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08.07.2019

Streit um Novartis Patent: Wer darf den Preis einer CAR-T-Zelltherapie bestimmen?

CAR-T-Zell-Therapien gehören zu den teuersten Krebstherapien auf dem Markt. Aus Sicht von „Ärzte der Welt“ rufen Pharmakonzerne dafür Wucherpreise auf. Soeben hat die Organisation Beschwerde beim Europäischen Patentamt in München eingereicht. Die richtet sich gegen das Patent von Novartis.
CAR-T-Zelltherapien sind teuer: Ärzte der Welt ficht nun das Patent von Novartis an

CAR-T-Zelltherapien sind teuer: Ärzte der Welt ficht nun das Patent von Novartis an

Eine CAR-T-Zell-Therapie kann jungen Leukämiepatienten das Leben retten. Mit Kosten von über 300.000 Euro ist die Behandlung jedoch sehr teuer. Die Organisation Ärzte der Welt spricht von Wucherpreisen und hat eine Beschwerde beim Europäischen Patentamt in München gegen das Patent von Novartis eingereicht. Der Schweizer Pharmakonzern besitzt ein Patent auf die CAR-T-Zell-Therapie Kymriah® sowie eine europäische Zulassung. Bei der Therapie werden T-Lymphozyten der Patienten genetisch so verändert, dass sie Krebszellen erkennen und angreifen können. Obwohl Ärzte oft von einem „Präparat“ sprechen, handelt sich dabei um kein Medikament im klassischen Sinne. An diesem Punkt setzt die Beschwerde von Ärzte der Welt an.

Mehr als 300.000 Euro kostetet eine  CAR-T-Zelltherapie

"Patente auf CAR-T-Zell-Therapien umfassen modifizierte Zellen von Patienten und es sind diese Zellen, die für über 300.000 Euro verkauft werden", erklärt Olivier Maguet, Leiter der Medikamentenkampagne von Ärzte der Welt. "Da ist es nur legitim, den Patentschutz der CAR-T-Zell-Therapien zu hinterfragen. Handelt es sich um ein Medikament? Ein medizinisches Verfahren? Diese Fragen haben einen erheblichen Einfluss darauf, wer das Medikament produzieren und seinen Preis bestimmen darf."

Mit der Patentanfechtung will Ärzte der Welt eine öffentliche Diskussion über diese Fragen anstoßen. Nach Ansicht der Organisation sind überhöhte Medikamentenpreise eine Bedrohung für die Gesundheitssysteme und Gesellschaft. Die Unternehmen könnten exorbitante Preise verlangen, „weil Patente Wettbewerb unterbinden und den Patenthaltern eine faktische Monopolstellung verschaffen“, so Maguet.

 

Nur wenige Leukämiepatienten profitieren

CAR-T-Zell-Therapien sind bisher nur für bestimmte Leukämien und B-Zell-Lymphome zugelassen, für die es keine andere Behandlungsmöglichkeit mehr gibt. Das „Präparat“ Kymriah von Novartis ist für junge Leukämiepatienten bis 25 Jahre zugelassen. Die Zahl der Patienten, die dafür in Frage kommen, ist daher überschaubar.

Es laufen jedoch bereits klinische Studien für eine Reihe anderer Anwendungsbereiche, so dass diese Therapieform in Zukunft breiter eingesetzt werden könnte. Bei den aktuellen Preisen würden die Gesundheitssysteme einen universellen Zugang dazu nicht ermöglichen können, begründet Ärzte der Welt seinen Einspruch

"Die exorbitanten Preise für Car-T-Zell-Therapien sind durch die Kosten für Forschung und Entwicklung in keiner Weise gerechtfertigt“, sagt François De Keersmaeker, Direktor von Ärzte der Welt Deutschland. Der Profitgier der Pharmaindustrie müsse Grenzen gesetzt werden.

Neben Novartis besitzt zurzeit noch Gilead eine europäische Zulassung für die CAR-T-Zelltherapie. Beide Therapien waren im September 2018 erstmals in Europa zugelassen worden. Nach bisherigen Erkenntnissen reicht eine einzige Therapie aus, um Patienten dauerhaft zu heilen. Das relativiert den hohen Preis. 

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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