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Soja, Hafer, Mandel: Wie wertvoll sind Milch-Alternativen?

Milchersatzdrinks aus Sojabohnen, Getreide oder Nüssen sind bei ihrer Produktion umwelt- und klimafreundlicher als konventionelle Kuhmilch. Rund ein Drittel enthält ähnlich viel Calcium, wenn auch als Zusatzstoff. Das ergibt sich aus einer Produktprüfung der Verbraucherzentrale NRW. Wichtig beim Kauf: Sich nicht von Marketing-Sprüchen auf der Verpackung in die Irre führen lassen – vor allem beim Zuckergehalt.
Fünf Gläser mit Pflanzendrinks als Milchalternative - und fünf Rohstoffe.

Fünf Typen von Pflanzendrinks und ihre namensgebenden Rohstoffe (von links oben): Hafer, Sojabohnen, Reis, Mandeln, Kokosnuss.

Immer mehr Menschen verwenden anstelle tierischer Milch pflanzliche Drinks aus Hafer, Soja, Reis, Mandeln oder Kokos. Während einige bei dem mittlerweile großen Angebot einfach aus Neugier zugreifen und die Milch-Alternativen ausprobieren wollen, stehen für andere Umwelt- und Klimaschutz, Tierwohl und nicht zuletzt die eigene Gesundheit bei der Kaufentscheidung im Vordergrund. Klar ist: Pflanzliche Milchersatzgetränke sind vegan und laktosefrei. Sie gelten als willkommene Alternative für Veganer oder für Menschen mit Laktose-Intoleranz oder Milcheiweiß-Allergie. Aber was steckt wirklich drin in den Produkten? Wie nachhaltig sind sie? Und ist den Werbeversprechen auf den Verpackungen zu trauen? Das hat jetzt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen untersucht.

Ein bis drei Euro pro Liter: Pflanzendrinks oft teuer als Milch

Für ihre im Frühjahr 2021 durchgeführte Marktstichprobe nahm die Verbraucherzentrale NRW 71 Milchersatzprodukte unter die Lupe – hergestellt auf der Basis von Hafer, Soja, Reis, Mandeln und Kokosnuss. 55 waren biologisch und 16 konventionell hergestellt. Die Preise für die Pflanzendrinks aus Discountern, Super- und Drogeriemärkten sowie Bioläden variierten stark: Der Liter kostete zwischen 95 Cent und 2,99 Euro. In der Regel sind die Pflanzenprodukte teurer als Kuhmilch, so das Fazit des Produkttests.

 

Vorsicht vor Eigenlob und Siegeln auf der Verpackung

Die Verbraucherzentrale rät Verbrauchern dazu, sich von Werbeaussagen, selbstverliehenen Gütesiegeln auf der Verpackung nicht einlullen zu lassen. Oft täuschten diese über Schwächen bei der inhaltlichen Zusammensetzung hinweg. „Ohne Zuckerzusatz“ suggeriere, dass das Produkt wenig oder sogar überhaupt keinen Zucker enthalte, was aber keineswegs zutreffen müsse. Pflanzendrinks mit diesem Hinweis sollten deshalb den Zusatz 'enthält von Natur aus Zucker' tragen", fordert deshalb die Verbraucherschutzorganisation.

Immer auf die Nährwerttabelle schauen

Der erste Blick der Verbraucher sollte immer auf die Nährwerttabelle fallen, denn sie beinhalte objektive Zahlen. In Sachen Nährwerte gibt es dem Produkttest zufolge bei milchähnlichen Drinks je nach Hauptrohstoff große Unterschiede:

  • Produkte aus Soja enthalten vergleichsweise viel Eiweiß.
  • Produkte auf Getreidebasis weisen einen höheren Kohlenhydrat- und Zuckergehalt auf.
  • Gut ein Drittel der Produkte ist (wenn auch künstlich) mit Calcium angereichert und hat einen ähnlichen Calcium-Gehalt wie Kuhmilch – wichtig für Verbraucher, die Kuhmilch durch Pflanzendrinks ersetzen wollen.

Viele Drinks enthalten Zusatzstoffe

Sonja Schäche vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam sieht die Inhaltsstoffe kritisch: Vitamine oder etwa Eiweiß steckten häufig kaum in Pflanzendrinks; Nährstoffe wie Kalzium oder Folsäure seien oft künstlich zugesetzt. Nach dem aktuellen Marktcheck der Verbraucherzentrale war bei einem Fünftel der betrachteten Milchalternativen (überwiegend natürliches) Aroma zugesetzt. 38 Prozent der erfassten Erzeugnisse enthielten verschiedene Zusatzstoffe – Verdickungsmittel zum Beispiel. Wer dies nicht möchte, hat demnach aber eine relativ große Auswahl, besonders bei Bio-Produkten.

Milchalternativen: „Deutlich umwelt- und klimafreundlicher“

„Wem Umwelt- und Klimaschutz wichtig sind, der liegt bei den pflanzlichen Milchalternativen grundsätzlich richtig“, urteilen die Tester der Düsseldorfer Verbraucherzentrale. „Denn deren Produktion verursacht insgesamt deutlich weniger schädliche Treibhausgase und Umweltbelastungen als die konventionelle Milcherzeugung.“Allerdings: Nur bei zwei von 71 Testprodukten war die CO2-Bilanz auf der Verpackung dokumentiert und damit offengelegt.

Bei Hafer und Soja: Rohstoffe oft europäischer Herkunft

Von den 19 im Marktcheck erfassten Sojadrinks waren 15 ökologisch produziert – mit Sojabohnen aus europäischem Anbau. Auch die Haferdrinks waren meist Bio-Produkte mit Getreide aus Europa; bei der Hälfte der betrachteten Drinks stammte der Hafer sogar aus Deutschland. Neun der 14 Mandeldrinks waren laut Verpackungsangaben ebenfalls europäischen Ursprungs. Schwieriger nachzuvollziehen war für die Tester dagegen die Herkunft der Zutaten bei Reis- und Kokosprodukten.

Foto: Verbraucherzentrale NRW

Autor: zdr
Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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