Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
Logo Gesundheitsstadt Berlin
Das Gesundheitsportal aus der Hauptstadt
 

So schlecht schützt die Corona-Impfung vor Omikron

Montag, 13. Dezember 2021 – Autor:
Eine aktuelle Arbeit aus Frankfurt zeigt: Ohne Booster sind Geimpfte praktisch nicht vor Omikron geschützt. Der Vorschlag Karl Lauterbachs, auf die dritte Impfung zu setzen, ist trotzdem eine fragwürdige Idee.
Die jetzigen Corona-Impfstoffe können Infektionen mit Omikron praktisch nicht verhindern

Die jetzigen Corona-Impfstoffe können Infektionen mit Omikron praktisch nicht verhindern – Foto: © Adobe Stock/ yalcinsonat

Die Coronavirus-Mutante Omikron wurde vor zweieinhalb Wochen erstmals in Südafrika entdeckt. Dort wurde vor Kurzem in einer aktuellen Arbeit mit Tausenden Genesen gezeigt, dass die Antikörperantwort gegen Omikron um bis zu 42-fach reduziert ist. Omikron kann also sehr leicht den natürlichen Immunschutz durchbrechen.

Arbeit aus Frankfurt: Omikron durchbricht Impfschutz

Eine weitere und sehr aufwändige Arbeit von Sandra Ciesek aus Frankfurt am Main hat Ähnliches nun für den Impfschutz gezeigt. Die Virologen bestimmten die neutralisierenden Antikörper in Blutproben von Personen, die entweder zweimal mit Biontech, zweimal mit Moderna oder einmal mit AstraZeneca plus einmal Biontech geimpft wurden. Ein zentrales Ergebnis: Lag die Impfung sechs Monate zurück, fand Null Neutralisation bei Omikron statt.

Beide Studien deuten darauf hin, dass Omikron tatsächlich die erste Immunescape-Variante ist. Das heißt, sie sieht für das Immunsystem doch anders aus als Delta und die vorherigen Varianten.

Laut dem Virologen und Epidemiologen Alexander Kekulé bedeuten die Frankfurter Ergebnisse übersetzt, dass der Impfschutz gegenüber Delta um rund das zehnfache abgefallen ist. „Das ist auf jeden Fall so schlecht, dass man nicht mehr davon ausgehen kann, dass das ein guter Schutz ist“, sagte er im MDR Podcast am Donnerstag.

 

Booster verbessert Antikörperantwort gegen Omikron

Bei frisch geboosterten Personen war die Antikörperantwort deutlich besser. Etwa 60 Prozent hatten 14 Tage nach der dritten Impfung nachweisbare Antikörper gegen Omikron im Blut. Ähnlich sah es bei Genesenen und einmal Geimpften aus. „Nachweisbar heißt leider nicht, dass die dann auch genug sind, um zu schützen. Aber: Da ist zumindest etwas passiert. Da ist das Immunsystem nicht völlig naiv bezüglich dieses Virus“, erläutert Kekulé den Fund aus dem Ciesek-Labor.

Booster schützt nur für kurze Zeit

Andererseits weiß man, dass der Booster nur einen Kurzzeiteffekt hat. Bei Delta kann der verbleibende Impfschutz schwere Verläufe größtenteils noch verhindern. Doch bei Omikron ist die Fallhöhe eine andere. Nach den Labordaten aus Frankfurt sinkt der Impfschutz nach drei Monaten bei Omikron von 60 auf 25 Prozent ab, bei Delta von 100 auf 95 Prozent. Mit Impfschutz sind hier neutralisierende Antikörper gemeint, die Prozentzahlen beziehen sich auf die Zahl der Personen.

Dreiviertel der Bevölkerung wären demnach zwölf Wochen nach der dritten Corona-Impfung nicht vor Omikron geschützt. Es sei fraglich, ob dann überhaupt noch ein Schutz vorhanden sei, insbesondere, wenn man an ältere Menschen denke. „Da würde ich ein Fragezeichen dran machen, ganz ehrlich gesagt.“

Lauterbach plädiert für Booster

Der neue Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach scheint die Zweifel nicht zu teilen. Erklärte er doch angesichts der Studienergebnisse zu Omikron, die Impfung sei nur abgeschlossen, wenn man dreimal geimpft wurde. Das würde de facto bedeuten: 2G nur noch für dreifach Geimpfte. Alexander Kekulé hält von Lauterbachs Vorstoß wenig und macht dies an einem Beispiel deutlich: „Wenn ein Medikament halt immer schlechter wirkt, dann zu sagen: Ihr müsst noch mehr davon nehmen, damit ihr gewisse Qualifikationen erfüllt. Das ist, glaube ich, der falsche Weg.“

Der richtige Weg ist seiner Ansicht nach, die Impfstoffe an Omikron anzupassen. Mit den jetzigen Vakzinen seien Infektionen mit Omikron nicht zu verhindern, sagte er. „Da ist der Zug abgefahren.“

Hauptkategorien: Corona , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Coronavirus , Impfen
 

Weitere Nachrichten zum Thema Mutante Omikron

 

Aktuelle Nachrichten

 
Weitere Nachrichten


Zeitdruck, eine Abfuhr vom Chef, ständige Ablenkung: Im Berufsleben gibt es viele Faktoren, die Stress auslösen. Psychologen der Universität des Saarlandes konnten jetzt diesen Alltagsstress tatsächlich messen: anhand der Veränderungen in der Stimme.
 
Kliniken
Interviews
Zöliakie kann in jedem Lebensalter auftreten und ein buntes Bild an Beschwerden machen. Bislang ist das wirksamste Gegenmittel eine glutenfreie Ernährung. Gesundheitsstadt Berlin hat mit PD Dr. Michael Schumann über die Auslöser und Folgen der Autoimmunerkrankung gesprochen. Der Gastroenterologe von der Charité hat an der aktuellen S2K-Leitinie „Zöliakie“ mitgewirkt und weiß, wodurch sich die Zöliakie von anderen Glutenunverträglichkeiten unterscheidet.

Aducanumab ist das erste in den USA zugelassene Medikament, das die Alzheimer typischen Amyloid-Plaques zum Verschwinden bringt. Aber kann der neue monoklonale Antikörper mit dem Handelsnamen Aduhelm auch den Gedächtnisverlust stoppen? Und warum ist die Notfallzulassung in den USA durch die US-Food and Drug Administration (FDA) so umstritten? Darüber hat Gesundheitsstadt Berlin mit dem Neurologen und Alzheimer-Experten Prof. Johannes Levin vom LMU Klinikum München gesprochen.

Chronische Fatigue gehört zu den häufigen Langzeitfolgen einer Covid-Infektion. Oft bessert sich der zermürbende Erschöpfungszustand nach einigen Wochen oder Monaten von allein. Doch einige Patienten entwickeln das Vollbild einer myalgischen Enzephalopathie/ Chronisches Fatigue Syndrom (ME/CFS). Gesundheitsstadt Berlin hat mit Professor Carmen Scheibenbogen von der Charité über die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten des schweren Krankheitsbilds gesprochen.
Logo Gesundheitsstadt Berlin