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Starke Bauchschmerzen können auf Bauchspeicheldrüsen-Entzündung deuten

Dienstag, 2. November 2021 – Autor:
Plötzlich einsetzende, außerordentlich starke Oberbauchschmerzen können auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) deuten. Eine neue S3-Leitlinie gibt Therapieempfehlungen.
Heftige Bauchscherzen sind Symptom der Bauchspeicheldrüsenentzündung

– Foto: Adobe Stock/Fizkes

Plötzlich einsetzende, außerordentlich starke Oberbauchschmerzen können auf eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) deuten. Die häufigsten Ursachen sind Gallensteine und ein übermäßiger Alkoholkonsum.

Eine neue S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) hat den aktuellen Wissensstand zusammengefasst und gibt Therapie-Empfehlungen. Koordiniert wurde sie von Prof. Markus M. Lerch, ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender des LMU Klinikums München und Prof. Julia Mayerle, Direktorin der Medizinischen Klinik und Poliklinik II am LMU Klinikum.

Bei schwerem Verlauf sterben bis zu 15 Prozent der Patienten

"Entscheidend für den Behandlungserfolg ist es, die Erkrankung früh zu erkennen und den Schweregrad richtig einzuschätzen, um so zügig die passende Therapie einzuleiten", sagt Prof. Lerch.

Obwohl es sich um eine gutartige Erkrankung handelt, die in der Regel binnen weniger Wochen überstanden ist, sterben bei einem schweren Verlauf bis zu 15 Prozent der Betroffenen an einem Organversagen.

 

Bei nekrotisierender Pankreatitis Endoskopie angezeigt

Die gefürchtetste Form der akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung ist aufgrund ihrer hohen Sterblichkeitsrate die nekrotisierende Pankreatitis. Hier spielt die Zusammenarbeit von Chirurgen, Radiologen und Gastroenterologen eine herausragende Rolle für die Behandlungsqualität, heißt es weiter in einer Pressemitteilung.

So zeigen Studien, dass das Abtragen des abgestorbenen und infizierten Gewebes mittels eines minimalinvasiven endoskopischen Eingriffs einer offenen Operation überlegen ist, allerdings kann es hierbei zu Komplikationen kommen, die das rasche Handeln eines in der Pankreaschirurgie erfahrenen Chirurgen notwendig machen. 

Rückfälle mit Entfernung der Gallenblase vermeiden

Im Gegensatz dazu ist bei der durch Gallensteine verursachten akuten Pankreatitis Zurückhaltung geboten. "Solange keine Entzündung der Gallenwege mit Gefahr einer Blutstrominfektion besteht, sollte eine endoskopische Therapie nicht oder möglichst spät im Krankheitsverlauf erfolgen", erläutert Mayerle.

Der effektivste Weg, Rückfälle zu vermeiden, ist die operative Entfernung der Gallenblase, da hier die meisten der verursachenden Gallensteine entstehen.

Bauchschmerzen mögliche Bauchspeicheldrüsen-Entzündung

Ein zweiter Teil der Leitlinie beschäftigt sich mit der chronischen Pankreatitis, einer Erkrankung, die durch wiederholte Entzündungsschübe zu einer progredienten Zerstörung der Bauchspeicheldrüse führt und mit erheblichen Einschränkungen der Lebensqualität Betroffener einhergeht. Wichtige Auslöser dieser Erkrankung sind langjähriger Konsum von Alkohol und Tabak.

Auch bei der chronischen Bauchspeicheldrüsen-Entzündung sind starke Bauchschmerzen das wichtigste Symptom. Werden diese durch eine Abflussstörung des Pankreasganges verursacht, ist eine möglichst frühzeitige operative Therapie das nachhaltigste Therapiekonzept ist.

Gallengangstenosen mit Stents weiten

Eine weitere wichtige Therapieempfehlung betrifft die Gallengangstenosen, die auf dem Boden einer chronischen Pankreatitis entstehen. Dabei handelt es sich um eine Verengung des großen Gallengangs vor der Einmündung in den Zwölffingerdarm.

Mit dem Endoskop eingesetzte Stents können die Verengungen weiten und in etwa 80 Prozent der Fälle mindestens mittelfristig eine deutliche Besserung für die Betroffenen erzielen.

Zusatznahrungen gegen Mangelernährung

Insbesondere bei der chronischen Form der Pankreatitis kommt es immer wieder vor, dass Patienten unter Mangelernährung leiden, weswegen die beteiligten Fachgesellschaften Empfehlungen zur Ernährung in die Leitlinie aufgenommen haben.

Neben der Behandlung mit zusätzlichen Verdauungsenzymen rät die Leitlinie in vielen Fällen zu einer ernährungsmedizinischen Beratung und im Anschluss zu Zusatznahrung zur Steigerung des BMI (Body-Mass-Index).

Strikter Alkoholverzicht

Eine weitere Empfehlung betrifft den strikten Alkoholverzicht. "Vielmals wird die Pankreatitis durch übermäßigen Alkoholkonsum ausgelöst, der im Übrigen auch andere innere Organe schwer schädigt. Wir empfehlen daher bei einer Pankreatitis den strikten Verzicht; selbst kleine Mengen Alkohol können unter Umständen schaden", warnt Lerch. Die Leitlinie behandelt außerdem erstmals auch die autoimmune Pankreatitis.

Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pankreas , S3-Leitlinie , Alkohol , Rauchen
 

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