. Altersmedizin

Späte Depression erhöht Demenzrisiko

Wer im Alter von über 50 Jahren erstmalig an einer Depression erkrankt, hat ein besonders hohes Risiko, auch noch dement zu werden. Das zeigt eine Analyse niederländischer Forscher. Was allerdings Ursache und was Wirkung ist, lässt sich schwer beantworten.
Demenz oder Depression?

Depression und Demenz treten im Alter oft gemeinsam auf

Demenz und Depressionen gehen oft Hand in Hand, und häufig sind ihre Symptome nicht leicht zu unterscheiden. Auch kann eine Krankheit die andere bedingen. Diesen Zusammenhang haben Forscher der Universität Maastricht nun genauer untersucht. Dabei haben sie herausgefunden, dass Depressionen bei über 50-Jährigen das Risiko für eine Demenz verdoppeln.

Für die Studie hat das Forscherteam um Dr. Sebastian Köhler die Daten von fast 36.000 Patienten untersucht, die sich in den Jahren 2000 bis 2012 in hausärztlicher Betreuung befanden. Wie sich zeigte, war das Demenzrisiko bei Patienten, bei denen im Alter von über 50 Jahren erstmalig eine Depression diagnostiziert wurde, doppelt so hoch wie bei Patienten ohne neu aufgetretene Depression. Dies galt auch, nachdem andere Faktoren wie Alter, Bildungsgrad, Bluthochdruck oder überstandene Schlaganfälle herausgerechnet worden waren.

Depressionen können offenbar vaskuläre Prozesse beschleunigen

Am größten war die Erhöhung des Demenzrisikos, wenn die Depressionsdiagnose nach einem Schlaganfall oder einer neu aufgetretenen Hypertonie erfolgte. Hypertone Patienten, die keine Depression entwickelten, hatten hingegen kein erhöhtes Risiko für eine Demenz, genauso wenig wie Schlaganfall-Patienten, die in der Folge nicht depressiv wurden.

„Diese Befunde stützen die Vorstellung, wonach vaskuläre Prozesse eine prominente Rolle im kognitiven Abbau spielen, der mit einer Depression einhergeht – gemäß der Hypothese von der vaskulären Depression“, schreiben die Studienautoren. Allerdings weise eine Depression auch dann auf ein erhöhtes Demenzrisiko hin, wenn die Patienten weder hyperton oder übergewichtig seien noch einen Schlaganfall erlitten hätten. Es liege daher nahe, dass auch gefäßunabhängige Faktoren das Demenzrisiko erhöhten.

 

Bei Gefäßerkrankungen auch auf Depressionen achten

Auch sei es möglich, dass eine neu auftretende Depression ein Marker für eine beginnende Demenz ist, ohne diese kausal zu bedingen, so die Autoren. „Das könnte bedeuten“, so Köhler, „dass manche Fälle von spät beginnender Depression als Teil der Prodromi [Vorzeichen, die Red.] einer Alzheimer-Krankheit in Erscheinung treten, während andere Formen zur Demenz führen, etwa über vaskulär-pathologische Mechanismen.“ Es sei wichtig, diese komplizierten Mechanismen noch genauer zu erforschen. Die Forscher fordern Ärzte dazu auf, bei Patienten mit bestehenden oder neu auftretenden Gefäßerkrankungen auf Anzeichen einer Depression zu achten und dieser rechtzeitig entgegenzuwirken.

Foto: © highwaystarz, Fotolia.com

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
 

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