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12.06.2020

Statt Immunsuppressiva: Zelltherapie verspricht weniger Nebenwirkungen nach Nierentransplantation

Nach einer Nierentransplantation müssen die Patienten Immunsuppressiva bekommen, um eine Abstoßung des Spenderorgans zu verhindern. Das erhöht die Anfälligkeit für schwere Infekte. Eine Zelltherapie kann die Nebenwirkungen offenbar reduzieren, wie Forscher der Charité berichten.
Nierentransplantation: Zelltherapie ist alternative Behandlungsmöglichkeit zu Immunsuppressiva

Nierentransplantation: Zelltherapie ist alternative Behandlungsmöglichkeit zu Immunsuppressiva

Jede Organtransplantation birgt das Risiko, dass das Spenderorgan abgestoßen wird. Um das zu verhindern, wird das Immunsystem des Patienten üblicherweise mit Immunsuppressiva unterdrückt. Jedoch kann auch diese Therapie die Abstoßung nicht immer verhindern. Zudem treten oft starke Nebenwirkungen wie Unverträglichkeiten, Infektionen oder andere Erkrankungen auf. Das ist auch bei Nierentransplantierten so. Dass diese Patienten von einer regulatorischen Zelltherapie profitieren, haben nun Forscher der Charité in einer großangelegten internationalen Studie zeigen können. Bei dieser alternativen Behandlungsmöglichkeit muss das Immunsystem zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen weniger stark unterdrückt werden. Das wirkt sich unmittelbar auf die Nebenwirkungen aus.

40 Prozent weniger Immunsuppressiva = weniger Nebenwirkungen

„Mit der neuen Zelltherapie konnte die immunsuppressive Behandlung in etwa 40 Prozent der Patienten vermindert und so das Risiko für Nebenwirkungen minimiert werden“, sagt die Erstautorin der Studie, Prof. Dr. Birgit Sawitzki vom Institut für Medizinische Immunologie am Campus Virchow-Klinikum. Zugleich erwiesen sich die regulatorischen Zellen als eine ebenso sichere Behandlung wie die üblichen Medikamente und führten nicht häufiger zu akuten Abstoßungen. „Besonders beeindruckend“, findet Prof. Sawitzki, „dass keiner der Patienten nach Verabreichung der regulatorischen Zellen an einer Infektion mit gefährlichen Herpesviren erkrankte, die nach einer Transplantation oft zu Komplikationen führen.“

 

Infusion mit Immunzellen verhindert Infektionen

Bei der Zelltherapie werden bestimmte Immunzellen außerhalb des Körpers vermehrt und anschließend dem Patienten per Infusion zurückgegeben. Dadurch wird eine selbsterhaltende Immunregulation wiederhergestellt.

In der „ONE-Studie“ wurden diese Therapien bei Patienten vor oder nach einer Nierentransplantation angewendet. Sie umfassten regulatorische T-Zellen und Makrophagen sowie dendritische Zellen, die entzündungshemmende Botenstoffe produzieren. Die Behandlungsergebnisse Ergebnisse wurden dann mit einer Gruppe von Patienten verglichen, die eine Standardbehandlung mit Immunsuppressiva erhielt. Die Patienten wurden über weitere 60 Wochen betreut und untersucht.

„Die Patienten wiesen vor der Transplantation eine veränderte Zusammensetzung der Immunzellen auf, und ihr Normalzustand konnte durch die regulatorischen Zellen deutlich besser als durch eine Standardtherapie wiederhergestellt werden“, erklärt Samwitzky und ergänzt: „Es bestehen damit neue, sichere Therapiemöglichkeiten, mit denen die Dosierung der üblichen immunsuppressiven Medikamente reduziert und das Risiko von Virusinfektionen gesenkt werden kann.“

Die Studie “Regulatory cell therapy in kidney transplantation (The ONE Study): a harmonised design and analysis of seven non-randomised, single-arm, phase 1/2A trials” ist jetzt im Fachjournal “The Lancet” erschienen.

Die Charité-Forscher wollen die Wirksamkeit der regulatorischen Zelltherapie nach Nierentransplantationen nun durch Folgestudien bestätigen.  

Foto: © Adobe Stock/ stock28studio

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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