. Deutsche Krebshilfe warnt

Sonnenbaden schwächt Immunsystem

In der Haut werden nach UV-Bestrahlung zahlreiche Reaktionen ausgelöst, die die Immunabwehr des Körpers schwächen. Erkältungen verstärken sich, Krankheiten können schwerer verlaufen. Ein zusätzliches Risiko in Zeiten der COVID-19-Pandemie sei nicht auszuschließen, warnt die Deutsche Krebshilfe. Vor allem die Strahlungsintensität in Solarien erhöhe dazu noch das Hautkrebsrisiko.
Frau liegt im Solarium

Aller Grund zu Nachdenklichkeit: Besonders die intensive UV-Strahlung in Solarien kann Hautkrebs auslösen und das Immunsystem schwächen.

Nach dem Corona-bedingten Shutdown der letzten Wochen öffnen in vielen Bundesländern nun wieder Sonnenstudios, Fitnesscenter und Wellness-Einrichtungen unter strengen Infektionsschutzauflagen. Auch Solariengeräte sind somit wieder zugänglich. Experten warnen jedoch vor ihrer Nutzung. Denn: „Die hohe UV-Strahlungsintensität in Solarien erhöht nachweislich das Hautkrebsrisiko. Akut schwächen UV-Strahlen zudem das Immunsystem – ein zusätzliches Risiko in Zeiten der COVID-19-Pandemie ist damit nicht auszuschließen“, warnen jetzt die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP).

Nach Aufenthalt in der Sonne: Lippenbläschen, verstärkte Erkältung

In der Haut werden nach UV-Bestrahlung zahlreiche durch UV-Strahlen miteinander verbundene Reaktionen ausgelöst, die die Immunabwehr des Körpers schwächen. Daran sind verschiedene Zelltypen der Haut und der Immunabwehr sowie eine Vielzahl zelleigener Botenstoffe in komplizierter Wechselwirkung beteiligt. „Das geschwächte Immunsystem zeigt sich beispielsweise am Auftreten von Lippenbläschen, auch als Herpes simplex bekannt, oder daran, dass sich eine Erkältung nach dem Aufenthalt in der Sonne verschlechtert", erklärt Eckhard Breitbart, Dermatologe und Vorsitzender der ADP. Daher sollte UV-Strahlung gemäß Empfehlungen des Bundesamts für Strahlenschutz bereits bei einer einfachen Erkältung gemieden werden.

 

Abwehr von Viren, Bakterien und Pilzen deutlich herabgesetzt

Bereits vor über 100 Jahren entdeckte der Nobelpreisträger Niels Finsen, dass sich der Verlauf einer Lungentuberkulose durch UV-Strahlung signifikant verschlechterte. „Die Abwehr von Erregern wie Viren, Bakterien und Pilzen ist deutlich herabgesetzt. Auch parasitäre Erkrankungen wie Leishmaniose, Bilharziose oder Malaria verlaufen schwerer und länger nach UV-Exposition", erklärt Hautkrebs-Experte Breitbart. „Gerade in Zeiten der allgegenwärtigen Gefahr einer Infektion mit dem Corona-Virus sollten wir darauf achten, dass unsere körpereigene Immunabwehr bestmöglich funktioniert und sie nicht durch Solarienbesuche geschwächt wird."

272.000 neue Fälle von Hautkrebs im Jahr

UV-Strahlen sind erwiesenermaßen der wichtigste Risikofaktor für das Entstehen von Hautkrebs - dies gilt sowohl für die natürliche UV-Strahlung der Sonne als auch die künstlich erzeugte in Solarien. Die Intensität der UV-Strahlen ist nach Einschätzung der Deutscher Krebshilfe in Solarien jedoch erheblich höher als die der Sonne in unseren Breitengraden. Aktuellen Hochrechnungen zufolge erkranken derzeit bundesweit rund 272.000 Menschen jährlich neu an Hautkrebs - über 37.000 davon am gefährlichen schwarzen Hautkrebs, dem malignen Melanom.

Fachgesellschaften fordern bundesweites Verbot von Solarien

„Die Deutsche Krebshilfe und die Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Prävention (ADP) halten jetzt umso mehr an ihrer Forderung nach einem bundesweiten Verbot von Solarien fest", betont Gerd Nettekoven, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Krebshilfe. „Die vorübergehenden Schließungen haben hoffentlich vielen Nutzern gezeigt: Es geht auch ohne künstliche Sonne."

Foto: AdobeStock/asdf

Autor: red
Hauptkategorie: Medizin
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