. Krankenhausrechnungen

Streit um Falschabrechnungen der Kliniken

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen behauptet, jede zweite genau geprüfte Krankenhausrechnung sei fehlerhaft. Die Krankenhäuser widersprechen.
Streit um Falschabrechnungen der Kliniken

Wenn Kassen genau nachprüfen: Über die Hälfte der Krankenhausrechnungen sollen Fehler enthalten

Jede zweite der genau geprüften Krankenhausrechnungen stimmt nicht. Das teilt der GKV-Spitzenverband heute mit. Demnach seien im Jahr 2012  bundesweit knapp 53Prozent der genau geprüften Krankenhausabrechnungen fehlerhaft gewesen, ein ähnliches Ergebnis liege für das erste Halbjahr 2013 vor. Genau geprüft werden nach Angaben des Kassenverbands bundesweit etwa rund elf bis zwölf Prozent aller Abrechnungen, wenn es nach einer ersten Sichtung Anzeichen für mögliche Fehler gebe. Augenfällig seien etwa zu lange Liegezeiten bei leichten Erkrankungen. Den Gesamtschaden durch fehlerhafte Abrechnungen bezifferten die Kassen auf rund 2,3 Milliarden Euro.

Krankenhäuser sehen 95 Prozent der Rechnungen unbeanstandet

Klar, dass so eine Meldung für viel Wirbel sorgt. Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hält die Aussage schlichtweg für falsch und kontert, von gezielten Falschabrechnungen der Krankenhäuser könne überhaupt keine Rede sein. Vielmehr mischten sich die Kassen in medizinische Angelegenheiten ein. „Rund 70 Prozent der Prüfungen des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) stellen in Frage, ob Patienten ins Krankenhaus hätten aufgenommen werden sollen bzw. ob sie früher hätten entlassen werden können. Hier geht es nicht um Abrechnungen, sondern um die Infragestellung der von den Krankenhäusern umfassend geleisteten medizinischen Versorgung“, erklärte heute der Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG), Georg Baum. Weiter betont er, dass mehr als 95 Prozent der Klinikrechnungen letztlich unbeanstandet blieben - bei ca. 18,6 Millionen Behandlungsfällen jährlich. Zu dem Gesamtschaden erklärte Baum: „Bei den 2,3 Milliarden Euro handelt es um das von Krankenkassen ausgelöste Prüfvolumen. Das tatsächliche Kürzungsvolumen beläuft sich auf weniger als die Hälfte.“

Falschabrechnungen? Neue Schiedsstelle soll Konflikte lösen

Der Streit zwischen Kassen und Kliniken ist nicht neu. Immer wieder kommt es zu unterschiedlichen Einschätzungen des komplizierten Abrechnungssystems. Um Abhilfe zu schaffen, hat der Gesetzgeber vorgesehen, dass sich die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) und der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) auf ein klares Verfahren für die Abrechnungsprüfungen verständigen. Allerdings sind die Verhandlungen zwischen den beiden Parteien gescheitert, untere anderem deshalb, weil sich der GKV Spitzenverband in seinen Prüfmöglichkeiten eingeschränkt sah. Nun muss die Schiedsstelle eine Lösung bringen. In der nächsten Woche wird die neu eingerichtete Bundesschiedsstelle ihre Arbeit aufnehmen. Ihre Aufgabe ist es, wiederkehrende medizinische Streitfragen im Schlichtungsverfahren für beide Seiten verbindlich zu klären.

Foto: © Gina Sanders - Fotolia.com

Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
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