. BGW-Befragung junger Angestellter in Krankenhäusern

So ungesund ist die Arbeit im Krankenhaus

Leistung und Belohnung stehen bei der Arbeit im Krankenhaus in keinem ausgewogenen Verhältnis. Das hat die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege bei einer Befragung junger Angestellter in Krankenhäusern festgestellt.
Arbeit im Krankenhaus belastet stark

Operationssaal im Krankenhaus: Wer dort arbeitet ist psychisch oft stark belastet.

Die Studie, an der sich 205 junge Pflegekräfte und 855 junge Ärzte und Ärztinnen beteiligt haben, wurde beim Hauptstadtkongress Gesundheit und Medizin in Berlin Anfang Juni exklusiv vorgestellt. Sie bildet im Auftrag der Unfallversicherung durch die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW) das Gesundheitsgefährdungspotenzial der Arbeit im Krankenhaus als junge Ärztin oder junge Pflegekraft ab. 62 Prozent der Befragten sind weiblich, 76 Prozent haben einen befristeten Arbeitsvertrag und 86 Prozent arbeiten Vollzeit.

Zur Stressmessung setzte die Studie das Instrument der Effort-Reward-Imbalance (ERI) ein, das das subjektive Empfinden des Verhältnisses von Aufwand und Ertrag der Arbeit erfasst. Dazu erhob die Befragung unter anderem Angaben zum Arbeitstempo, zur Beanspruchung hinsichtlich Energie und Zeit, zu Führungsqualität, Vorhersehbarkeit der Arbeit, dem allgemeinen Gesundheitszustand, Arbeitszufriedenheit, Burnout und Gedanken an einen Berufswechsel. 

Junge Ärzte und Pflegekräfte fühlen sich ungerecht behandelt

Im Ergebnis zeigte sich, dass nur 20 Prozent der jungen Angestellten im Krankenhaus das Gefühl haben, dass Aufwand und Ertrag der Arbeit stimmen. „Das ist sehr wenig“, sagte Studienleiter Professor Albert Nienhaus von der BGW Forschungsabteilung.

„Dieses Empfinden, nicht gerecht behandelt zu werden, hat Auswirkungen auf die Gesundheit“, sagte Nienhaus. Er stellte einen weiteren Zusammenhang fest: „Wer mit seiner Situation unzufrieden ist, hat auch das Gefühl, dass die Versorgung schlechter ist. Wenn dieser Zusammenhang sich bestätigen sollte, wäre das ein schlechtes Signal“ sagte Nienhaus beim Deutschen Ärzteforum im Rahmen des Hauptstadtkongresses.

 

Viele Gewalt-Erfahrungen bei der Arbeit im Krankenhaus

Überrascht zeigte er sich davon, wie häufig junge Ärzte und Pflegekräfte bei ihrer Arbeit mit Gewalt konfrontiert werden. Jeder dritte junge Arzt erfährt der Umfrage zufolge mehr als drei Mal pro Jahr körperliche Angriffe. Pflegekräfte sind noch deutlich mehr körperlichen Attacken ausgesetzt. Von den Pflegekräften auf Intensivstationen berichteten 87 Prozent, dass sie mindestens vier Mal pro Jahr angegriffen werden, in Notaufnahmen sind es 84 Prozent und auf Normalstationen 66 Prozent.

Nienhaus zufolge haben diese Gewalterfahrungen unmittelbare Auswirkungen auf die Gesundheit: Der allgemeine Gesundheitszustand ist bei Pflegekräften und Ärzten nach Gewalterfahrungen schlechter als bei anderen, das Burnoutrisiko steigt. „Es führt auch zu Gedanken, aus dem Beruf auszusteigen“, sagte Nienhaus.

Die BGW hat nun eine Broschüre zur Gefährdungsbeurteilung der psychischen Belastung bei der Arbeit in Kliniken entwickelt. Sie unterstützt Krankenhäuser auch dabei, diese Gefährdungsanalysen vorzunehmen und Konsequenzen zu diskutieren.

Foto: marog-pixcells – fotolia.com

Autor: Angela Mißlbeck
Hauptkategorie: Gesundheitspolitik
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Pflege , Ärzte , Krankenhäuser , Arbeitsbelastung
 

Weitere Nachrichten zum Thema Arbeit im Krankenhaus

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Mehr als vier Millionen Menschen in Deutschland leiden an Rosacea. Die chronische Hautkrankheit belastet das Privat- wie das Berufsleben der Betroffenen viel stärker als bisher angenommen. Eine weltweite Umfrage unter Ärzten und Patienten bringt jetzt Licht in den Alltag mit Rosacea.
Digitale Innovationen ans Krankenbett bringen: Alexander Meyer vom Deutschen Herzzentrum Berlin ist das gelungen - dank des BIH Digital Health Accelerator-Programms. Am Dienstag ging die „Talentshow“ für digitale Ideen in die zweite Runde.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender
 
. Interviews
Die akute Aortendissektion ist immer ein Notfall. Einer Studie zufolge könnte vielen Menschen das Leben gerettet werden, wenn sie rechtzeitig und adäquat behandelt werden würden. Gesundheitsstadt Berlin hat mit Dr. Stephan Kurz vom Deutschen Herzzentrum Berlin (DHZB) über die Versorgungssituation und das erfolgreiche Projekt „Aortentelefon“ gesprochen.
Dr. Iris Hauth, Chefärztin des Alexianer St. Joseph-Krankenhauses für Neurologie, Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik in Berlin-Weißensee, berichtet in Ihrem Buch "Keine Angst!" über Ursachen und Behandlung von Depressionen - und wie man sich davor schützen kann.