Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
12.11.2015

Sport bei Brustkrebs – wie intensiv sollte er sein?

Sport kann bei Brustkrebs die Lebensqualität der Betroffenen erhöhen, Nebenwirkungen von Therapien reduzieren und sogar die Rückfallquote senken. Nun haben Forscher die Wirkung von leichtem und intensiverem Training miteinander verglichen.
Sport bei Brustkrebs sinnvoll

Sport kann die Lebensqualität bei Krebserkrankungen erhöhen

Lange wurde Krebspatienten geraten, sich während einer Krebsbehandlung körperlich zu schonen. Heute sind sich Experten darin einig, dass die meisten Krebspatienten davon profitieren, sich je nach körperlichen Möglichkeiten sportlich zu betätigen. Dies gilt offenbar besonders für Brustkrebs-Patientinnen, wie verschiedene Studien zeigen konnten. Um herauszufinden, ob ein leichteres oder intensiveres Training sinnvoller ist, haben Forscher um Professor Neil Aaronson vom niederländischen Krebszentrum „Antoni van Leeuwenhoek“ 230 Brustkrebs-Patientinnen untersucht. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Journal of Clinical Oncology“.

Intensives Training wirkungsvoller

Alle teilnehmenden Patientinnen erhielten eine Chemotherapie. Davor waren drei Viertel von ihnen operiert worden, ebenso viele hatten eine Radiotherapie erhalten. Für die Studie wurden die Probandinnen in drei Gruppen eingeteilt. Eine Gruppe erhielt ein selbstorganisiertes, leichtes häusliches Training (Onco-Move). Eine zweite Gruppe der Patientinnen wurde einem mäßig bis sehr intensiven kombinierten Ausdauer- und aeroben Training unter Anleitung eines speziell ausgebildeten Physiotherapeuten unterzogen (OnTrack). Die Kontrollgruppe erhielt die normale Betreuung.

Es zeigte sich, dass alle Patientinnen, die trainierten, im Vergleich zur Kontrollgruppe bessere körperliche Funktionen, weniger Übelkeit und Erbrechen durch die Chemotherapie und weniger Schmerzen aufwiesen. Die Gruppe mit dem intensiven Training wies zudem bessere Ergebnisse bei der Muskelstärke auf und litt weniger unter Fatigue. Zudem war bei ihnen auch seltener eine Dosisanpassung der Chemotherapie erforderlich. Die Forscher schließen daraus, dass ein angeleitetes intensives Training für Brustkrebs-Patientinnen mit einer adjuvanten Therapie am wirkungsvollsten ist. Ein leichteres Sportprogramm ist allerdings auch von Nutzen und in jedem Fall besser als gar keine Bewegung. Natürlich muss das Training auch immer den individuellen Möglichkeiten angepasst werden.

 

Sport besonders bei hormonabhängig wachsendem Brustkrebs wirksam

Mit den Wirkungen von Sport bei Krebs haben sich in den letzten Jahren mehrere Studien beschäftigt. Dabei hat sich immer wieder gezeigt, dass körperliche Aktivität die Nebenwirkungen einer Krebstherapie messbar reduzieren kann. Zudem steigen Leistungsfähigkeit, Selbstbewusstsein und Lebensqualität an. Doch die Wirkungen der Bewegung scheinen noch darüber hinauszugehen, denn Untersuchungen zufolge hat körperliches Training auch direkten Einfluss auf den Krebs.

Worauf dieser Einfluss beruht, ist allerdings noch weitgehend unerforscht. Als tumorspezifische Effekte vermutet man die Veränderung der Sexualhormone, antioxidative Wirkungen und eine Verbesserung von DNA-Reparaturmechanismen durch die körperliche Aktivität. Auch könnte es sein, dass die Ausschüttung körpereigener Botenstoffe wie beispielsweise IGF, Interleukin oder TNF durch Sport positiv verändert werden. Dass Bewegung gerade bei hormonabhängig wachsendem Brustkrebs wirkungsvoll ist, erklären sich Forscher damit, dass Sport den Östrogenspiegel senken kann. Dadurch kann körperliches Training unter Umständen ähnliche Effekte aufweisen wie eine medikamentöse antihormonelle Therapie.

Foto: © Maridav - Fotolia.com

Foto: Maridav - Fotolia

Hauptkategorie: Medizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Brustkrebs

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten

Bewusst einmal etwas ganz anderes tun als im beruflichen Alltag, Dinge selber machen, mit den Händen arbeiten – selbstbestimmt, kreativ, meditativ: Heimwerken kann sich positiv auf die körperliche und geistige Gesundheit auswirken und sogar eine therapeutische Wirkung entfalten. Gut für Menschen, die sich gesund halten wollen, auf einen Therapieplatz warten – oder eine laufende Therapie unterstützen möchten.

Im ersten Lockdown dieser Pandemie ging die Zahl der Schlaganfälle um 17 Prozent zurück. Experten sind überzeugt: Die Symptome wurden bloß nicht ernst genommen. Und das sei fatal.
 
Interviews
Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.

Logo Gesundheitsstadt Berlin