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Statine wirken sich wohl doch nicht negativ aufs Gedächtnis aus

Seit 2012 muss auf Anordnung der FDA in Beipackzetteln von Statinen darauf hingewiesen werden, dass diese Medikamente die kognitiven Fähigkeiten des Patienten beeinträchtigen können. Jetzt zeigt eine Neubewertung von Studien, dass die Haltung des FDA zu vorsichtig sein könnte.

Alte Studien - neue Erkenntnis zu Statinen.

Wissenschaftler bezweifeln, dass die kürzlich von der amerikanischen Arzneimittelbehörde FDA ausgegebene Warnung  zu Cholesterinsenkern berechtigt ist. Die FDA sieht die Gefahr, dass durch die Einnahme von Statinen die Gedächtnisleistung der Patienten abnehmen könnte und dass es zu anderen sowie anderen kognitiven Störungen kommen könnte. Wie Springer jetzt mitteilte, stellte eine Bewertung bereits vorhandener Studien nun die vorsichtige Haltung der FDA in Frage. Das jedenfalls war das Ergebnis der systematischen Neubewertung 25 klinischer Versuchsreihen mit nahezu 47.000 Probanden. Leiter der Untersuchung war Brian R. Ott, M.D., Direktor des Alzheimer-Center am Rhode Island Hospital. Die Ergebnisse sind kürzlich in der Zeitschrift Journal of General Internal Medicine veröffentlicht worden.

Es ließ sich kein signifikanter Effekt der Statin-Einnahme auf die mentalen Fähigkeiten feststellen

Mithilfe bewährter Analysemethoden führte Otts Team eine umfassendere Analyse durch. „Untersucht wurden die Daten von 25 relevanten, randomisierten klinischen Versuchsreihen, die sich mit einem möglichen Zusammenhang zwischen Statintherapie und mentalen Fähigkeiten befassten. Insgesamt umfassten diese Studien die Testergebnisse von 46.836 Patienten“, schreibt der Wissenschaftsverlag Springer, der die Zeitschrift verlegt, in einer Pressemitteilung. Durch eine Meta-Analyse hätten Ott und seine Kollegen 14 der Studien mit insgesamt 27.643 Probanden miteinander kombiniert und gegenübergestellt.

 Weder bei Menschen mit normalen Gehirnfunktionen noch bei Alzheimer-Patienten ließe sich ein signifikanter Effekt der Statin-Einnahme auf die mentalen Fähigkeiten feststellen. Eine Neubewertung der FDA-Warnung scheine darum angebracht. Ott hält es auch für erforderlich, die Gründe für die Unterschiede zwischen den aktuellen Untersuchungsergebnissen und den Ausgangsberichten, auf denen die Warnung basierte, zu hinterfragen. Möglicherweise resultierten einige der mentalen Veränderungen, die in den Fallstudien genannt wurden, aus einer Überdosierung der Statine.

 

Bei Gedächtnisproblemen sollte auch nach Ursachen wie neuro-psychiatrischen Ursachen geforscht werden

Die Ergebnisse der aktuellen Studie entsprechen laut Springer dem Sicherheitshinweis des American College of Cardiology aus dem Jahr 2013 und der American Heart Association Cholesterol Guideline. Demnach sollte bei Patienten, die Cholesterinsenker einnehmen und verwirrt wirken oder Gedächtnisprobleme haben, auch nach anderen Ursachen geforscht werden, etwa der Einnahme anderer Medikamente oder systemischen oder neuro-psychiatrischen Ursachen.

 „Wir konnten keine nennenswerten Effekte der Statin-Einnahme auf kognitive Fähigkeiten feststellen“, wird Ott zitiert. „Mit Blick auf unsere Resultate ist es fraglich, ob der Hinweis der FDA zu potenziell negativen Auswirkungen der Statine noch gerechtfertigt ist.“

Foto: Fotolia - 

Autor: Cornelia Wanke
 

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