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15.07.2016

Stammzelltherapie bei Multipler Sklerose - wirksam, aber risikoreich

Ein kompletter Neustart des Immunsystems durch eine Immunablation gefolgt von einer Stammzelltherapie kann Multiple Sklerose (MS) offenbar zum Stillstand bringen. Allerdings birgt die Methode hohe Risiken: Bei einer Studie ist ein Patient in Folge der Behandlung gestorben.
Multiple Sklerose

Bei der MS wird das Zentrale Nervensystem von autoaggressiven Killerzellen angegriffen

Eine Heilung für Multiple Sklerose (MS) gibt es bislang nicht. Daher sind Ergebnisse von Studien mit Stammzellen, die einen kompletten Stopp der Erkrankung zu versprechen scheinen, besonders aufsehenerregend. Nun hat eine aktuelle Studie gezeigt, dass ein Neustart des Immunsystems mit Hilfe einer Stammzelltransplantation die MS bei einem Großteil der Probanden zum Stillstand brachte – zumindest für den bisherigen Beobachtungszeitraum von fast sieben Jahren. Für die Methode wird das Immunsystem zunächst völlig ausgeschaltet (Immunablation), dann werden dem Patienten passende Stammzellen übertragen. Doch die Prozedur birgt hohe Risiken, denn die Immunabwehr kommt zwischenzeitlich vollständig zum Erliegen. Von den 24 behandelten Patienten der Studie überlebten nur 23, einer starb in der Folge des radikalen Eingriffs.

Stammzelltransplantation stoppt Schübe

Für die Studie hatten die Forscher um Harold Atkins vom Ottawa Hospital in Kanada zwischen Oktober 2001 und Dezember 2009 24 Patienten mit der Stammzelltherapie behandelt. Alle Probanden wiesen eine rasch fortschreitende Multiple Sklerose auf, die entweder schubförmig remittierend oder sekundär progredient war. Der EDSS-Wert, der den Grad der Behinderung angibt und von null bis zehn reicht, war bei allen Teilnehmern innerhalb von nur fünf Jahren um drei Punkte angestiegen.

Die Immunablation mit anschließender Stammzelltransplantation führte bei 70 Prozent der MS-Patienten zum Stillstand der Erkrankung. Der Großteil der Probanden zeigte keine Schübe, keine neuen Läsionen und kein Progression der Behinderung. Selbst vorhandene Behinderungen bildeten sich bei einem großen Teil der Patienten zurück.

Dass die Krankheit dennoch bei 30 Prozent der Patienten voranschritt, führen die Forscher darauf zurück, dass bei fortgeschrittenem Verlauf der Multiplen Sklerose Entzündungsprozesse kaum noch eine Rolle spielen. Vielmehr haben sich neurodegenerative Prozesse dann so verselbständigt, dass sie auf eine Veränderung des Immunsystems nicht mehr reagieren. Möglicherweise wäre die Wirksamkeit also noch höher, wenn die Stammzelltransplantation zu einem möglichst frühen Zeitpunkt der MS-Erkrankung erfolgt.

 

Frühe Therapie wäre sinnvoll – aber auch gefährlich

Gegen eine frühe Stammzelltherapie spricht allerdings das hohe Risiko, so dass die Methode erst in Erwägung gezogen werden sollte, wenn die MS-Patienten alle anderen Methoden ausprobiert haben. Bisher warnen Experten daher davor, allzu große Hoffnungen in die Stammzelltransplantation bei Multipler Sklerose zu setzen. Zudem sollte die Methode unbedingt nur in spezialisierten Zentren durchgeführt werden.

Dennoch lässt die aktuelle Studie das Ziel einer möglichen Heilung der Multiplen Sklerose erreichbar erscheinen. Die Hoffnung ist, dass irgendwann eine selektive Immunablation, die bereits in einem frühen Stadium der Erkrankung die autoaggressiven Immunzellen vernichtet, das übrige Immunsystem aber in Ruhe lässt, die MS zum Stillstand bringen kann, ohne das Leben der Patienten zu gefährden.

Foto: © solvod - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin
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