Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

Software Sormas soll Gesundheitsämter entlasten

Das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung stellt Gesundheitsämtern ein digitales System zur Pandemiebekämpfung bereit. Das Programm Sormas wurde ursprünglich für die Ebola-Epidemie entwickelt und jetzt für die Corona-Pandemie angepasst. Nun wirbt das HZI für eine flächendeckende Einführung in den Gesundheitsämtern.
Gesundheitsämter können das Kontaktpersonen-Managementsystem Sormas kostenlos nutzen

Gesundheitsämtern können das Kontaktpersonen-Managementsystem Sormas kostenlos nutzen

Die digitale Rückständigkeit der deutschen Gesundheitsämter könnte bald der Vergangenheit angehören. Das verspricht das Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig, das federführend das digitale System Sormas zur Bekämpfung der Corona-Pandemie entwickelt hat. Das System soll Gesundheitsämter bei der Fallerfassung und Kontaktnachverfolgung unterstützen, was augenblicklich vielerorts nur noch sehr eingeschränkt möglich ist. Auch der digitale Austausch zwischen den Gesundheitsämtern soll damit verbessert werden und so helfen, Infektionsketten zur durchbrechen.

Kostenloses Kontaktpersonenmanagement

Das System (Sormas = Surveillance Outbreak Response Management and Analysis System) wurde 2014 im Zuge des westafrikanischen Ebola-Ausbruchs vom HZI, dem Robert Koch-Institut und weiteren Partnern entwickelt. Nun wurde es für SARS-CoV-2 angepasst. Durch die Förderung des Bundesministeriums für Gesundheit steht Sormas allen Gesundheitsämtern kostenlos zur Verfügung. 95 von 400 Gesundheitsämtern nutzen das System bereits.

„Je früher das Programm zum Einsatz kommt, desto größer der Nutzen für die Pandemiebewältigung“, sagt Prof. Dr. Gérard Krause, Leiter der Abteilung Epidemiologie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Eine Installation und Umstellung auf das System sei auch während der Hochphase der Pandemie möglich. „Sormas kann in vier Schritten und in 48 Stunden nach Vertragsunterzeichnung in jedem Gesundheitsamt in Deutschland gestartet werden”, bestätigt Gérard Krause.

 

Patientenbeauftragte befürwortet flächendeckende Einführung

Kurz vor Weihnachten konnte sich die Patientenbeauftragte der Bundesregierung Claudia Schmidtke vom Nutzen des Systems überzeugen. „Ich befürworte die flächendeckende Einführung von SORMAS in den Gesundheitsämtern ausdrücklich – auch im Namen der Betroffenen“, wird Schmidtke in einer HZI-Mitteilung zitiert. Gespräche mit dem HZI hätten sie überzeugt, dass eine konsequente Verwendung von Sormas die Gesundheitsämter entlaste und durch eine effektive Kontaktnachverfolgung zum Bruch von Infektionsketten und damit wesentlich zum Schutz von Menschenleben beitragen könne, so Schmidtke.

Wie funktioniert Sormas?

Ein speziell an COVID-19 angepasstes Modul erstellt automatisch SARS-CoV-2 spezifische Prozessmodelle für Fallmeldungen, Infektionsverläufe und Diagnostik. Sormas erspart damit zahlreiche Schriftwechsel, Telefonate und redundante Dokumentationen. Zudem enthält es ein Termin- und Erinnerungssystem für die Mitarbeiter in den Gesundheitsämtern und ermöglicht durch eine mobile Version das Arbeiten von Unterwegs oder aus dem Home-Office heraus. Auch epidemiologische Karten, Übertragungsketten und Prozesse können von dem System generiert werden.

Weitere Features kommen hinzu: So können mit dem angeschlossenen digitalen Symptomtagebuch der Climedo Health GmbH betroffene Kontaktpersonen ihre Symptome von ihrem Mobiltelefon, Tablet oder Computer heraus dokumentieren und digital in das SORMAS-System des Gesundheitsamts direkt übertragen. Auch die Schnittstellen zu anderen Systemen in den Gesundheitsämtern werden ständig optimiert, wodurch Doppeleingaben und die parallele Verwendung in unterschiedlichen Systemen vermieden werden.

Nach HZI-Angaben wurden mit Sormas bereits mehrere große Epidemien in Afrika erfolgreich bewältigt. Inzwischen wird das System auch in Frankreich und der Schweiz zur Bewältigung der COVID-19-Pandemie genutzt. Laut einer Analyse der Johns Hopkins Universität ist Sormas eines der umfassendsten digitalen Systeme für das Fall- und Kontaktpersonenmanagement bei COVID-19.

Foto: © Adobe Stock/Syda Productions

Autor: ham
Hauptkategorien: Corona , Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus
 

Weitere Nachrichten zum Thema Corona-Pandemie

30.10.2020

Die Anzahl der Corona-Neuinfektionen in Deutschland ist zuletzt auf mehr als 18.000 Fälle innerhalb von 24 Stunden angestiegen. Jeder Neuinfizierte hat rund 10 bis 15 Kontakte, die informiert werden und sich in Quarantäne begeben müssen. Die Gesundheitsämter stoßen angesichts dieser Entwicklung bei der Kontaktnachverfolgung an ihre Grenzen. Welche Möglichkeiten haben die Gesundheitsämter bei der Pandemiebekämpfung in dieser angespannten Lage? Darüber sprach Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit Dr. Christine Wagner, Leiterin des Pandemiestabes Kommunikation und Strategie im Berliner Gesundheitsamt Neukölln.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Die Behandlung von COVID-19 stellt die Medizin vor riesige Herausforderungen. Der Lungenarzt und Infektiologe Prof. Dr. Norbert Suttorp von der Charité erklärt, was COVID-19 von anderen Lungenentzündungen unterscheidet und welche Therapieansätze Hoffnung machen. Eine Zusammenfassung unseres Podcasts.
 
Weitere Nachrichten


Bei der Bewältigung der Coronakrise in Deutschland sind deutliche Schwächen erkennbar geworden. Insbesondere die Digitalisierung des Gesundheitssystems und eine bessere Nutzung medizinischer Daten zur Versorungssteuerung müssen vorangetrieben werden. Eine erste Bewertung zur Bewältigung der Pandemie hat Gesundheitsstadt Berlin in einem Podcast mit dem Vorstandsvorsitzenden des AOK-Bundesverbands, Martin Litsch, vorgenommen.
 
Kliniken
Interviews

Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin