. Neue Leitlinie „Gastroösophageale Refluxkrankheit“

Starker Reflux ist behandlungsbedürftig

Reflux ist zu einer Art Volkskrankheit geworden. Etwa jeder Fünfte Deutsche leidet inzwischen unter dem Rückfluss vom Magensaft in die Speiseröhre. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) teilt jetzt mit, wann Reflux behandelt werden sollte.
Starker, dauerhafter Reflux kann die Speiseröhre schädigen

Starker, dauerhafter Reflux kann die Speiseröhre schädigen

Die „Refluxkrankheit“ hat sich in den letzten 40 Jahren von einem eher seltenen Phänomen zu einem der häufigsten Probleme der Gastroenterologie entwickelt. Ein wesentlicher Grund für die Zunahme der Erkrankung und ihrer Komplikationen ist Übergewicht. Das schreibt ein internationales Wissenschaftlerteam in einer Online-Vorabpublikation des Fachmagazins „Gut“. „Reflux, also der Rückfluss von Magensaft hin zur Speiseröhre, ist bis zu einem gewissen Grad normal, insbesondere nach dem Essen“, erklärt Prof. Dr. Joachim Labenz, Chefarzt der Fachabteilung für Innere Medizin des Jung-Stilling-Krankenhauses in Siegen, der derzeit an der Neuauflage der DGVS-Leitlinien zur „Gastroösophagealen Refluxkrankheit“ mitwirkt. Wenn sich jedoch aufgrund von Übergewicht der Druck in der Bauchgegend erhöht, kann dies die Ventilfunktion des Schließmuskels zwischen Speiseröhre und Mageneingang stören. „Normalerweise öffnet sich der Pförtner zum Magen nur, damit Mahlzeiten und Getränke dort hinein gelangen können“, so Labenz. Bei Refluxpatienten passiert dies jedoch häufiger: Magensäure fließt auch dann in die Speiseöhre, wenn keine Speisebrocken unterwegs zum Magen sind. Dadurch kommt es zum typischen Brennen im Brustbereich.

Entzündungen der Speiseröhre in jedem dritten Fall

Menschen mit starken Refluxbeschwerden sollten sich in jedem Fall an einen Facharzt wenden, empfiehlt die DGVS. Denn möglicherweise hat der stark saure Magensaft möglicherweise bereits Schäden verursacht. Eine Spiegelung der Speiseröhre kann Klarheit schaffen. „Bei etwa 30 Prozent der Patienten ist die Speiseröhre entzündet. Blutungen, Geschwüre und Veränderungen der Schleimhaut können die Folge sein“, erklärt DGVS-Sprecherin Professor Dr. med. Christian Trautwein Im schlimmsten Fall könne sich ein „Refluxkarzinom“, eine Krebserkrankung der Speiseröhre entwickeln. „Glücklicherweise sind solch schwere Komplikationen selten“, sagt Trautwein. Gerade Patienten, die häufig und auch nachts unter Beschwerden leiden, sollten jedoch durch eine Behandlung vorbeugen.

Gastroösophagealen Refluxkrankheit: Operation nur in Ausnahmenfällen

Um die Beschwerden zu lindern, raten Ärzte übergewichtigen Patienten häufig dazu abzunehmen. Wenn das gelingt geht es nach Auskunft der Gastroenterologen vielen Patienten schon besser. In der neuen DGVS-Leitlinien zur „Gastroösophagealen Refluxkrankheit“ empfehlen die Ärzte zudem Medikamente, sogenannte Protonenpumpen-Hemmer. Die Wirkstoffe reichern sich in der Magenschleimhaut an und hemmen dort die Säureproduktion. „Richtig dosiert und eingenommen wirken diese Mittel meist gut“, so Labenz. Auch einfache Mittel können helfen: „Im Bett den Oberkörper etwas höher zu lagern, verhindert nachts im Liegen das Aufsteigen der Magensäure“ empfiehlt der Experte.

Nur in Ausnahmefällen sollten Ärzte und Patienten eine Operation in Betracht ziehen. „Wie alle Operationen ist die Fundoplicatio nicht frei von Risiken“, erklärt Labenz. Der Eingriff, bei dem Chirurgen einen Teil des Magens als Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre legen, sollte daher nur durch erfahrene Operateure erfolgen.

Foto: © photophonie - Fotolia.com

Hauptkategorien: Prävention und Reha , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Speiseröhre , Refluxösophagitis , Magenkrebs , Operation

Weitere Nachrichten zum Thema Magen-Darm-Erkrankungen

| Die mit Sodbrennen verbundene Reflux-Krankheit lässt sich meist mit Medikamenten behandeln. Schlagen sie nicht an, kann eine OP nötig sein. Die Universitätsmedizin Mainz bietet ein minimal-invasives Verfahren an, bei dem ein Schrittmacher implantiert wird.

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
Wie kann man die Überlebenschancen bei Bauchfellkrebs verbessern? Die Expertin Professor Beate Rau, Leiterin des Peritonealkarzinosezentrums der Charité, berichtet über eine neue Kombinationstherapie gegen Bauchfellkrebs und wie Patienten davon profitieren können.
. Weitere Nachrichten
Osteoporose ist eine schleichende Krankheit, von der Millionen Menschen in Deutschland betroffen sind. Doch es kann einiges dagegen getan werden. Darauf machen Experten am diesjährigen Welt-Osteoporosetag am 20. Oktober aufmerksam.
. Veranstaltungen
loading...
Terminkalender
. Personen Hauptstadtregion
. Interviews
Die Blutvergiftung, fachsprachlich „Sepsis“, ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Und sie gilt als die am häufigsten vermeidbare. Gesundheitsstadt Berlin hat anlässlich des Welt-Sepsis-Tags am 13. September mit Prof. Konrad Reinhart von der Universität Jena über das Thema gesprochen. Der Vorsitzende der deutschen Sepsis-Stiftung vertritt die These: Die tatsächliche Zahl der Sepsis-Fälle ist doppelt so hoch wie die der registrierten.
Kinder suchtkranker Eltern sind besonderen Belastungen ausgesetzt und haben ein hohes Risiko, später selbst eine Sucht oder andere psychische Erkrankungen zu entwickeln. Gesundheitsstadt Berlin hat mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Marlene Mortler über die Situation betroffener Kinder und die Notwendigkeit von Unterstützungsangeboten gesprochen.
Die Berichterstattung über Methadon als Krebsmittel weckt große Hoffnungen. Doch wie sieht eigentlich die rechtliche Seite aus, wenn Ärzte ein Medikament außerhalb des Zulassungsbereichs (Off-Label) verschreiben? Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Medizinrechtler Prof. Dr. Christian Dierks gesprochen, welche Risiken Ärzte eingehen und ob Patienten einen Anspruch auf einen individuellen Heilversuch mit Methadon haben.