. Studie aus Dresden

So tückisch sind Lebermetastasen bei Darmkrebs

Lebermetastasen bei Darmkrebs haben das Potenzial, intakte Tumorzellen in die Blutbahn zu streuen und so weitere Metastasen in anderen Organen zu erzeugen. Das konnten Forscher aus Dresden an über 100 Darmkrebspatienten zeigen.
 Darmkrebs: Lebermetasen streuen Tumorzellen ins Blut, die wiederum andere Organe befallen können

Darmkrebs: Lebermetasen streuen Tumorzellen ins Blut, die wiederum andere Organe befallen können

Wenn Darmkrebs zu spät entdeckt wird, hat er oft schon Metastasen gestreut. Meist ist zunächst die Leber betroffen und eine Heilung ist dann in der Regel nicht mehr möglich. Nicht der Dickdarmkrebs selbst, sondern seine Metastasen führen schließlich zum Tod.

Wie heimtückisch Lebermetastasen sind, konnten Wissenschaftler vom Universitätsklinikum Dresden jetzt in einer Studie mit mehr als 100 Patienten zeigen: Demnach sind Lebermetastasen in der Lage, intakte Tumorzellen in die Blutbahn zu streuen. Die Wissenschaftler halten es für sehr wahrscheinlich, dass diese Streuung dann zu weiteren Fernmetastasen etwa in der Lunge führt. Die Größe der durch einen Dickdarmkrebs gebildeten Lebermetastasen sei dabei entscheidend, ob von dieser Metastase Tumorzellen in die Blutbahn gestreut werden, berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Annals of Surgery”, wo die Studie vorab online publiziert wurde.

Lebermetastasen setzen weitere Tumorzellen frei

Um das Metastasierungsverhalten zu untersuchen, nahmen die Dresdner Ärzte den Patienten intraoperativ Blut aus verschiedenen Blutkompartimenten ab und untersuchten dies auf zirkulierende Tumorzellen vor und nach dem Durchfluss der Leber in Pfortader und Lebervene. Dadurch konnten sie aufzeigen, dass die Lebermetastasen selbst intakte Tumorzellen freisetzen, die ihrerseits auch Fähigkeiten einer metastasierenden Tumorzelle besitzen, und somit möglicherweise zur weiteren Metastasierung des ursprünglichen Darmkrebses beitragen können. Je größer die Lebermetastasen waren, desto mehr freigesetzte Tumorzellen fanden die Ärzte im Blut.

Nutzen von postoperativer Chemotherapie wird überprüft

Den Studienautoren zufolge sollten Ärzte aus den Erkenntnissen unmittelbare Konsequenzen ziehen: „Das spricht in unseren Augen für eine stärkere postoperative Überwachung von Patienten mit großen Lebermetastasen sowie – wegen des besonders hohen Risikos einer weiteren Streuung – gegebenenfalls für eine postoperative Chemotherapie“, unterstreicht PD Dr. Nuh Rahbari, Erstautor der Studie. Ob eine postoperative Chemotherapie bei großen Lebermetastasen einen Vorteil bringt, wollen die Wissenschaftler nun in einer Folgestudie untersuchen. Dort wollen die Ärzte auch herausfinden, ob sich das das Risiko für weitere Metastasen durch bestimmte Operationstechniken senken lässt.

Foto: © crevis - Fotolia.com

Hauptkategorie: Medizin

Weitere Nachrichten zum Thema Lebermetastasen

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

. Mehr zum Thema
. Weitere Nachrichten
Einer Studie zufolge könnte die Einnahme eines Probiotikums den Rückgang der Knochenmasse bei Frauen nach der Menopause verlangsamen. Eine Erklärung für den Wirkmechanismus konnten die Studienautoren allerdings nicht finden.
. Fortbildungen Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

Praxis Dr. Becker, Wittenbergplatz 2, 10789 Berlin
. Termine Hauptstadtregion
loading...
Terminkalender

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1

St. Joseph Krankenhaus Berlin-Tempelhof, Wüsthoffstraße 15, 12101 Berlin, Konferenzraum1
. Kliniken
. Interviews
Prof. Dr. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, über die Grenzen der Schulmedizin, den Wildwuchs in der Naturheilkunde und warum sich beide Disziplinen gerade näherkommen.
Noch zu wenige Versicherte nehmen die Darmkrebsvorsorge wahr. Die AOK Nordost geht deshalb neue Wege. Stefanie Stoff-Ahnis, Mitglied der Geschäftsleitung der AOK Nordost und verantwortlich für das Ressort Versorgung, erläutert das Engagement, das soeben mit dem Felix Burda Award ausgezeichnet wurde.