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Sportstudierende leiden häufig unter Schmerzen und Depressionen

Montag, 4. Mai 2020 – Autor: anvo
Sport ist nicht immer nur gut für den Körper, das zeigt eine neue Studie. Demnach leidet ein Viertel der Studierenden der Sportwissenschaften unter chronischen Schmerzen. Häufig steht das mit Stress in Verbindung.
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Viele Sportler leiden unter Dauerschmerzen – Foto: ©shocky - stock.adobe.com

Sie sind jung, durchtrainiert und fit: Sportstudierende gelten in der Regel als besonders gesund und belastbar. Doch viele von ihnen leiden unter chronischen Schmerzen. Darüber geredet wird jedoch selten, da vor allem unter Sportlern vermeintliches „Jammern“ verpönt ist. Die Studentin Anke Bumann hat nun an der Goethe-Universität Frankfurt eine Masterarbeit zum Thema angefertigt. Die Ergebnisse wurden im Journal of Sports Science and Medicine veröffentlicht.

Für ihre Studie hat die Autorin Fragebögen an die Studierenden von 89 sportwissen­schaftlichen Instituten im deutschsprachigen Raum gesendet, 664 von ihnen haben den vollständigen Bogen ausgefüllt. Grundlage der Befragung war der „deutsche Schmerz­fragebogen“ der deutschen Schmerzgesellschaft. Bumann hat ihn um spezifische Aspekte wie Sportlichkeit, Trainingslast, Selbstwirk­samkeit und Resilienz ergänzt.

Leistungsdruck und Stress im Sport häufig

Gefragt wurde danach, in welchen und wie vielen Körperregionen Schmerzen auftreten, welche Verletzungen und sonstige Diagnosen vorliegen. Zusätzlich ging es um psychische Faktoren, Alkoholgenuss und Schlafqualität.

Die Studie zeigt deutlich: Jeder vierte der jungen Sportler leidet unter Schmerzen und zeigt das Auftreten sogenannter bio-psycho-sozialer Faktoren, die Schmerzen begünstigen können. Dazu gehört vor allem Stress infolge hohen Leistungsdrucks. Die meisten der Befragten gaben an, über eine relativ große Schmerztoleranz zu verfügen. Dennoch hatten viele Schmerzen in zwei oder mehr verschiedenen Körperregionen.

 

Risiko für Depressionen erhöht

Es zeigte sich auch, dass die Rücksichtnahme auf sich selbst bei Sportstudierenden deutlich reduziert ist. Verglichen mit Altersgenossen leiden sie zudem häufiger unter Depressionen und Angstzuständen. Die Befragten trainierten im Durchschnitt fünf bis sieben Stunden wöchentlich und konsumierten ihren Angaben zufolge mehr Schmerzmittel und Alkohol als Gleichaltrige. Mehr als 60 Prozent gaben an, unter Schlafstörungen zu leiden.

Dass die Not groß ist, zeigte sich bei den qualitativen Antworten: Häufig wurde Freude darüber geäußert, dass nun ein Augenmerk auf die Thematik falle und man Gelegenheit habe, seine Probleme zu kommunizieren. Dr. Johannes Fleckenstein, Privatdozent an der Goethe-Universität, hofft darauf, dass die frühzeitige Auseinandersetzung der Studierenden mit dem Thema helfe, offener damit umzugehen – ohne Angst davor, als „Weichei“ abgestempelt zu werden.

Thema Schmerz im Sport ernstnehmen

„Wir müssen endlich aufhören, das Thema Schmerzen im Sport zu bagatellisieren“, so Fleckenstein. Es sei bedenklich, dass Schmerzerkrankungen bereits bei jungen und körperlich aktiven Studierenden in dieser Anzahl auftreten. Mit wachsender Professionalisierung steige die Zahl der Betroffenen noch weiter an: „Es wird enorm viel Leistung verlangt, und es geht um viel Geld“, so der Sportmediziner. Deshalb werde die Studie nun mit professionellen Athleten fortgesetzt.

Foto: © Adobe Stock/shocky

Hauptkategorie: Prävention und Reha
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