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Sorgloser Umgang mit HIV: „Wir machen’s ohne“

Eine Facebook-Aktion sorgt für Aufregung: Auf der Seite „Wir machen’s ohne – Safer Sex durch HIV-Therapie“ erteilen HIV-Positive dem Kondom eine Absage. Viele halten das für verantwortungslos.
Die Facebook-Aktion „Wir machen’s ohne“ von elf HIV-Aktivisten weckt Empörung

Die Facebook-Aktion „Wir machen’s ohne“ von elf HIV-Aktivisten weckt vielerorts Empörung

Das Kondom gilt als Synonym für Safer Sex und wird von Gesundheitsbehörden als bester Schutz gegen eine HIV-Ansteckung propagiert. Doch seit November erklären elf Menschen mit HIV auf einer Facebook-Seite: „Wir machen’s ohne - Safer Sex durch HIV-Therapie". Damit machen die HIV-Positiven öffentlich, dass sie auf Kondome verzichten. Angeblich ohne Übertragungsrisiko. Hintergrund ist, dass die neuen HIV-Medikamente die Vermehrung von HIV im Körper unterbinden. Wenn dauerhaft im Blut keine Viren mehr nachweisbar sind, ist eine Übertragung so gut wie ausgeschlossen. Das legen Studien wie HPTN 052 oder die Partner-study nahe. Der Schutz funktioniert allerdings nur, wenn die Medikamente zuverlässig eingenommen werden und regelmäßig Blutuntersuchungen erfolgen. Ein Restrisiko kann jedoch niemand ausschließen.

Schutz durch HIV Therapie gilt als wissenschaftlich belegt

„Die zentrale Botschaft der Aktion ist die Erkenntnis, dass HIV-positive Menschen unter erfolgreicher, langfristiger Therapie nicht mehr sexuell infektiös sind. Diese Erkenntnis gibt es seit bald acht Jahren und ist wissenschaftlich belegt“, erklärt die Initiatorin der Facebook-Aktion Michèle Meyer. „Wir leben es und reden darüber!“

Die Deutsche AIDS-Hilfe (DAH) begrüßte die kurz vor dem Welt-Aidstag am 1. Dezember gestartete Aktion auf Facebook und schreibt, Sex ohne Kondom könne durchaus Safer Sex sein. „Ein HIV-Positiver, der HIV nicht weitergeben kann, handelt beim Sex mit HIV-Negativen nicht verantwortungslos. Er kann sich darauf verlassen, dass sein Gegenüber geschützt ist“, sagt DAH-Vorstand Manuel Izdebski. Wichtig sei jedoch: Wer Schutz durch Therapie praktizieren möchte, muss sich vorher gut informieren, da einige Bedingungen erfüllt sein müssten. „Während HIV-Positive Menschen meist wissen, ob sie HIV noch übertragen können oder nicht, müssen HIV-Negative Menschen im Einzelfall abschätzen, ob sie genug über den Partner wissen. Dafür ist Vertrauen notwendig“, so Izdebski.

 

Trügerische Sorglosigkeit

Nicht alle sehen das so gelassen wie die Deutsche AIDS-Hilfe. Als ein HIV-positiven Mann mit seiner Erklärung, er habe regelmäßig Sex ohne Kondom, die Aktion ins Rollen brachte, wurde er in einigen Medien und den Sozialen Netzwerken angefeindet und sogar bedroht. In vielen Kommentaren wurde er als „verantwortungslos“ bezeichnet.

Kritik kam von NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens. Die Mach’s ohne Aktion vermittle eine falsche Sicherheit, kritisierte sie. In einem WDR-Bericht forderte die Grüne Ministerin die Deutsche AIDS Hilfe auf, ihre Aussagen zu überdenken.

Mach’s mit

Auch die Lesben und Schwulen in der Union NRW (LSU) sehen den Slogan „Wir machen’s ohne“ mit Sorge. „So ein Slogan kann zu einer Bagatellisierung führen“, schreiben die Christdemokraten in einer Stellungnahme. Besonders jungen Schwulen in der Findungsphase werde so eine trügerische Sorglosigkeit suggeriert. Schließlich handle sich immer noch um eine chronische und potentiell lebensbedrohliche Krankheit. „Aus Sicht der LSU sollte das Motto deshalb weiterhin heißen: „Mach’s mit“!“ Gleichwohl zeigt die LSU Verständnis für das Anliegen, HIV-Positive von Stigmatisierungen zu befreien und über die Schutzfunktion der HIV-Medikamente aufzuklären.

Foto: © kiatipol - Fotolia.com

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