. Multiple Sklerose Forschung

Sonnenlicht stimuliert das Immunsystem bei MS

Sonnenlicht unterstützt den Aufbau eines gesunden Immunsystems und hilft diesem beim Schutz des Zentralen Nervensystems. Das haben Wissenschaftler in einer Studie mit MS-Patienten herausgefunden. Die Entdeckung könnte dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten von Multipler Sklerose künftig zu erweitern.
Sonnenlicht stimuliert das Immunsystem bei MS

UV-Licht hat eine positive Wirkung auf das Immunsystem. Das gilt offenbar auch bei Multipler Sklerose

Etwa 2,5 Millionen Menschen weltweit leiden an Multipler Sklerose (MS). Da die chronisch-entzündliche Erkrankung des Zentralen Nervensystems nach wie vor unheilbar ist, wird laufend an neuen Therapieansätzen geforscht. Wissenschaftler der Universität Münster sind jetzt dem Sonnenlicht auf der Spur. Hinweise, dass Sonnenlicht einen positiven Einfluss auf das Immunsystem hat, gibt es bereits, etwa bei der Therapie von Hautkrankheiten wie Schuppenflechte. Ob dies auch für die Autoimmunkrankheit Multiple Sklerose gilt, haben Neurologen der Uni-Klinik in Zusammenarbeit mit den Dermatologen sowohl im Tiermodell als auch bei neun MS-Betroffenen untersucht. Die Patienten wurden über einen Zeitraum von sechs Wochen regelmäßig in eine eigens dafür konzipierte medizinische Sonnenkammer mit UV-Licht bestrahlt.

Durch Sonnenlicht bilden sich dendritische Zellen

„Die Ergebnisse sind erstaunlich“, sagt Prof. Karin Loser von der Uni-Klinik für Hautkrankheiten. „Im Blut und in der Haut der Patienten fanden sich schon nach dem ersten Termin mehr regulatorische T-Zellen und dendritische Zellen als zuvor.“ Beide Zelltypen schützen das Immunsystem davor, sich bei einer Überreaktion selbst anzugreifen – dieser gefährliche Vorgang ist das zentrale Kennzeichen der Multiplen Sklerose. Anhand von Hautbiopsien konnten die Wissenschaftler um Loser nachweisen, dass die UV-B-Strahlung im Immunsystem von MS-Patienten einen komplexen Prozess auslöst: In der bestrahlten Haut bilden sich tolerogene dendritische Zellen, die dann in angegliederten Lymphknoten regulatorische T-Zellen „ausbilden“.

Am Mausmodell konnten die Wissenschaftler unterdessen zeigen, dass die induzierten regulatorischen Zellen aus der Haut direkt zum Ort der Entzündung wandern, also ins Blut, in die Knochen oder – wie bei der MS– in das Zentrale Nervensystem. Hier lösen sie eine schützende Reaktion des Immunsystems aus und drosseln so die schädliche Autoimmunität. Der Effekt war allerdings nicht nachhaltig. „Sowohl bei Mäusen als auch beim Menschen, verschlechterten sich Blutwerte und Immunstatus wieder, wenn die Behandlung auch nur für wenige Tage unterbrochen wurde“, so Karin Loser.

Multiple Sklerose: Erkenntnisse haben noch nicht zu einer neuen Behandlung   geführt

Dennoch zeigen die Ergebnisse, wie der Umweltfaktor UV-Licht die Entstehung und den Verlauf der Multiplen Sklerose beeinflusst. „Es gibt offenbar eine Achse zwischen Haut und Nervensystem“, schlussfolgert Prof. Heinz Wiendl, Direktor der Klinik für Allgemeine Neurologie in Münster. „UV-B-Strahlung hat einen Einfluss auf die Immuntoleranz im Nervensystem. Der Einfluss ist kurzfristig, umkehrbar und geht weit über Effekte von Vitamin D allein hinaus.“

Der Fund könne dazu beitragen, die Behandlungsmöglichkeiten von MS zu erweitern und zu verbessern, schreibt das Wissenschaftsteam im Fachmagazin Annals of Neurology. Einen Ansatz für eine konkrete neue Therapie sehen die Studienautoren in den Erkenntnissen aber noch nicht.

Foto: © Maksim Pasko - Fotolia.com

Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
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