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Streit um Glaukomvorsorge

Freitag, 11. Mai 2012 – Autor: Anne Volkmann
Im vor kurzem eingeführten "IGeL-Monitor" wird der Sinn der Glaukomvorsorge angezweifelt. Augenärzte widersprechen dieser Einschätzung vehement. Die Patienten müssen nun selbst entscheiden, wem sie glauben sollen.
Streit um Glaukomvorsorge

BVMed

Etwa 500.000 bis 800.000 Menschen in Deutschland leiden an einem Glaukom ("Grüner Star"). Die Krankheit kann zur Erblindung führen. Ursache eines Glaukoms ist häufig ein erhöhter Augeninnendruck. Er kann Sehnerv und Netzhaut irreparabel schädigen. Der Berufsverband der Augenärzte rät daher allen Menschen über 40 Jahren, regelmässig eine Glaukom-Vorsorgeuntersuchung vornehmen zu lassen. Doch diese Untersuchung ist keine Kassenleistung, sondern muss in der Regel vom Patienten selbst bezahlt werden. Sie gehört damit zu den sogenannten Individuellen Gesundheitsleistungen (IGeL).

IGeL-Monitor: Augeninnendruckmessung verzichtbar

Seit Anfang des Jahres gibt es nun die Online-Plattform "IGeL-Monitor", mit der die Kassen die Versicherten über Nutzen und Schaden der Selbstzahlerleistungen informieren und sie so vor einer möglichen Abzocke in Praxen bewahren wollen. Als Beispiel für verzichtbare Untersuchungen wird hier die Messung des Augeninnendrucks zur Glaukomvorsorge angeführt. Als Grund wird genannt, es gebe noch keine abschliessenden Daten, die belegten, dass ein früh behandeltes Glaukom eine Erblindung besser verhindern könne als ein spät behandeltes. Der Sinn der Untersuchung wird daher vom "IGeL-Monitor" als "tendenziell negativ" bewertet.

 

Widerspruch der DOG

Die Deutsche Ophtalmologische Gesellschaft (DOG) widerspricht dieser Darstellung. Sie rät nach wie vor, ab dem 40. Lebensjahr alle drei Jahre und ab dem 65. Lebensjahr alle zwei bis drei Jahre die Sehnerven und den Augeninnendruck überprüfen zu lassen. Die Erfahrungswerte, so die Erklärung der Gesellschaft, zeigten, dass eine Früherkennung bei diesem Krankheitsbild sinnvoll sei. Die Glaukom-Vorsorge solle insbesondere die Zahl der unerkannten Glaukome reduzieren. Deren Anteil wird in Deutschland derzeit auf 50 Prozent geschätzt. In einer Stellungnahme erklärte Professor Franz Grehn, Präsident der Weltglaukomgesellschaft und Schriftführer der DOG, ein frühzeitiges Erkennen der Krankheit sei vor allem deshalb wichtig, weil die einmal durch ein Glaukom entstandenen Schäden nicht wieder behoben werden können. Die Behandlung eines Glaukoms hingegen ist meist einfach und wirkungsvoll: Mit Medikamenten kann der Arzt den Abfluss des Kammerwassers erhöhen oder dessen Produktion senken und damit den Druck normalisieren. Helfen Augentropfen nicht, ist auch eine Laser-Behandlung oder eine Operation möglich.

Verfälschte Bewertung der Glaukom-Vorsorge?

Schon kurz nach der Einführung des "IGeL-Monitors" hatten Augenärzte protestiert. Der Vorsitzende des Berufsverbands der Augenärzte (BVA) Professor Bernd Bertram hatte erklärt, die negative Bewertung des Glaukomvorsorge läge vor allem darin begründet, dass hier nur die isolierte Augeninnendruckmessung (Tonometrie) betrachtet worden sei. Zu einer vollständigen Vorsorgeuntersuchung gehöre aber immer auch die Pupillenbeurteilung. Die Ergebnisse der Bewertung durch den "IGeL-Monitor" seien also verfälscht. Ob der Patient nun an den Sinn der Glaukom-Vorsorge glauben will oder nicht, muss er selbst entscheiden. Aus eigener Tasche muss er die Untersuchung auf jeden Fall bezahlen.

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