. Kardiovaskuläre Erkrankungen

Stress gefährdet Erholung nach Herzinfarkt

Sorgen und Stress können die Erholung nach einem Herzinfarkt behindern. Das gilt insbesondere für jüngere Patienten und Frauen. Eine Studie hat nun die Gründe dafür untersucht.
Stress und Herzinfarkt

Nach einem Herzinfarkt ist ein gutes Stressmanagement wichtig.

Dank der guten ärztlichen Versorgung und der modernen medizinischen Technik überleben heutzutage viele Menschen einen Herzinfarkt. Dennoch bleiben sie danach gefährdet, einen weiteren Infarkt oder andere gesundheitliche Probleme zu bekommen. Dabei zeigen sich große Unterschiede bei der Geschlechtszugehörigkeit und  beim Alter. So haben Frauen, die vor dem 56. Lebensjahr einen Herzinfarkt erleiden, danach ein doppelt so hohes Sterberisiko wie Männer. Forscher haben nun untersucht, woran das liegt.

Nach Konflikten sind Herzinfarkte häufiger

Für die sogenannte „VIRGO-Studie“ wurden 2.397 Frauen und 1.175 Männer, die einen Herzinfarkt erlitten hatten, befragt. Es zeigte sich, dass die Frauen vor dem Herzinfarkt häufiger unter Diabetes, Niereninsuffizienz, Depression oder Krebs litten als die männlichen Patienten. Zudem scheinen Stress und Ärger bei Frauen das Risiko für einen Herzinfarkt zu erhöhen. So hatten die Frauen vor dem Ereignis häufiger mit psychosozialen Stresserlebnissen wie Familienkonflikten, Todesfällen oder finanziellen Nöten zu kämpfen als die männlichen Patienten. Auch waren sie häufiger arbeitslos oder teilzeitbeschäftigt. In einer Perceived Stress Scale (PSS-14), welche die emotionalen Stressoren misst, ergaben sich bei den Frauen vor dem Herzinfarkt signifikant höhere Werte als bei den Männern. 

Der höhere Stress wirkte sich zudem negativ auf die Erholung nach dem Herzinfarkt aus. Dies galt für beide Geschlechter, für Frauen, und hier vor allem für die unter 56-Jährigen, aber besonders. Auch litten Teilnehmer mit einem hohen Stresslevel einen Monat nach dem Herzinfarkt häufiger unter Angina pectoris und ihre Lebensqualität war stärker eingeschränkt als bei Teilnehmern, die vor dem Herzinfarkt keine Lebenskrisen zu bewältigen hatten.

Stressmanagement kann Herzinfarkt-Risiko senken

Schon vor einiger Zeit hatte eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie - Herz- und Kreislaufforschung ähnliche Ergebnisse geliefert. In der über zehn Jahre dauernden Langzeitstudie zeigte sich, dass das Risiko für neuerliche Herzprobleme nach einem Herzinfarkt bei einem anhaltend hohen Stressniveau um das Doppelte und bei Wutanfällen und Ärger um das 2,3-Fache stieg. Auch großer Schmerz oder Trauer erhöhten das Risiko.

Nach Ansicht der Autoren der aktuellen Studie könnte ein gutes Stress-Management nach dem Herzinfarkt die negativen Folgen abmildern und das Risiko für einen neuerlichen Infarkt senken. Zudem könnte es sinnvoll sein, neben der körperlichen und medikamentösen Therapie auch eine psychotherapeutische Behandlung durchzuführen.

Foto: © hriana - Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin

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