. Prävention

„Sport auf Rezept“ ist bei chronisch Kranken sinnvoll

Bewegung hilft auch schwer chronisch kranken Menschen. Das belegt eine Langzeitstudie der Techniker Krankenkasse mit Diabetikern und Herz-Kreislauf-Patienten. Demnach kann Sport auf Rezept gerade für diese Menschen nützlich sein.
Sport als Therapie für chronisch Kranke

Sport kann Blutzucker- und Cholesterinwerte verbessern.

Ein zentrales Problem bei Präventionsprogrammen ist, dass sie oft nur die Menschen ansprechen, die sowieso schon motiviert sind. Um die Patienten herauszufiltern, für die Präventionsangebote am notwendigsten wären, hat die Techniker Krankenkasse (TK) für ihr Programm „Sport als Therapie“ die Daten von Patienten genutzt, die in einem Disease-Management-Programm (DMP), einem zentral organisierten Behandlungsprogramm für chronisch Kranke, eingeschrieben sind.

1352 Risikopatienten erhielten daraufhin das Angebot, über sechs Monate an einem gezielten Sportprogramm im Rahmen eines Vertrags zur Integrierten Versorgung teilzunehmen. Die meisten dieser Patienten hatten Diabetes oder eine Herz-Kreislauf-Erkrankung. Etwa die Hälfte der Angesprochenen äußerte in den Telefonaten Interesse, 379 kamen zu einer Eingangsuntersuchung und 318 machten dann auch wirklich mit. 80 Prozent der Teilnehmer waren Männer, ihr Durchschnittsalter lag bei 66 Jahren.

Chronisch Kranke: Sport verbessert wichtige Gesundheitswerte

Die Teilnehmer nahmen zunächst an einem Ausdauersportprogramm teil, später kam auch ein Krafttraining hinzu. Zu Beginn, nach zwölf Wochen und nach Beendigung des Programms erfolgten ärztliche Untersuchungen. Wissenschaftlich begleitet wurde das Programm vom Zentrum für Prävention und Sportmedizin der TU München. Professor Martin Halle, Ärztlicher Direktor des Zentrums, leitete die Evaluation.

Wie sich zeigte, verbesserte das Training Gewicht, Cholesterin- und Blutzuckerwerte sowie die Leistungsfähigkeit der Teilnehmer. Die Sauerstoffaufnahme pro Kilogramm Körpergewicht nahm deutlich zu. Diabetiker, die Insulin spritzen mussten, benötigten durch das Training fast die Hälfte weniger an Insulin als zuvor.

„Sport auf Rezept“ kann also gerade auch schwer chronisch kranken Menschen helfen. Wichtig sei dabei, dass die Intensität des Trainings erst nach und nach gesteigert werde, so Halle. Nur so könnten die gesundheitlichen Effekte auch wirklich zu Tage treten. Zudem verwies er darauf, dass regelmäßige Motivation durch Telefonate oder Online-Coaching wichtig seien, damit die Patienten am Ball blieben und so auch langfristig Veränderungen des Lebensstils eintreten konnten. „Es reicht nicht aus, wenn ein Hausarzt dies nur empfiehlt. Er muss konkrete Angebote parat haben und den Patienten leiten können“, so Halle.

 

Prävention durch Sport sinnvoll

Über sieben Millionen Menschen in Deutschland leiden an Diabetes, fünf Millionen an Herz-Kreislauf-Erkrankungen – mit steigender Tendenz. Sport kann bei beiden Erkrankungen deutliche Verbesserungen bei grundlegenden Gesundheitsparametern erreichen. Gezielte Präventionsprogramme sind daher aus medizinischen und nicht zuletzt auch aus Kostengründen sinnvoll. Allerdings dürfte die größte Schwierigkeit weiterhin darin liegen, die Risikopatienten anzusprechen und dauerhaft zu motivieren.

Foto: © sabine hürdler - Fotolia.com

Autor: red
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sport und Gesundheit

 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Weitere Nachrichten
Für Betroffene ist das Restless Legs Syndrom häufig eine Qual. Sie leiden nicht nur unter den unruhigen, kribbelnden und zuckenden Beinen, sondern auch unter der daraus folgenden Schlaflosigkeit. Die Deutsche Restless Legs Vereinigung gibt Tipps, wie den Beschwerden entgegengewirkt werden kann.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.