. Neue Meta-Analyse

Statine und Demenz: Was stimmt?

Schützen Statine vor Demenz oder verursachen sie sogar Gedächtnisstörungen? Eine neue Studie hat jetzt Klarheit geschaffen. Patienten können aufatmen.

Etwa 220 Millionen Menschen weltweit nehmen die Mittel ein, um sich vor Herzinfarkten und Schlaganfällen zu schützen. Die Rede ist von Statinen, auch Cholesterinsenker genannt. In letzter Zeit entstand viel Verwirrung um diese Medikamentenklasse, deren jährlicher Gesamtumsatz auf etwa 20 Milliarden Euro beziffert wird.

Während einige Studien zeigten, dass Statine zu Gedächtnisstörungen und Vergesslichkeit bis hin zum vorübergehenden Gedächtnisverlust führen können, belegten andere Studien das genaue Gegenteil: Demnach sollten Statine sogar vor Demenz schützen. Was aber stimmt?

„Zusammen mit entsprechenden Presseberichten hat dies auch zur Verunsicherung der Patienten beigetragen“, sagt Professor Matthias Endres, zweiter Vorsitzender der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft (DSG) und Direktor der Klinik für Neurologie an der Berliner Charité. „Deshalb war es enorm wichtig, die Studien dazu genau unter die Lupe zu nehmen.“

Statine: Langfristige Einnahme senkt das Demenzrisiko um 29 Prozent

Das haben nun US-Forscher um Kristopher J. Swiger von der Johns Hopkins University in Baltimore getan. In einer Meta-Analyse werteten die Forscher mehr als 16 verschiedene Studien aus, an denen insgesamt mehr als 23.000 Patienten teilgenommen hatten. Zunächst das beruhigende Ergebnis: Statine können das Gedächtnis nicht schädigen. Ganz im Gegenteil. Werden Statine ein Jahr oder länger eingenommen, sinkt das Demenzrisiko um 29 Prozent. Eine kurzfristige Einnahme der Cholesterinsenker zeigt laut der neuen Studie hingegen keinen Effekt.

Für Professor Hans-Christoph Diener von der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) ist das ein erfreuliches Ergebnis, das aber nicht überschätzt werden dürfe: „Im Umkehrschluss sollten Statine aber nicht entgegen ihrer Zulassung als Anti-Demenzmittel eingesetzt werden“, betont der Neurologe. Er begrüßte indes, dass Patienten, die Statine einnehmen, nun keine Gedächtnisschäden mehr befürchten müssten. „Was die neurokognitiven Effekte der Statin-Therapie angeht, so könnten Ärzte und Patienten nun beruhigt sein“, folgert Diener aus der neuen Studie.

Deutsche Ärzte sind skeptisch optimistisch

Ob Statine aber tatsächlich ein Schutz vor Demenz bieten, ist für die Wissenschaftler trotz der neuen Studienergebnisse noch nicht ganz ausgemacht. „Einige große Statin-Studien, wie die PROSPER-Studie oder die Heart Protection Study, ergaben keinen Hinweis auf einen schützenden Effekt der Statine. Diese wurden aber in der aktuellen Übersichtsstudie nicht mit eingerechnet“, kritisiert Schlaganfallexperte Endres. Er bleibt dabei: Statine sind keine Anti-Demenzmittel. Momentan wird in Beipackzetteln sogar noch vor einer Schädigung des Gedächtnisses als mögliche Nebenwirkung gewarnt.

Foto: © Henry Schmitt - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Arzneimittel , Statine , Cholesterin , Schlaganfall , Herzinfarkt

Weitere Nachrichten zum Thema Cholesterin

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Bei Frauen mit genetisch bedingtem Lungenhochdruck kann Östrogen eine Rolle bei der Erkrankung spielen. Experimente zeigen nun, dass Medikamente, die das Östrogen hemmen, der Erkrankung vorbeugen und auch zu ihrer Behandlung dienen können.
Knapp drei Millionen Tiere sterben in Deutschland jedes Jahr für die Forschung – viele davon umsonst, weil sich die Ergebnisse aus Tierversuchen oft nicht auf Menschen übertragen lassen. Nun wurde ein Modellsystem ausgezeichnet, das Tierversuche in der Schlaganfallforschung ersetzen soll.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.