Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
25.04.2020

So wichtig sind Schilddrüsenhormone fürs Gehirn

Die Schilddrüse steuert zahlreiche Körperfunktionen. Auch für das Gedächtnis ist die Hormondrüse enorm wichtig. Forscher konnten nun zeigen, dass Schilddrüsenhormone bei der Bildung neuer Nervenzellen im Gehirn eine größere Rolle spielen als bislang gedacht.
Zu wenige Schilddrüsenhormone haben merkliche Auswirkungen auf Gedächtnis

Zu wenige Schilddrüsenhormone haben merkliche Auswirkungen auf Gedächtnis

Wie wichtig die Schilddrüse ist, merkt man erst, wenn sie nicht richtig funktioniert. Werden nicht ausreichend Schilddrüsenhormone produziert, hat das spürbare Folgen. Betroffene fühlen sich müde, abgeschlagen oder depressiv und können oft keinen klaren Gedanken mehr fassen.

Die verringerte kognitive Leistung hängt stark davon ab, ob im Hippocampus, unserem Lern- und Gedächtniszentrum, neue Nervenzellen (Neuronen) gebildet werden. Und hierbei scheint die Schilddrüse eine größere Rolle zu spielen, als bislang gedacht. Das konnten Forscher der Universität Duisburg-Essen (UDE) und der University of Edinburgh jetzt zeigen.

Neue Nervenzellen im Gehirn

Das Forscherteam um den Hormonspezialisten Dr. Steffen Mayerl von der UDE untersuchte den Zusammenhang zwischen der Ausschüttung von Schilddrüsenhormonen und der Bildung neuer Neuronen. Vor allem deren Vorläuferzellen, die von ansässigen Stammzellen im Hippocampus produziert werden, nahm das Team in den Blick. „Wir konnten zeigen, dass diese progenitor cells verstärkt einen Transporter bilden, der die Aufnahme von Schilddrüsenhormonen vorantreibt. Dadurch werden Reifungsprozesse hin zu neuen funktionsfähigen Nervenzellen in Gang gebracht“, erläutert Mayerl. Damit förderten Schilddrüsenhormone unmittelbar die Bildung von Nervenzellen im Lern- und Gedächtniszentrum des Gehirns.

 

Aussicht auf neue Therapien?

Mayerls Grundlagenforschungsarbeiten werden von der Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit 2017 gefördert. „Die Ergebnisse liefern neben wichtigen Grundlagenerkenntnissen auch neue Ansatzpunkte, wie die geistige Leistungsfähigkeit mithilfe der Medizin verbessert werden kann“, verspricht der Hormonexperten. Künftig will er mit seiner Forschungsgruppe untersuchen, ob und wie Schilddrüsenhormone die Neuronenbildung zusätzlich beeinflussen.

In Deutschland leidet etwa jeder dritte Erwachsene an einer Über- oder Unterfunktion der Schilddrüse. Erhöhte TSH-Werte (Thyreoidea stimulierendes Hormon) im Blut können ein frühes Anzeichen für eine Schilddrüsenunterfunktion sein. Ab einem TSH-Wert über 10mU/l gelten betroffene als behandlungsbedürftig.

Foto: © Adobe Stock/Zoriana

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Schilddrüse
 

Weitere Nachrichten zum Thema Schilddrüse

24.04.2016, aktualisiert: 23.01.2020

Allerweltsymptome wie Müdigkeit, Gewichtszunahme oder Verstopfung können Anzeichen einer Schilddrüsenunterfunktion sein. Auch Kinder können daran leiden. Der Mangel an Schilddrüsenhormonen kann zu bleibenden Schäden am Herzen oder zu Halluzinationen führen und gehört deshalb unbedingt behandelt.

Aktuelle Nachrichten

Mehr zum Thema
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
 
Weitere Nachrichten
Frust-Essen, mehr Alkohol, unfreiwillige Häuslichkeit, weniger Bewegung: Die COVID-19-Pandemie hinterlässt auch bei Gesunden ihre Spuren. 43 Prozent der Verbraucher haben zugenommen – um 5,5 Kilo im Schnitt. Bei jedem Siebten sind es sogar 10 Kilo oder mehr. Das zeigt eine INSA-Umfrage des rbb für sein Sendegebiet Berlin/Brandenburg.

Der sogenannte Bauernhof-Schutz gegen Allergien ist schon länger bekannt. Mit Beta-Laktoglobulin wurde ein Kuhmilch-Protein identifiziert, dass vor allem dafür verantwortlich ist. Das gibt es nun als Lutschtablette.

 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin