. Studie der der Multiple Sklerosis International Federation

Stabiler Krankheitsverlauf hält MS Betroffene im Job

Multiple Sklerose kann sehr unterschiedlich verlaufen. Warum viele Betroffene trotz dieser unheilbaren Erkrankung ihren Beruf ausüben können, hat der internationale MSIF-Survey gezeigt: Ein stabiler Krankheitsverlauf steht an erster Stelle.
Berufstätig trotz Multiple Sklerose: Die meisten Betroffenen profitieren von einem stabilen Krankheitsverlauf und MS-Medikamenten

Berufstätig trotz Multiple Sklerose: Die meisten Betroffenen profitieren von einem stabilen Krankheitsverlauf und Medikamenten

Multiple Sklerose ist bislang unheilbar. Doch die Krankheitsverläufe sind sehr unterschiedlich. Entgegen der landläufigen Meinung führt Multiple Sklerose nicht zwangsläufig zu schweren Behinderungen. Auch viele Jahre nach Beginn der Erkrankung bleibt die Mehrzahl der Patienten noch gehfähig. Viele können außerdem berufstätig bleiben. Die Gründe dafür hat die Multiple Sklerosis International Federation (MSIF) in ihrer internationalen Studie "Survey on employment and MS" im Jahr 2010 ermittelt. Befragt wurden weltweit 8.000 MS-Patienten. 59 Prozent davon waren berufstätig. Mehr als die Hälfte davon, gut 56 Prozent, nannten einen stabilen Krankheitsverlauf als wichtigsten Grund, warum sie trotz MS weiter berufstätig bleiben können. Rund 41 Prozent gaben Medikamente/Symptomlinderung und fast ebenso viele eine sitzende Tätigkeit an. Als viertwichtigster Grund wurde eine krankheitsmodifizierende Behandlung genannt (38 Prozent), gefolgt von flexiblen Arbeitszeiten (37,6 Prozent).

MS lässt sich zum Teil gut mit Medikamenten in Schach halten

Bei Multipler Sklerose gibt es verschiedene Therapieansätze, die abhängig vom Krankheitsverlauf verfolgt werden. Ganz wichtig ist es, belastende Begleitsymptome wie Spastiken, Erschöpfung oder ständige Müdigkeit zu behandeln. Außerdem kann die MS selbst mit Medikamenten angegangen werden. Je nachdem ob die MS eher moderat oder hoch aktiv verläuft, gibt es heute unterschiedliche wirksame Medikamente.

Ein großer Durchbruch in der MS-Therapie waren die sogenannten Beta-Interferone, die den Krankheitsverlauf verlangsamen, indem sie Entzündungsprozesse unterdrücken. Inzwischen stehen auch spezielle immunmodulierende Medikamente zur Verfügung, die das Immunsystem so beeinflussen, dass es sich nicht mehr gegen den eigenen Körper wendet und Nervenzellen zerstört. Grundsätzlich geht es in der Therapie zunehmend nicht mehr nur darum, die Schubraten zu reduzieren, sondern darum, den Krankheitsverlauf und somit die fortschreitende Behinderung des Patienten zu verlangsamen.

„MS wird heutzutage nicht nur gezielter, sondern auch patientenfreundlicher behandelt“, sagt Professor Lutz Harms, Neurologe an der Charité in Berlin. Dies sei vor allem der Einführung der oralen Therapie zu verdanken. Patienten müssten sich heute nicht mehr so oft spritzen wie noch vor wenigen Jahren.

Rehamaßnahmen bei MS prinzipiell wichtig 

Rehabilitationsmaßnahmen sind nach Ansicht des Neurologen ein weiterer wichtiger Eckpfeiler in der MS-Therapie. „Neben der symptomatischen Therapie ist eigentlich auch die Rehabilitation das Wichtigste“, sagt er. „Erhaltung der Aktivität des Lebens, die Patienten zu motivieren, Ausdauersport im Rahmen der Möglichkeiten zu betreiben und auch das gesamte soziale Umfeld hier mit zu betrachte.“ In der MSIF-Befragung wurde die Berufsfähigkeit allerdings nur von elf Prozent mit Rehamaßnahmen begründet.

Hoffnung auf neue Myelin-regenerierende Medikamente

Noch ist es unmöglich, Multiple Sklerose zu heilen. Man kann die Zerstörung der Nervenhüllen, der sogenannten Myeline, aber mit speziellen Arzneimitteln aufhalten. Diese krankheitsmodifizierenden Präparate beeinflussen das Immunsystem und verlangsamen den Entzündungsprozess. Der Patient erlebt dadurch weniger Schübe und die Behinderung schreitet nicht mehr so schnell voran. „Das ist schon gut, aber in Zukunft könnte noch mehr drin sein“, sagt Harms. Gegenwärtig arbeiten Forscher an Mitteln, die die Nervenschäden eines Tages dauerhaft zurückzubilden könnten. Harms: „Am Horizont könnte Hoffnung bestehen, dass Medikamente auf den Markt kommen, die eine Regeneration bewirken. Bisher kann sich das zerstörte Myelin nur bedingt erholen, aber die Studien laufen."

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