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Stress auf dem Weg zur Arbeit beeinträchtigt die Produktivität

Pendeln stresst und negative Erlebnisse auf dem Weg zur Arbeit können die Produktivität von Mitarbeitern deutlich beeinträchtigen. Das zeigt eine Studie der „WHU – Otto Beisheim School of Management“. Doch es gibt auch Gegenstrategien.
Pendler schaut auf die Uhr, Zug fährt ein.

Das Pendeln zählt zu den missliebigsten Begleiterscheinungen im Arbeitsalltag – und kann die Produktivität am Arbeitsplatz beeinträchtigen.

Die Bahn hat Verspätung, mit dem Auto steht man im Stau und selbst der Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit kann im gereizten Rush-Hour-Verkehr nervenaufreibend sein. Keine guten Voraussetzungen für einen gelungenen Start in den Arbeitstag. Dass Stress vor der Arbeit negative Auswirkungen auf die Leistungsfähigkeit in der Arbeit haben kann, zeigt eine internationale Studie unter Federführung des Lehrstuhls für Personalführung an der „WHU – Otto Beisheim School of Management“, Düsseldorf.

Schlechtere Impulskontrolle bei Kollegen und Kunden

Um die Auswirkungen des Pendelns auf die Effizienz von Mitarbeitenden bei der Arbeit zu untersuchen, führte das Forscherteam aus deutschen, irischen und britischen Wissenschaftlern zunächst eine Befragung unter Arbeitnehmern durch. Über einen Zeitraum von zehn Tagen dokumentierten die Teilnehmer ihre Pendel- und Arbeitserfahrungen. Dabei stellte sich heraus, dass negative Erlebnisse während des morgendlichen Pendelns zu schlechteren Arbeitsabläufen führten und sich darüber hinaus negativ auf das Engagement der Angestellten auswirkten. Dieser negative Zusammenhang war dann besonders ausgeprägt, wenn die Angestellten über eine hohe Impulskontrolle verfügen mussten, also mit schwierigen Kunden oder Kollegen umgehen mussten.

 

Pendel-Stress verringert Selbstmotivation

Im zweiten Teil der Studie untersuchten die Forscher die Ursachen dafür, wie solche Produktivitätseinbrüche durch das Pendeln entstehen können. Ihr Fazit: „Ein stressiger Weg zur Arbeit beeinträchtigt die Fähigkeit, sich selbst für anstrengende Aufgaben zu motivieren“, heißt es in der Studie. „Ein anstrengender Arbeitsalltag kann danach schlechter bewältigt werden.“

Gegenstrategie: Aufgabe wählen mit schnellem Erfolgserlebnis

Gerade weil angesichts fortschreitenden Erfolge der Impf-Kampagne und rückläufiger Corona-Inzidenzwerte eine zunehmende Rückkehr der Mitarbeitenden an den Arbeitsplatz zur Debatte steht, suchten die Forscher zugleich nach Strategien, um den Folgen negativer Erlebnissen auf dem Weg zur Arbeit aktiv etwas entgegenzusetzen. Den Wissenschaftlern zufolge hilft es beispielsweise, vor dem Arbeitsbeginn einen kurzen Plausch mit einem Kollegen zu halten oder eine kurze Achtsamkeitsübung zu machen. Außerdem sollte die Arbeit so strukturiert werden, dass verbrauchte Energie wieder aufgefüllt wird. „Die Betroffenen sollten zu Beginn eine Aufgabe wählen, die schnell zum Erfolg führt“, lautet eine Empfehlung. „Außerdem ist die Abwechslung zwischen monotonen und herausfordernden Aufgaben und das Setzen angemessener Fristen sinnvoll.“

Pendler-Stress: Was Unternehmen tun können

Den Unternehmen raten die Forscher der Beisheim School of Management, ihren Mitarbeitern flexible Arbeitszeiten zu ermöglichen, sodass sie nicht zwingend zu Stoßzeiten pendeln müssen. Alternativ könnten Unternehmen das Pendeln auch ganz abschaffen und die Mitarbeitenden vermehrt von zu Hause aus arbeiten lassen, so der Rat der Studienautoren. Dann müsse allerdings auf ausreichend sozialen Austausch geachtet werden. Autonomie bei Entscheidungen und wenige Unterbrechungen bei der Arbeit helfen demnach den Angestellten ebenfalls.

Viele, vor allem ältere Angestellte stehen nach Corona einer Rückkehr an den bisherigen Arbeitsort im Unternehmen positiv gegenüber. Selbst wenn der Pendel-Stress für viele durch das Arbeiten im Homeoffice wegfällt: Laut dem erst vor zwei Monaten, im April, veröffentlichten „DEKRA Arbeitssicherheitsreport 2021" führt das vor Corona von vielen ersehnte Arbeiten im Homeoffice oft genauso zu Stress oder Rückenproblemen wie das Arbeiten im Betrieb.

Foto: AdobeStock/lars

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Hauptkategorie: Medizin
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