Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
26.05.2021

STIKO empfiehlt Schwangeren mRNA-Impfstoff in Ausnahmenfällen

Die Ständige Impfkommission hat bislang keine allgemeine Impfempfehlung für Schwangere ausgesprochen. Für Frauen mit Vorerkrankungen wurden aber Ausnahmen formuliert. Eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff soll ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel möglich sein.
Eine Covid-Impfung in der Schwangerschaft ist nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Anlayse möglich

Eine Covid-Impfung in der Schwangerschaft ist nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Anlayse möglich

Können sich Schwangere bedenkenlos gegen Covid-19 Impfen lassen? Da aus den Zulassungsstudien hierzu keine Daten vorliegen, hat die Ständige Impfkommission bisher keine generelle Impfempfehlung für Schwangere ausgesprochen. Jedoch empfiehlt die STIKO seit dem 10. Mai in bestimmten Fällen eine Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel. Grundlage sind offenbar Beobachtungen aus den USA, wo schon viele Schwangere gegen Covid geimpft wurden.

„Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem daraus resultierenden hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung oder mit einem erhöhten Expositionsrisiko aufgrund ihrer Lebensumstände kann nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher ärztlicher Aufklärung eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff ab dem 2. Trimenon angeboten werden“, heißt es in einer Erklärung der STIKO.

Schwangerschaft erhöht Risiko für Beatmung um den Faktor 23

Mit dieser Lockerung trägt die STIKO auch den Erkenntnissen Rechnung, dass Schwangere deutlich häufiger schwere Krankheitsverläufe erleiden als Nicht-Schwangere. „Die Gefahr, dass diese Frauen intensivmedizinisch betreut werden müssen, ist um ein Sechsfaches erhöht. Das Risiko, dass sie beatmet werden müssen, sogar 23 Mal größer als bei Nicht-Schwangeren“, berichtet Geburtsmediziner Prof. Walter Klockenbusch vom Universitätsklinikum Münster. Die genauen Ursachen dafür kenne man nicht. Ursächliche Faktoren seien aber unter anderem wahrscheinlich eine verminderte Elastizität der Brustwand und der Zwerchfellhochstand in der Schwangerschaft.

Geburtsmediziner Klockenbusch würde daher Schwangere generell gegen Covid-19 impfen. „Ich kann aus eigener Anschauung sagen, dass Covid-19 bei werdenden Müttern einen sehr schweren, sogar tödlichen Verlauf nehmen kann. Ich halte es darum für richtig, Schwangere zu impfen.“

 

Kinder bekommen immunologischen Nestschutz durch die Mutter

Im CRONOS-Register der Deutschen Gesellschaft für Perinatalmedizin wurden deutschlandweit bis zum heutigen Tag über 2.136 SARS-CoV-2-Infektionen bei Schwangeren registriert. Von den infizierten Müttern mussten 86 auf Intensivstationen behandelt werden – leider verstarben davon auch einige Schwererkrankte. Laut Klockenbusch bietet die Impfung der Mutter auch einen immunologischen Nestschutz fürs Kind. Auch beim Stillen würden die Antikörper gegen Covid-19 weitergegeben, sofern die Mütter geimpft sind. Dies sei zwar bei zuvor genesenen Müttern auch der Fall, so der Leiter der UKM-Geburtshilfe. „Allerdings umgeht die Schwangere bei Impfung eben die Gefahr eines schweren Verlaufs.“

Mehrere Fachgesellschaften haben sich inzwischen für eine großzügige Auslegung der STIKO-Impfempfehlung ausgesprochen. Allerdings ohne eine ausreichende Datenbasis. Auch die Langzeitauswirkungen der Impfung auf die Kinder sind noch gänzlich unbekannt.

Foto: © Adobe Stock/ Marina Demidiuk

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schwangerschaft

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Auch 35 Jahre nach der Reaktorkatastophe von Tschernobyl sind bestimmte Waldpilze auch in Deutschland noch immer so stark mit radioaktivem Cäsium-137 belastet, dass man sie auf keinen Fall essen sollte. Darauf weist das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) anlässlich der beginnenden Pilzsaison hin.
 
Kliniken
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin