dass sich das Gehirn durch eine positive Veränderung der Umgebung wieder „erholt“. Doch scheint dies zum großen Teil von dem Zeitpunkt abzuhängen, an dem die Veränderungen einsetzen. So ergab eine Langzeitstudie des englischen Forschers Michael Rutter, dass Kinder, die in rumänischen Waisenhäusern unter erbärmlichen Bedingungen gelebt hatten und später adoptiert worden waren, durchaus eine normale kognitive und emotionale Entwicklung aufwiesen – allerdings nur, wenn sie bei der Adoption nicht älter als 18 Monate waren.

Bei Kindern, die zum Zeitpunkt ihrer Adoption älter als 18 Monate waren, blieb die Hirnaktivität meistens dauerhaft vermindert. Offenbar sind also die Chancen, die Folgen der negativen Erfahrungen rückgängig zu machen, besser, je früher ein Umgebungswechsel stattfindet.

Foto: © altanaka - Fotolia.com

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Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
 

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