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Sozialer Stress in der Kindheit erhöht späteres Herzinfarktrisiko

Sozialer Stress in Kindheit und Jugend kann im späteren Leben Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Das berichtet der Medizinsoziologe Dr. Morten Wahrendorf.
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Vernachlässigung oder Misshandlung im Kindesalter erhöhen beim Erwachsenen das Herz-Risiko

Sozialer Stress in Kindheit und Jugend kann im späteren Leben Herz-Kreislauf-Erkrankungen verursachen. Das berichtet Dr. Morten Wahrendorf in der Fachzeitschrift Aktuelle Kardiologie. Zu den Belastungen zählen Konflikte in der Familie, Misshandlungen, traumatische Erlebnisse und emotionale Vernachlässigung.

In seinem Beitrag zieht der Medizinsoziologe vom Institut für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf auch Daten aus der europaweiten Studie "Survey of Health Ageing and Retirement" (SHARE) heran. Über 27.000 Menschen über 50 Jahren wurden dabei zu Kindheitserfahrungen interviewt und ihre Antworten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen im Alter in Beziehung gesetzt.

Sozialer Stress in der Kindheit erhöht späteres Herzinfarktrisiko

Die Ergebnisse zeigen, dass eine geringe berufliche Qualifikation des Vaters, ein niedriger Bildungsstand und schlechte, beengte Wohnbedingungen - mithin sozialer Stress in der Kindheit - langfristig das Herzinfarktrisiko erhöhen. "Kindern und Jugendlichen ein sicheres, stabiles und von Armut freies Umfeld zu ermöglichen, könnte deshalb effizienter als die Behandlung einer Erkrankung im Alter sein", gibt Wahrendorf zu bedenken.

Die Kindheit könnte eine kritische Phase sein, in der Handlungsmuster erlernt werden oder der Körper auf eine vermehrte Ausschüttung der Stresshormone Adrenalin und Kortison geprägt werde. Diese Hormone werden für die Schädigung der Blutgefäße mitverantwortlich gemacht, die im Alter zur Gefäßverkalkung führt.

 

Bei Ärmeren verkürzt Herzinfarkt das Leben um fünf Jahre

Insgesamt erleiden Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen zwei- bis dreimal häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall als Menschen, die unter besseren Bedingungen leben. Trotz weitgehend gleicher Behandlung im Krankenhaus erholen sie sich schlechter.

"So verkürzt ein Herzinfarkt das Leben der Betroffenen in ärmeren Bevölkerungsschichten um rund fünf Jahre. Patienten mit höherem Einkommen verlieren nur etwa dreieinhalb Jahre", erläutert Dr. Thomas Lampert vom Robert Koch-Institut in Berlin ebenfalls in Aktuelle Kardiologie.

Ungesünderer Lebensstil erklärt Unterschied nur teilweise

Ärmere Menschen haben in Deutschland insgesamt eine um mehr als fünf Jahre kürzere Lebenserwartung. Betrachtet man ausschließlich die Lebensjahre, die in guter Gesundheit verbracht werden, so beträgt der Verlust sogar mehr als zehn Jahre.

Ein ungesünderer Lebensstil erklärt den Unterschied nach Einschätzung von Dr. Lampert nur teilweise. Es sei richtig: Ärmere Menschen rauchen in Deutschland häufiger und sind eher übergewichtig. Sie ernähren sich ungesünder und bewegen sich weniger. Zum Teil sind sie am Arbeitsplatz auch ungesunden Belastungen ausgesetzt.

Hohe Arbeitsanforderung, geringe Selbstbestimmung erzeugt Stress

Es gibt aber auch psychische Stressoren. Dazu zählt Dr. Lampert beispielsweise hohe Arbeitsanforderungen in Kombination mit geringer Selbstbestimmung. Experten sprechen hier von "Job Strain". Aber auch "Gratifikationskrisen" erhöhen das Herzinfarktrisiko: Solche entstehen durch das empfundene Missverhältnis von persönlichem Engagement am Arbeitsplatz und dem gezahlten Lohn oder das fehlende Lob durch Kollegen und Vorgesetzte.

Vielen ärmeren Menschen fehlt es zudem an sozialen Kontakten. Diese sind wichtig, um in schwierigen Situationen Rückhalt zu haben. Der Verlust des Partners oder des Arbeitsplatzes führten bei ihnen schneller zu Lebenskrisen.

Ärmere Menschen gehen seltener zum Arzt

Die fehlende soziale Unterstützung ist vermutlich aber nicht nur für die Bewältigung solcher Erlebnisse wichtig. Sie trägt auch zu einer adäquaten Wahrnehmung und Bewertung dieser Belastungen bei und steuert so die Intensität und die Dauer der Stressreaktion: Ärmere Menschen gehen seltener zum Arzt und reagieren später auf gesundheitliche Beschwerden, so Lampert.

Foto: mihail/fotolia.com

Autor: bab
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