. Grundlagenforschung

So wichtig sind Schilddrüsenhormone fürs Gehirn

Die Schilddrüse steuert zahlreiche Körperfunktionen. Auch für das Gedächtnis ist die Hormondrüse enorm wichtig. Forscher konnten nun zeigen, dass Schilddrüsenhormone bei der Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn eine größere Rolle spielen als bislang gedacht.
Zu wenige Schilddrüsenhormone haben merkliche Auswirkungen auf Gedächtnis

Zu wenige Schilddrüsenhormone haben merkliche Auswirkungen auf Gedächtnis

Wie wichtig die Schilddrüse ist, merkt man erst, wenn sie nicht richtig funktioniert. Werden nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert, hat das spürbare Folgen. Betroffene fühlen sich müde, abgeschlagen oder depressiv und können oft keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Die verringerte kognitive Leistung hängt stark davon ab, ob im Hippocampus, unserem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen (Neuronen) gebildet werden. Und hierbei scheint die Schilddrüse eine größere Rolle zu spielen, als bislang gedacht. Das konnten Forscher der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der University of Edinburgh jetzt zeigen.

Neue Nervenzellen im Gehirn

Das Forscherteam um den Hormonspezialisten Dr. Steffen Mayerl von der UDE untersuchte den Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen und der Bildung neuer Neuronen. Vor allem deren Vorläuferzellen, die von ansässigen Stammzellen im Hippocampus produziert werden, nahm das Team in den Blick. „Wir konnten zeigen, dass diese progenitor cells verstärkt einen Transporter bilden, der die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen vorantreibt. Dadurch werden Reifungsprozesse hin zu neuen funktionsfähigen Nervenzellen in Gang gebracht“, erläutert Mayerl. Damit förderten Schilddrüsenhormone unmittelbar die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns.

 

Aussicht auf neue Therapien?

Mayerls Grundlagenforschungsarbeiten werden von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2017 gefördert. „Die Ergebnisse liefern neben wichtigen Grundlagenerkenntnissen auch neue Ansatzpunkte, wie die geistige Leistungsfähigkeit mithilfe der Medizin verbessert werden kann“, verspricht der Hormonexperten. Künftig will er mit seiner Forschungsgruppe untersuchen, ob und wie Schilddrüsenhormone die Neuronenbildung zusätzlich beeinflussen.

In Deutschland leidet etwa jeder dritte Erwachsene an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Erhöhte TSH-Werte (Thyreoidea stimulierendes Hormon) im Blut können ein frühes Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Ab einem TSH-Wert über 10mU/l gelten betroffene als behandlungsbedürftig.

Foto: © Adobe Stock/Zoriana

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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