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Sport hilft bei Depressionen gleich zweifach

Die doppelt hilfreiche Wirkung von körperlicher Aktivität bei Depressionen belegt eine Studie der Ruhr-Universität Bochum. Demnach wirkt Bewegung nicht nur stimmungsaufhellend, sondern verbessert auch die Fähigkeit des Gehirns, Lern- und Anpassungsprozesse zu meistern – eine Eigenschaft, die bei Depressiven normalerweise geschwächt ist.
Zwei junge Senioren joggen am Sonnenblumenfeld.

Bewegung – am besten gemeinsam mit anderen – gilt als so einfaches wie wirksames Mittel bei Depressionen.

Antriebs- und Interesselosigkeit, Motivationsmangel, negative Gefühle: Das sind klassische Symptome einer depressiven Störung. Erkrankte neigen häufig zu sozialem Rückzug; sich zu körperlichen Aktivitäten aufzuraffen fällt ihnen noch einmal schwerer als manchem psychisch Gesunden. Dabei ist bekannt, dass Sport auf sanfte und natürliche Weise Depressionen lindern kann. Eine Ausschüttung von körpereigenen Endo-Cannabinoiden sowie den Hormonen Serotonin und Noradrenalin kann eine stimmungsaufhellende Wirkung entfalten.

Bewegung stärkt eine wichtige Hirnfunktion

Eine Studie der Universitätsklinik für Psychiatrie der Ruhr-Universität Bochum (RUB) zeigt jetzt: Körperliche Aktivität hilft Menschen mit Depressionen aber noch über eine zweite Schiene. Sie vitalisiert auch das Gehirn und steigert dessen Veränderungsbereitschaft, was eine Voraussetzung für Anpassungs- und Lernprozesse im Leben ist.

„Die Veränderungsbereitschaft ist wichtig für alle Lern- und Anpassungsprozesse des Gehirns“, sagt Studienleiterin Karin Rosenkranz zur Erklärung. Die Ergebnisse der Bochumer Studie zeigen, dass bei Depressiven die Veränderungsbereitschaft des Gehirns im Vergleich zu Gesunden niedriger ist. Nach dem Programm mit körperlicher Aktivität stieg diese Veränderungsbereitschaft signifikant an und erreichte die Werte von Gesunden. Zeitgleich gingen in der Gruppe die Depressionssymptome zurück. „Je mehr die Veränderungsbereitschaft anstieg, desto deutlicher rückläufig waren die klinischen Symptome“, berichtet Rosenkranz.

 

Dreiwöchiges, spielerisches Bewegungsprogramm für Probanden

Um die Wirkung von Bewegung bei Depressiven zu erforschen, luden die Wissenschaftler 41 stationäre Patienten zur Teilnahme an der Studie ein. Die eine Hälfte („Experimentalgruppe“) absolvierte ein von Sportwissenschaftlern der Universität Bielefeld entwickeltes dreiwöchiges Bewegungsprogramm mit einem spielerischen, sozialen und leistungsdruckfreien Ansatz. Die andere Hälfte („Kontrollgruppe“) wurde regulär weiterbehandelt und nahm an einem Programm ohne körperliche Aktivitäten teil.

Gehirn-Messung mittels „Magnetstimulation“

Vor und nach dem Programm bestimmte das Studienteam jeweils die Schwere der depressiven Symptomatik wie Antriebs- und Interessenlosigkeit, Motivationsmangel und negative Gefühle. Darüber hinaus wurde die Veränderungsbereitschaft des Gehirns, die sogenannte Neuroplastizität, gemessen. Sie kann mit der transkraniellen Magnetstimulation von außen bestimmt werden.

Körperliche Aktivität: Scheinbar einfach – aber effektvoll

Die Studie ergab: Bei der Gruppe, die am Kontrollprogramm ohne körperliche Aktivität teilgenommen hatte, gab es diesen ausgeprägten Effekt auf Symptome und Veränderungsbereitschaft des Gehirns. „Die Ergebnisse zeigen, dass es einen Effekt von körperlicher Aktivität auf Symptome und Veränderungsbereitschaft des Gehirns gibt“, sagt Studienleiterin Karin Rosenkranz. Und sie zeigten auch, „wie wichtig vermeintlich einfache Dinge wie körperliche Aktivität in der Behandlung und Vorbeugung von Erkrankungen wie Depressionen sind“.

Bewegung fördert Neubildung von Nervenzellen im Gehirn

In der Bochumer Studie konnte bestätigt werden, dass es einen positiven Effekt auf das Gehirn gibt. Wie dieser Effekt funktioniere, müssten mögliche weitere Studien klären. Zur Erklärung dieser Vorgänge im Gehirn sagt die Leiterin der Studie: „Es ist bekannt, dass körperliche Aktivität dem Gehirn gut tut, da sie zum Beispiel die Neubildung von Verbindungen von Nervenzellen fördert. Dies könnte durchaus auch hier eine Rolle spielen.“

Foto: AdobeStock/Kzenon

Autor: zdr
Hauptkategorie: Medizin
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