Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 
16.11.2018

So viele Krankheitserreger stecken in Fleisch und Wurst

Listerien, EHEC-Erreger, Campylobacter – in Fleisch und Wurstprodukten stecken jede Menge Krankheitserreger. Das Zoonosen-Monitoring 2017 zieht eine unappetitliche Bilanz. Dabei wurden nur Stichproben ausgewertet. Die Wahrheit könnte noch viel schlimmer sein.
Wurst, Fleisch, Keime

Zoonosen Monitoring: Wurst ist eine Infektionsquelle

Es gibt viele Gründe kein Fleisch zu essen. Einer davon ist das Zoonosen-Monitoring, das das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) alle zwei Jahre vorlegt. Soeben wurde der Bericht für 2017 veröffentlicht. Danach haben die Überwachungsbehörden der Bundesländer in fast 7.000 Fleisch-und Wurstproben etliche Krankheitserreger gefunden, etwa Listerien, den EHEC-Erreger oder Campylobacter. Auch eine hohe Anzahl antibiotikaresistenter Keime war darunter. Da es sich lediglich um Stichproben handelt, könnte die Wahrheit noch viel schlimmer aussehen.

Streichwurst eine Gefahr für kleine Kinder

Listerien( Listeria monocytogenes) tummeln sich vor allem Mettwurst und Teewurst. 12,2 Prozent der Streichwurst-Proben waren mit den Bakterien  kontaminiert. In zwei Proben wurden Keimgehalte an Listeria monocytogenes gemessen, die eine potenzielle Gesundheitsgefahr für den Menschen darstellen, teilt das BVL mit. Ein Sprecher: "Die Ergebnisse machen deutlich, dass streichfähige Rohwürste ein Risiko für eine Infektion des Menschen mit Listeria monocytogenes darstellen und somit von empfindlichen Verbrauchergruppen wie Kleinkindern, älteren und immungeschwächten Menschen sowie Schwangeren nicht verzehrt werden sollten.“

Infektionen mit Listerien treten im Vergleich zu Salmonellen- und Campylobacter-Infektionen seltener auf, aufgrund der Schwere der Erkrankung, die sie auslösen können, sind diese Lebensmittelkeime aber eine besondere Gefahr für Verbraucher. 

 

Jede zweite Probe Hühnerfleisch mit Campylobacter kontaminiert

Hühnerfleisch birgt weitere Gefahren: In jeder zweiten Frischfleischrobe wurden Campylobacter nachgewiesen. Alarmierend ist, dass dies schon seit Jahren so ist und nichts geschieht. Salmonellen sind dagegen in Schweinehack und anderem Schweinefleisch rückläufig, wie der Bericht zeigt. „Nur“ noch drei Prozent der untersuchten Schweineschlachtkörper waren mit Salmonellen infiziert.

EHEC-Erreger im Tartar

Bakterien, die beim Menschen EHEC auslösen können, sogenannte Shigatoxin-/verotoxinbildende E. coli (STEC/VTEC) wurde vor allem bei Rehen und Rindern gefunden. 40 bzw. 30 Prozent der Stichproben waren mit STEC/VTEC kontaminiert.

In Proben von Tatar/Schabefleisch wurden STEC/VTEC zu 3,5 Prozent nachgewiesen. Damit stelle Tatar ein Vehikel für die Übertragung von STEC/VTEC auf den Menschen dar, was aufgrund des üblichen Rohverzehrs von Schabefleisch besonders problematisch sei, so das BVL.

Streichfähige Rohwürste stellen ebenso eine mögliche Ansteckungsquelle für den Menschen mit STEC/VTEC dar: 1,7 Prozent der untersuchten Proben waren positiv für STEC/VTEC.

EHEC können Darmentzündungen hervorrufen, die lebensbedrohlich sein können. Insbesondere bei Kindern kann eine Infektion mit STEC/VTEC zur Ausbildung eines hämolytisch-urämischen Syndroms (HUS) führen, das unter anderem mit einem akuten Nierenversagen einhergeht.

Schweine besonders mit antibiotikaresistenten Keimen belastet

Wie sieht es mit multiresistenten Keimen aus? Die Ergebnisse der Antibiotikaresistenzuntersuchungen zeigen, dass sich der Anteil resistenter E. coli-Isolate bei Mastschweinen im Vergleich zum Zoonosen-Monitoring 2015 eher verringert hat, während bei Bakterien, die von Mastkälbern/Jungrindern stammen, keine Verbesserungen beobachtet wurden. Auch die Nachweisrate von ESBL/AmpC-bildenden E. coli im Blinddarminhalt von Mastkälbern und Jungrindern am Schlachthof ist mit 68,0 Prozent erneut sehr hoch und gegenüber dem Zoonosen-Monitoring 2015, in dem 60,6 Prozent der Proben positiv für ESBL/AmpC-bildende E. coli waren, sogar noch gestiegen. Bei Salmonella-Isolaten aus der Lebensmittelkette Mastschweine traten vereinzelt Resistenzen gegenüber Fluorchinolonen (Ciprofloxacin), Cephalosporinen der dritten  Generation und Colistin auf.

Dies müsse weiter beobachtet werden, da es sich hierbei um kritische wichtige Antibiotika mit höchster Priorität für die Humanmedizin handelt, so das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Zoonosen sind Infektionen, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden. Zoonoseerreger können von Nutztieren zum Beispiel während der Schlachtung und Weiterverarbeitung auf das Fleisch übertragen werden. Mit Zoonoseerregern kontaminierte Lebensmittel stellen eine wichtige Infektionsquelle für den Menschen dar.

Foto: Pixabay

Autor: ham
 

Weitere Nachrichten zum Thema Lebensmittelkeime

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten
Alkohol kann im weiblichen Körper schneller Schäden anrichten als im männlichen. Darauf weist die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) anlässlich des Internationalen Frauentags am 8. März hin. So kommt es bei Frauen leichter zu alkoholbedingten Leberschäden. Als besonders schädlich gilt auch das Trinken in der Schwangerschaft.


Ältere Menschen haben oft mehrere Krankheiten und nehmen deshalb fünf und mehr Medikamente gleichzeitig ein. Oft hat aber keiner den Überblick, ob diese Mittel sich auch vertragen. Die Folge: Bis zu 30 Prozent der Krankenhauseinweisungen bei Senioren sind auf unerwünschte Arzneimittelwirkungen zurückzuführen. Darauf weist die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) hin.
 
Interviews
Wegen Corona suchen Patienten mit psychischen Erkrankungen oft erst spät Hilfe. Auch der Wiedereinstieg in den Alltag ist häufig erschwert. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Chefarzt der Psychiatrisch-Psychosomatischen Tagesklinik Waldfriede Dr. med. Herald Hopf darüber gesprochen, wie sich die COVID-19-Pandemie auf die Psyche auswirkt und welche Veränderungen im klinischen Alltag zu bemerken sind.

Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.

Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin