. Gesundheitspolitik

Spahn will HIV-Prophylaxe zur Kassenleistung machen

Der gesetzliche Anspruch für die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) kommt. Das kündigte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn jetzt an. Die künftige Kassenleistung soll aber bestimmten Risikogruppen vorbehalten bleiben.
Spahn, PreP

Deutschland ist eines der Länder mit den niedrigsten HIV-Neuinfektionsraten in Europa. Mit einem gesetzlichen Anspruch auf die PrEP will Jens Spahn die Zahl noch weiter senken.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hat in seiner kurzen Amtszeit schon viele Vorschläge gemacht. Nun will er die HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) zur Kassenleistung machen. Dafür will sein Ministerium die Effektivität der PrEP bis Ende 2020 evaluieren. Grundlage dafür ist unter anderem die Studie „PrEP“ in Deutschland PRIDE. Die Studie startete im Oktober 2017, seither ist die sogenannte Prä-Expositionsprophylaxe in Deutschland relativ kostengünstig als Nachahmerpräparat von Truvada zu haben. Das HIV-Medikament verhindert eine Ansteckung mit HIV so zuverlässig wie Kondome. Voraussetzung für die Schutzwirkung ist, dass die Tabletten regelmäßig eingenommen werden. Andernfalls steigt das Risiko von Resistenzen und Ansteckungen.

Einbindung in ein strukturiertes Angebot

Erfahrungen aus anderen Ländern wie den USA oder England zeigen aber schon jetzt, dass PrEP ein wirksamer Schutz gegen HIV ist und die Zahl der Neuinfektionen gesenkt werden kann. Mit diesem Argument begründet auch Jens Spahn sein Vorhaben. Derzeit gebe es einen Wildwuchs rund um die PrEP, sagte er. „Dem wollen wir ein strukturiertes Angebot entgegensetzen.“ Ähnlich wie in andern Ländern, wo die PrEP seit einigen Jahren als ergänzender Baustein eingesetzt wird, soll die Präventionsmaßnahme in Deutschland  in ein Beratungs- und ärztliches Versorgungssystem mit erweiterten Testangeboten, Selbsttests, frühzeitige Behandlung usw. eingebunden werden.

„Wir wollen die Zahl der Neuansteckungen weiter senken. Daher verstärken wir unsere Anstrengungen, aufzuklären und zu informieren“, erklärte Spahn. Menschen mit einem erhöhten Infektionsrisiko sollten in Zukunft einen gesetzlichen Anspruch auf ärztliche Beratung, Untersuchung und Arzneimittel zur Vorsorge erhalten.

Wer zu den Risikogruppen gehört und damit Anspruch auf die PrEP haben wird, soll von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) und dem GKV-Spitzenverband vereinbart werden. Vermutlich werden Männer mit häufig wechselnden Sexualpartnern dazu gehören.

 

PreP für den globalen Kampf gegen Aids ungeeignet

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Prof. Hendrik Streeck vom Institut für HIV-Forschung am Universitätsklinikum Duisburg-Essen hält die PrEP indes für ungeeignet, die HIV-Epidemie global dauerhaft einzudämmen. HIV sei nämlich insbesondere ein Problem der ärmeren Länder. Und dort habe eine teure Therapie, die von Gesunden täglich zuverlässig eingenommen werden müsse, wenig Chancen.„Wenn wir HIV wirklich besiegen wollen, dann brauchen wir einen Impfstoff, der auch die Menschen in Osteuropa, Russland, Afrika und anderswo erreicht“, sagte er Gesundheitsstadt Berlin. Global gesehen sei eine HIV-Impfung darum die beste Lösung.“ Streeck leitet die Studie Pride und forscht auch an einem neuen Impfstoff gegen HIV.

Foto: mbruxelle/fotolia.com

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