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25.07.2019

Sodbrennen: Husten ohne Erkältung

Symptome können manchmal irreführend sein – Beispiel Refluxkrankheit. Bei jedem fünften Patienten fehlen die klassischen, bekannten Beschwerden wie das Sodbrennen. Stattdessen leiden Organe jenseits des Verdauungstraktes wie die Atemwege – bis hin zur Lungenentzündung.
Mann Ü 40 hustet in die Hand

Falscher Husten: Die gastroösophageale Refluxkrankheit (Abkürzung: "GERD") artikuliert sich bei vielen Patienten jenseits der Verdauungsorgane und damit von Magen und Speiseröhre. Chronischer Husten ist nur ein Beispiel dafür.

Trockener Reizhusten, Heiserkeit, belegte Stimme, Asthma oder Schluckbeschwerden: Wem diese Symptome Sorgen bereiten, der sucht Rat und Heilung beim Hals-Nasen-Ohren-  oder beim Lungenfacharzt. Am Ende aber kann er zu seiner großen Überraschung zum Gastroenterologen weiterüberwiesen werden, denn dort, wo die Beschwerden sind, liegt nicht das Problem. Das Problem liegt im ersten Teil der inneren Verdauungsorgane, im Bereich von Speiseröhre und Magen – und heißt Refluxkrankheit.

Jeder Fünfte hat Probleme mit Refluxkrankheit

Schätzungen zufolge hat in hochzivilisierten Ländern wie Deutschland jeder Fünfte mit der Refluxkrankheit zu tun. Die häufigste Ursache: Weil der abdichtende Schließmuskel am Mageneingang nicht (oder nicht mehr) richtig funktioniert, fließen Magensäfte zurück, die Speiseröhre hinauf und reizen deren empfindliche Schleimhaut. Diese Säure spüren wir als Sodbrennen. Klare Symptome – das Problem lässt sich identifizieren und behandeln.

 

„Stiller Reflux": Wenn Magenprobleme anderswo krank machen

Neben diesen typischen gibt es auch atypische und unspezifische Symptome: Beschwerden, die einen an andere Krankheiten denken lassen oder die bei einer Vielzahl von Erkrankungen auftreten können. Dies kann die Entdeckung und die Diagnosestellung erschweren. Es gibt sogar Patienten, die die Refluxkrankheit haben, aber Sodbrennen als Problem nicht erleben oder nicht einmal kennen. Die Fachwelt spricht in diesem Zusammenhang deshalb vom „stillen Reflux“:

Magensäure steigt auf, meist gasförmig – und führt diesmal an der Nahtstelle zwischen Speiseröhre und den Atmungsorganen zu Problemen, in Rachen, Hals und Kehlkopf. Die Schleimhäute dort sind schließlich sehr empfindlich, schon geringe Dosen an Magensäure können hier Entzündungen auslösen. Vom Rachenraum kann die Säure durch Anatmen weiter in die Lunge gelangen und dort das Gewebe angreifen. Folgen dieser Säureattacken können Bronchitis, Asthma oder sogar Lungenentzündung sein. Das Besondere an dieser Form der Refluxkrankheit ist: Die Symptome treten außerhalb des Verdauungstrakts auf – und das kann irreführend sein. Die Medizin schätzt, dass bei rund 20 Prozent der Refluxpatienten diese Form der Symptomatik auftritt – ohne die klassischen Beschwerden wie Sodbrennen. In vielen Fällen ist der Husten demnach sogar das einzige Symptom einer Refluxerkrankung.

Entzündete Stimmbänder, Bruststechen: Immer auch an Reflux denken

Für Patienten wie Mediziner ist es deshalb wichtig, bei bestimmten Krankheitssymptomen in Kopf und Atmungsorganen immer auch die Refluxkrankheit aus dem Verdauungstrakt im Blick zu haben. „So können Schluckbeschwerden, Übelkeit, Brustschmerzen hinter dem Brustbein oder ein Globusgefühl („Kloß im Hals“) gelegentlich genauso auf Reflux zurückgeführt werden wie chronischer Husten, Asthma oder eine Kehlkopfentzündung“, sagt Mathias Nicolaus, Oberarzt an einer internistischen Fachklinik in München.

Was bei Reflux-Husten hilft

Erst einmal ist es unerlässlich, einen (Fach-)Arzt zu konsultieren. Mit säurehemmenden Medikamenten  (sogenannten Protonenpumpenhemmern/PPI) lassen sich die Beschwerden normalerweise innerhalb von zwei Wochen spürbar lindern.  Dabei gilt es allerdings, die möglichen Nebenwirkungen dieser Magensäureblocker im Auge zu behalten. Zweitens geht es darum, mit ein bisschen Wissen, Gesundheitsbewusstsein und Disziplin die Ursachen zu bekämpfen – durch eine Umstellung der persönlichen Lebens- und Essgewohnheiten. Experten raten, sich folgende Punkte zu Herzen zu nehmen:

  • Kleine, leichte und über den Tag verteilte Mahlzeiten einnehmen.
  • Fetthaltige und süße Speisen meiden, denn sie fördern die Säureproduktion und können den Schließmuskel schwächen.
  • Möglichst wenig Nikotin und alkoholische Getränke – erst recht stark gekühlte, denn sie wirken ähnlich wie Fettes und Süßes.
  • Die letzte Mahlzeit spätestens drei Stunden vor dem Schlafengehen einnehmen.
  • Schlafen mit erhöhtem Kopfteil (verhindert Aufsteigen von Magensäure).
  • Seitenschläfer: Auf der linken Seite schlafen, damit sich der Magen in Richtung Darm entleeren kann.
  • Bequeme Kleidung tragen und langfristig Körpergewicht reduzieren (reduziert den Druck im Bauchraum, der Sodbrennen fördert).
  • Stress auslösende Situationen meiden.

Foto: Fotolia.de/RFBSIP

Hauptkategorie: Medizin
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