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STIKO-Chef Mertens vermisst ausreichende Daten zur Kinderimpfung

Donnerstag, 2. Dezember 2021 – Autor:
Die Coronaimpfung für fünf- bis elfjährige ist zugelassen. Doch es fehlen noch Daten zu Nebenwirkungen, beklagt STIKO-Chef Thomas Mertens. Seine eigenen Kinder würde er darum momentan nicht impfen lassen.
Angesichts fehlender Daten würde STIKO-Chef Mertens seine eigenen Kinder derzeit nicht gegen das Coronavirus impfen lassen

Angesichts fehlender Daten würde STIKO-Chef Mertens seine eigenen Kinder derzeit nicht gegen das Coronavirus impfen lassen – Foto: © Adobe Stock/ Sura Nualpradid

Der Corona-Impfstoff für Kinder soll am 12. Dezember nach Deutschland kommen. Zugelassen in der EU ist er bereits. Nun muss die Ständige Impfkommission (STIKO)eine Empfehlung aussprechen, ob es tatsächlich vertretbar ist, Kinder dieser Altersgruppe zu impfen. Die Datenbasis ist aber dünn.

Jenseits der Zulassungsstudie keinerlei Daten

Jenseits der Zulassungsstudie gebe es „keinerlei Daten“ über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Kinder zwischen fünf und elf Jahren, sagte STIKO-Chef Thomas Mertens im FAZ-Podcast. Die aktuellen Studien zeigten, dass Aussagen über Langzeitschäden kaum möglich seien. Sein eigenes siebenjähriges Kind würde er angesichts fehlender Daten derzeit nicht gegen das Coronavirus impfen lassen, betonte der Virologe aus Ulm. Corona-Infektionen verliefen bei Kindern in der Regel harmlos. Umso sicherer müsse man sein, dass die Impfung langfristig gut verträglich sei, fuhr Mertens fort. Vor dieser Abwägung stehe die STIKO.

 

Mertens wehrt sich gegen politischen Druck

Die STIKO ist eine Kommission, die ihre Impfempfehlungen aus wissenschaftlich gesicherten Erkenntnissen ableitet. Einzig der Evidenz, ist sie verpflichtet – nicht politischem oder gesellschaftlichem Druck. Die wechselnde Stimmung in der Öffentlichkeit und auch bei Politikern könne nicht das Maß für die Entscheidung der Kommission sein, ob eine Impfung von Kindern empfohlen werde, erklärte Mertens gegenüber der FAZ. „Falsche politische Entscheidungen können nicht durch eine Impfung korrigiert werden“, kritisierte er. Die fehlende Impfbereitschaft der 18- bis 59-Jährigen dürfe nicht durch eine Impfung der Kinder ausgeglichen werden.

STIKO will bis zum 11. Dezember Empfehlung aussprechen

Daten aus den USA, wo fünf- bis elfjährige schon seit Wochen geimpft werden, sollen erst Ende Dezember publiziert werden. Auch Daten aus Irsael liegen noch nicht vor. Dennoch will die STIKO bis zum 11. Dezember eine Empfehlung aussprechen, also noch bevor die Impfung von Kindern in Deutschland beginnt.

Die Empfehlung diene der größtmöglichen Sicherheit für die Kinder, sagte Mertens. Heißt im Klartext, dass sich die STIKO auch gegen eine allgemeine Impfung für Kinder zwischen fünf und bis elf Jahren aussprechen kann. Als wahrscheinlich gilt, dass die STIKO die Impfung zunächst nur besonders gefährdeten Kindern, etwa mit Vorerkrankungen oder starkem Übergewicht, empfiehlt, also solchen, "die es nötig haben." 

Die Zulassung der EU preist das mit ein. Entscheidungen für oder gegen die Impfung von Kindern bleiben den EU-Mitgliedsstaaten überlassen. Die STIKO-Empfehlungen sind jedoch für die Politik nicht bindend. Wenn ein Impfstoff zugelassen ist, darf er auch verimpft werden.

Gegen eine generelle Empfehlung spreche derzeit die fehlende Datenlage zum Kinderimpfstoff, sagte Mertens. Man müsse noch abschließend herausfinden, was die Impfung der jungen Altersgruppe für das Fortschreiten der Pandemie bedeute.

Corona spielt auf den Kinderintensivstationen praktisch keine Rolle

Dass schwere Covid-Infektionen bei Kindern äußerst selten sind, zeigt ein Blick auf Deutschlands Kinderintensivstationen: Dort liegen derzeit Kinder mit anderen Atemwegserkrankungen. Vor allem wegen Respiratorisch Synzytial-Virus-Infektionen (RSV) sind die pädiatrischen Intensivsationen voll, aber nicht wegen Corona. Das muss mit auf die Rechnung.

Hauptkategorien: Corona , Medizin
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