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Sollten Gesunde prophylaktisch Aspirin einnehmen?

Zum Schutz vor Herzinfarkt und Schlaganfall nehmen Millionen gesunder Menschen täglich Aspirin bzw. ASS ein. Aber ist das überhaupt sinnvoll? Gleich zwei neue Meta-Analysen stellen den Nutzen von Aspirin in der Primärprävention in Frage.
Asirin, Blutungsrisiko

Wegen Blutungsrisiko: Die Zweifel an der ASS-Prophylaxe für Gesunde wachsen

Acetylsalicylsäure wird wegen seiner plättchenhemmenden Eigenschaften zum Schutz vor kardiovaskulären Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall eingesetzt. Patienten mit entsprechenden Vorerkrankungen erhalten es zur Prävention weiterer Ereignisse. Dass Aspirin diesen Patienten nützt, dafür gibt es Evidenz. Aber auch Millionen gesunder Menschen nehmen täglich Aspirin ein, um sich vor Herzinfarkten, Schlaganfällen und Thrombosen zu schützen. Wie sinnvoll das ist, das wird gerade heftig diskutiert. Denn Aspirin hat auch Nebenwirkungen, vor allem Magenblutungen, Hirnblutungen und andere innere Blutungen. Es steht darum die Frage im Raum, ob Aspirin Gesunden im Zweifel mehr schadet als nützt.

Mehr als 150.000 Gesunde testen Aspirin

US-Wissenschaftler um Ahemd Mahmoud von der University of Florida haben sich darum die Studienlage zu Aspirin in der Primärprävention angeschaut. Schließlich wurden 11 Studien mit über 150.000 Studienteilnehmern ausgewertet. Alle Studienteilnehmer waren zu Studienbeginn kardiovaskulär gesund, das heißt sie hatten weder Probleme mit dem Herzen oder den Gefäßen und auch noch keinen Schlaganfall oder Herzinfarkt erlitten. Nach dem Zufallsprinzip bekamen sie entweder Aspirin verordnet oder ein Plazebo oder keine Behandlung.

 

Kein Effekt auf die Mortalität

Nach im Schnitt 6,6 Jahren Beobachtungszeit waren von den mit Aspirin behandelten Patienten praktisch genauso viele verstorben wie in der Kontrollgruppe (4,6 % vs. 4,7%). Subgruppenanalysen von Personen mit hohem kardiovaskulären Risiko und Diabetikern ergaben das gleiche Bild: Auf die Sterblichkeit (egal welcher Ursache) hatte die Einnahme von Aspirin keinen Effekt.

Erhöhtes Risiko für Blutungen

Bei den Herzinfarktraten schnitten die Aspirin-Gruppen in der Tat besser ab (1,9 % versus 2,2 %). Die Autoren merken jedoch an, dass die neueren Studien diesen schützenden Effekt nicht mehr zeigen konnten. Aber in der Aspirin-Gruppe traten deutlich mehr schwere Blutungen auf: (1,8 % versus 1,2 %).

Rechtfertigt also das etwas geringere Herzinfarktrisiko das höhere Risiko für schwere Blutungen einschließlich Hirnblutungen? Die Autoren meinen, die Gabe von Aspirin in der Primärprävention müsse neu überdacht werden. Denn Leben könne Aspirin nicht retten, wohl aber schwere Blutungen verursachen.

Die Studie “Efficacy and safety of aspirin for primary prevention of cardiovascular events: a meta-analysis and trial sequential analysis of randomized controlled trials” wurde im Auftrag der European Society of Cardiology im European Heart Journal veröffentlicht.

Weitere Studie aus England

Eine andere kürzlich erschienen Studie von Wissenschaftlern vom Londoner King’s College war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen. Hier lag das Augenmerk aber nicht auf der Gesamtsterblichkeit, sondern auf der Vorbeugung von Herzinfarkten und Schlaganfällen. Das Team um Dr. Sean Zheng hatte herausgefunden, das bei jedem 265. Patienten, der 5 Jahre lang mit Aspirin behandelt wird, ein Herzinfarkt oder ein Schlaganfall oder ein kardiovaskulärer Tod verhindert wird. Auf der anderen Seite erleidet  jeder 210. Patient im gleichen Zeitraum ein schweres Blutungsereignis.

„Diese Ergebnisse zeigen, dass es einen kardiovaskulären Benefit gibt, aber eben auch ein ebenso hohes Risiko für innere Blutungen“, sagt Studienautor Zheng. „Darum müssen wir ernsthaft hinterfragen, ob Patienten, die bisher keinen Herzinfarkt oder Schlaganfall hatten, wirklich Aspirin prophylaktisch einnehmen sollten.“

Foto: pixabay

Autor: ham
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