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02.09.2015

Starke Sehschwäche Amblyopie häufiger als vermutet

Rund 5,6 Prozent der Deutschen im Alter von 35 bis 44 Jahren leiden an einer als Amblyopie bezeichneten starken Sehschwäche, die durch Sehhilfen nicht zu korrigieren ist. Das berichten Forscher der Universitätsmedizin Mainz. Die Zahl der Betroffenen ist damit höher als vermutet.
Sehschwäche

Amblyopie ist eine nicht korrigierbare Sehschwäche

Jede zweite Amblyopie entsteht durch im Kleinkindalter nicht korrigierte Brechkraftfehler, dazu zählen Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Astigmatismus. Bei 48 Prozent der Betroffenen war eine unterschiedliche Fehlsichtigkeit beider Augen die Ursache. Rund 23 Prozent entwickelten sie, weil sie von Geburt an schielten. Bei 18 Prozent war es eine Kombination aus Schielen und Fehlsichtigkeit.

Die Behandlung dieser starken Sehschwäche muss deutlich vor dem 7. Lebensjahr begonnen werden. Je älter das Kind und je weiter fortgeschritten seine visuelle Reifung ist, desto unwahrscheinlicher ist ein Therapie-Erfolg. „Die Daten sind auch für Kinder-, Jugend- und Hausärzte wichtig, die im Rahmen von Vorsorgeuntersuchungen eine Amblyopie erkennen müssen“, sagt Studienleiterin Dr. Heike Elflein, Oberärztin an der Augenklinik und Poliklinik.

Sehschwäche Amblyopie: Okklusions-Therapie kann helfen

Für die Studie werteten die Wissenschaftler die Daten von 3.286 Personen (35 - 44 Jahre) aus. 182 Probanden litten an einer Amblyopie. Der Grenzwert für diese Sehschwäche lag bei einer Sehschärfe von 0,63 oder geringer (Normwert 1,0). „Das Risiko für eine beidseitige schwere Sehbehinderung oder gar den Verlust des besseren Auges ist bei Patienten mit einseitiger Amblyopie zwei- bis dreimal höher“, betont Klinik-Direktor Prof. Norbert Pfeiffer.

Von den 35- bis 39-jährigen Probanden waren allerdings weit weniger an Amblyopie erkrankt als von den 40- bis 44-jährigen. Die Forscher führen dies auf die Okklusions-Therapie - ein Auge wird durch ein Pflaster abgedeckt - zurück, die sich ab den 1960er-Jahren in Deutschland zu etablieren begann. „Bei den jüngeren wurde diese Therapie vermutlich häufiger durchgeführt. Das würde erklären, warum sie vergleichsweise weniger von Amblyopie Betroffene sind“, so Dr. Elflein.

Foto: Nick Freund

 
Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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