Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
04.01.2019

Statine reduzieren das gesunde braune Fett

Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Sie senken den Cholesterin-Spiegel. Doch sie haben auch ungünstige Effekte. So reduzieren sie das gesunde braune Fett.
Arteriosklerose, Atherosklerose, Gefäßverkalkung, Gefäßverengung

Statine schützen vor Atherosklerose - doch sie haben auch ungünstige Effekte

Statine gehören zu den am häufigsten verschriebenen Medikamenten. Sie senken den Spiegel des ungünstigen LDL-Cholesterins und schützen vor Atherosklerose. Zugleich haben sie aber auch einen ungünstigen Effekt: Sie reduzieren das für die Gesundheit vorteilhafte braune Fettgewebe. Das fanden Wissenschaftler der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) in Zürich heraus.

Ein Teil der erwachsenen Menschen besitzt nicht nur weißes, sondern auch braunes Fettgewebe. Letzteres hilft, Zucker und Fett in Wärme zu verwandeln. Wer braunes Fettgewebe hat, kann seine Körperwärme im Winter besser regulieren und leidet weniger häufig an Übergewicht und an Diabetes.

Wie aus weißem Fett das braune Fett entsteht

Prof. Christian Wolfrum vom Labor für translationale Ernährungsbiologie der ETH erforscht mit Kollegen schon seit Jahren das braune Fettgewebe. Sie gingen der Frage nach, wie aus den "schlechten" weißen Fettzellen, welche das bekannte Fettpolster bilden, "gute" braune Fettzellen entstehen.

In Zellkultur-Experimenten fanden sie nun heraus: Eine zentrale Rolle bei dieser Umwandlung spielt der für die Herstellung von Cholesterin verantwortliche Stoffwechselweg. Als Schlüsselmolekül, das die Umwandlung reguliert, identifizierten die Wissenschaftler das Stoffwechselprodukt Geranylgeranyl-Pyrophosphat.

 

Cholesterin-Stoffwechselweg für Wirkung der Statine zentral

Der Cholesterin-Stoffwechselweg ist für die Wirkung von Statinen zentral. Unter anderem führen Statine zu einer verminderten Bildung von Geranylgeranyl-Pyrophosphat. Daher wollten die Forschenden wissen, ob Statine auch die Bildung von braunem Fettgewebe beeinflussen. Sie tun das in der Tat, wie die Wissenschaftler nun in Studien bei Mäusen und Menschen zeigen konnten.

Unter anderem werteten die Forschenden Positronen-Emissions-Tomografiebilder von rund 8.500 Patienten des Universitätsspitals Zürich aus. Auf diesen Bildern konnten die Wissenschaftler erkennen, ob die Personen braunes Fettgewebe besitzen. Ausserdem war von den Patienten bekannt, ob sie Statine nehmen mussten.

Statine reduzieren das gesunde braune Fett

Die Auswertung zeigte, dass unter den Personen, die keine solche Mittel nehmen mussten, 6 Prozent braunes Fettgewebe hatten. Unter den Personen, die Statine einnahmen, hatten nur gut 1 Prozent solches Gewebe. In einer davon unabhängigen klinischen Studie mit 16 Personen an den Universitätsspitälern Basel und Zürich konnten die Forschenden ausserdem zeigen, dass Statine die Aktivität des braunen Fettgewebes reduzieren.

Obschon die Studie einen negativen Effekt von Statinen aufzeigt, warnt der ETH-Professor davor, diese Medikamente nun zu verteufeln. "Man muss in die Waagschale werfen, dass Statine unheimlich wichtig sind zur Prophylaxe von Herzkreislauferkrankungen. Diese Medikamente retten weltweit vielen Millionen Menschen das Leben und werden aus guten Gründen verschrieben", sagt Wolfrum in einer Pressemitteilung der Hochschule.

Statine können auch Risiko für Diabetes 2 erhöhen

Es gibt allerdings noch einen weiteren negativen Effekt von Statinen: Hochdosiert eingenommen erhöhen sie bei gewissen Menschen das Risiko, an Diabetes zu erkranken, wie aus anderen Studien bekannt ist. "Möglicherweise hängen diese beiden Effekte - die Verringerung von braunem Fettgewebe und das leicht erhöhte Diabetes-Risiko - zusammen", sagt Wolfrum. Dies müsse nun aber zunächst genauer untersucht werden.

In weiterer Forschung müsse man den Wirkmechanismen auf den Grund gehen und herausfinden, welche Patienten von den negativen Effekten betroffen sind. Möglicherweise könnte man dann mit Ansätzen der personalisierten Medizin der Mehrheit der Patienten weiterhin Statine empfehlen, müsste jedoch einer kleinen Patientengruppe alternative Therapien nahelegen.

Foto: peterschreiber.media/fotolia.com

Autor: bab
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Cholesterin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Fett

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
 
Weitere Nachrichten
Der sogenannte Bauernhof-Schutz gegen Allergien ist schon länger bekannt. Mit Beta-Laktoglobulin wurde ein Kuhmilch-Protein identifiziert, dass vor allem dafür verantwortlich ist. Das gibt es nun als Lutschtablette.


Sich gegen Krebs impfen lassen so wie gegen Masern oder Mumps? Ganz so weit ist die Medizin noch nicht – mit einer Ausnahme: wenn Infektionen bei der Entstehung von Krebs eine Rolle spielen. „Humane Papillomviren“ (HPV) verursachen vor allem Gebärmutterhalskrebs. Sie werden oft beim ersten Sex übertragen und es existiert ein Impfstoff dagegen. Trotzdem ist mehr als die Hälfte der Jugendlichen immer noch nicht geimpft.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin