. Palliativmedizin

Software sagt den Tod voraus

Eine Software kann ausrechnen, ob jemand in den nächsten drei bis zwölf Monaten sterben wird. Das Tool wurde für schwer kranke Patienten entwickelt. Die Wissenschaftler wollen damit eine bessere palliativmedizinische Versorgung am Lebensende erreichen.
Wieviel Lebenszeit bleibt noch? Ein Tool will Sterbende erkennen

Wieviel Lebenszeit bleibt noch? Ein Tool will Sterbende bis zu zwölf Monate vor ihrem Tod erkennen

Selbst für Profis ist es schwer zu erkennen, wann ein kranker Mensch sterben wird. Wüsste man den ungefähren Todeszeitpunkt, könnten Ärzte und Familien besser planen und dem Patienten überflüssige Therapien und Krankenhausaufenthalte ersparen. Statistiken aus den USA zeigen, dass 80 Prozent der Amerikaner zu Hause sterben möchten, dies aber nur 20 Prozent gelingt.

 

 

Angestrebt wird eine bessere palliativmedizinische Versorgung

Amerikanische Wissenschaftler von der Stanford University haben deshalb einen Algorithmus entwickelt, der den Tod innerhalb der nächsten drei bis zwölf Monate vorhersagen kann. Die Vorhersage stimmt natürlich nicht auf den Tag genau, aber sie legt doch einen recht überschaubaren Zeitrahmen fest. Damit soll Ärzten die Entscheidung für das Einleiten palliativmedizinische Maßnahmen erleichtert werden. Nach Ansicht der Wissenschaftler um Anand Avati profitieren Patienten am Lebensende noch zu selten von der Palliativmedizin. Die häufigsten Gründe seien übertriebener Optimismus, Zeitmangel und mangelnde Flexibilität der Ärzte.

90 Prozent der Todesvorhersagen korrekt

Bei dem Tool handelt es sich um ein lernendes System. Zunächst wurden ihm 160.000 Gesundheitsdaten eingespeist, anhand derer die Sterbewahrscheinlichkeit eines Patienten innerhalb der nächsten drei bis zwölf Monate errechnet wurde. Anschließend untersuchte der Algorithmus 40.000 weitere Patientenakten. Neun von zehn Vorhersagen waren korrekt, das heißt der Tod traf tatsächlich in dem ausgerechneten Zeitfenster ein. Umgekehrt lag das Tool sogar in 95 Prozent der Fälle richtig. Augenblicklich findet ein Pilotprojekt an einem medizinischen Zentrum statt.

Lebensqualität statt Lebensverlängerung

In der Palliativmedizin geht es nicht mehr um die Lebensverlängerung, sondern um das Wohlbefinden der Patienten. Die Lebensqualität steht im Vordergrund. Schulmedizinische Maßnahmen sind auf das Nötigste begrenzt, etwa auf die Schmerzbehandlung oder Therapien gegen Übelkeit. Palliativmedizinische Maßnahmen können auf entsprechenden Stationen in Krankenhäusern durchgeführt werden. Palliativmedizinische Teams kommen aber auch nachhause und versorgen die Patienten ambulant. Dann können die Patienten zu Hause sterben.

Foto: © Onypix - Fotolia.com

Hauptkategorien: Medizin , Pflege
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Palliativmedizin
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sterben

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Rund ein Fünftel der COVID-19-Patienten, die von Ende Februar bis Mitte April 2020 in deutschen Krankenhäusern aufgenommen wurden, sind gestorben. Das ergibt sich aus einer Studie unter Federführung des AOK-nahen Forschungsinstituts WIdO. In einer Altersgruppe lag die Sterblichkeit besonders hoch.
 
 
. Kliniken
. Interviews
Das Essen in deutschen Krankenhäusern hat keinen besonders guten Ruf. Dabei lässt sich mit wenig Mehraufwand viel erreichen. Der Internist und Ernährungsmediziner Prof. Dr. Christian Löser erklärt die medizinischen und ökomischen Effekte einer gesunden Ernährung im Krankenhaus.
Pflegekräfte sind in der Coronakrise wichtiger denn je und gleichzeitig besonders gefährdet. Das persönliche Engagement ist und bleibt dennoch hoch. Über Wertschätzung, Sicherheitsrisiken und die Gefahr der Selbstausbeutung in Pflegeberufen hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Pflegeexperten Thomas Meißner gesprochen.