Strahlentherapie bei Brustkrebs keine Gefahr fürs Herz

Krebstherapien können viele Nebenwirkungen haben. Die Befürchtung, dass die Strahlentherapie das Herz schädigen könnte, wurde jedoch gerade entkräftet.

Brustkrebs wird oft postoperativ bestrahlt, um auch die letzten Krebszellen im Operationsgebiet abzutöten. Klar ist, dass sich das Herz in unmittelbarer Nähe befindet. Unklar ist, ob und inwieweit eine Strahlentherapie das Herz schädigt. Das wird nicht nur von Patientinnen, sondern auch von Ärzten mitunter befürchtet. Nun gibt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) Entwarnung: Eine neue Studie zeigt, dass weder akut noch langfristig Herzschäden als Therapiefolge auftreten.

Krebspatientinnen sterben sogar seltener an Herzleiden

In der Registerstudie werteten die Forscher um Janick Weberpals die Daten von 347.476 Patientinnen aus, die in den Jahren 2000 bis 2011 an Brustkrebs erkrankt waren und mit einer Strahlen- oder Chemotherapie behandelt wurden. Die Patientinnen wurden bis 2014 nachbeobachtet und es zeigte sich, dass ihre kardiale Mortalität nicht höher war als in der Allgemeinbevölkerung – im Gegenteil: Sie war sogar etwas niedriger. (unter Chemo oder Strahlentherapie

Nebenwirkungen betreffen nicht die Herzgesundheit

„Krebstherapien gehen nicht zu Lasten der Herzgesundheit“, kommentiert DKFZ-Chef Prof. Dr. Michael Baumann die Ergebnisse, die soeben im Fachmagazin “European Heart Journal“ erschienen sind.  Baumann, selbst Strahlentherapeut, führt dieses ausgewogene Nutzen-Risiko-Profil u.a. auf eine präzise Strahlentherapie und zusätzlich ein gutes Risikomanagement in den Kliniken, etwa durch spezielle kardioonkologische Einheiten, zurück: „Engmaschige Kontrollen im Verlauf und nach der Behandlung ermöglichen es, eventuelle Nebenwirkungen auf das Herz frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.“ Weitere Studien mit noch längerer Nachbeobachtung und genauen Kenntnissen zur Strahlendosis am Herzen sollten jedoch durchgeführt werden, um eventuelle Risikopatientinnen noch genauer als bislang identifizieren und gezielt betreuen zu können, meinte der Krebsmediziner.

Verfahren immer präziser geworden

Die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) verweist indes auf den technischen Fortschritt, der strahlentherapeutische Verfahren seit einigen Jahren sehr viel nebenwirkungsärmer gemacht habe. Mit dem Verfahren des Atemgatings (atemabhängige Bestrahlung) sei es möglich, das Herz insbesondere beim linksseitigen Brustkrebs deutlich zu schonen und somit die Nebenwirkungswahrscheinlichkeit zu reduzieren.

 

„Die Radioonkologie verbessert stetig die strahlentherapeutischen Verfahren, um eine hohe Effektivität gegen Krebszellen bei gleichzeitig geringer Toxizität zu erzielen“, erklärte DEGRO Sprecherin Prof. Stephanie E. Combs, Dort, wo ein empfindliches Organ in der Nähe liege wie zum Beispiel das Herz, könne die Strahlendosis verringert werden, andere Areale des Tumors könnten, wenn nötig, mit höherer Dosis bestrahlt werden.

 

Die Strahlentherapie wird nach Brustkrebsoperationen eingesetzt, um das Rückfallrisiko zu reduzieren. Studien haben gezeigt, dass die Bestrahlung als Teil eines therapeutischen Gesamtkonzepts dazu beiträgt, das Sterblichkeitsrisiko zu senken und die Heilungschancen zu erhöhen.

 

Foto: pixabay

Autor: ham
 

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