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So machen sich Durchblutungsstörungen der Beine bemerkbar

Durchblutungsstörungen der Beine werden oft viel zu spät erkannt. Dabei gibt es eindeutige Frühwarnzeichen, die sich vom Wadenkrampf aufgrund eines Magnesium-Mangels deutlich unterscheiden. Daran lässt sich die Schaufensterkrankheit erkennen.
Nach 200 Metern geht nichts mehr: Menschen mit Durchblutungsstörungen der Beine müssen wegen Schmerzen immer wieder stehen bleiben

Nach 200 Metern geht nichts mehr: Menschen mit Durchblutungsstörungen der Beine müssen wegen Schmerzen immer wieder stehen bleiben

In Deutschland leiden etwa acht Millionen Menschen an einer Durchblutungsstörung der Beine. Die sogenannte  periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) wird aber oft viel zu spät erkannt. Unter anderem, weil sie zunächst mit einem gewöhnlichen Muskelkrampf verwechselt wird, wie er bei einem Magnesium-Mangel vorkommt. Doch die Einnahme von Magnesium wird keine Besserung bringen: Grund für die Schmerzen sind nämlich Engstellen in den Beingefäßen. Hierdurch kommt es zu einem Sauerstoffmangel in der Muskulatur, der sich ähnlich wie ein Wadenkrampf oder Muskelkater anfühlt. Da der Schmerz die Betroffenen zum Stehenbleiben zwingt – so, als wollten sie die Auslagen in Schaufenstern betrachten – wird die Erkrankung auch Schaufensterkrankheit genannt.

Typisch ist ein Schmerz von unten nach oben

Die wichtigsten Unterscheidungskriterien zu anderen Ursachen erläutert Professor Dr. med. Dittmar Böckler von der Deutschen Gesellschaft für Gefäßmedizin (DDG). „Typischerweise zieht der Schmerz bei der pAVK von unten nach oben, also von der Wade in den Oberschenkel“, erläutert der Gefäßmediziner vom Universitätsklinikum Heidelberg. „Er setzt erst nach längerer Laufstrecke von etwa 200 Metern ein und hört auf, wenn man stehen bleibt – ein Phänomen, das sich wiederholt.“

Im Gegensatz dazu äußern sich Schäden an Knie- oder Hüftgelenken vor allem beim Anlaufen. Eine Person mit Arthrose hat zum Beispiel Probleme, nach längerem Sitzen aufzustehen und loszulaufen. Erst wenn eine bestimmte Gehstrecke zurückgelegt ist, verschwinden die Schmerzen. Auch ein eingeklemmter Ischiasnerv macht andere Symptome als die pAVK. „Hier zieht der Schmerz typischerweise von oben aus dem Gesäß heraus nach unten ins Bein“, erläutert Gefäßspezialist Böckler.

 

Chronische Wunden in fortgeschrittenen Stadien

Weitere Unterscheidungsmerkmale treten bei einer fortgeschrittenen Schaufensterkrankheit auf: Die Beine sind kalt, die Füße fühlen sich pelzig an und es können hartnäckige kleine Wunden an Füßen oder Unterschenkeln auftreten, die nach drei bis vier Wochen noch nicht abgeheilt sind.

„Wer solche Symptome an sich feststellt, sollte seinen Hausarzt darauf ansprechen“, sagt Böckler. Der Arzt wird zunächst die Pulse an Leiste, Kniekehle und Fuß tasten und dann eine Doppler-Druckmessung mittels Ultraschall durchführen. Wie beim Blutdruckmessen werden dem Patienten hierbei Manschetten um die Arme und Fußknöchel gelegt. Damit wird der sogenannte Knöchel-Arm-Index (ABI) bestimmt. Bei Gesunden liegt der ABI-Index-Wert zwischen 0,9 bis 1,3. Bei einem ABI-Wert unter 0,9 ist der Patient an pAVK erkrankt.

Raucherbeine können gerettet werden

„Ab diesem Zeitpunkt sollten sich Betroffene an Gefäßchirurgen und Gefäßmediziner wenden“, rät der DGG-Präsident. Je nach Krankheitsstadium werden zunächst ein Geh-Training und blutverdünnende Medikamente verordnet. In späteren Krankheitsstadien werden Gefäßmediziner einen Eingriff mit einem Ballon-Katheter vornehmen, um die verengten Gefäße aufzudehnen und Stents zu implantieren. Alternativ kann auch Bypass gelegt werden. In ganz späten Stadien, das sich durch Schwarzfärbung von Zehen oder Füßen zeigt, kann nur noch eine Amputation das Leben der Patienten retten.

Deshalb ist es so wichtig die Frühwarnzeichen zu beachten. Patienten mit pAVK haben außerdem ein erhöhtes Risiko für weitere Komplikationen: 70 Prozent der pAVK-Patienten erleiden langfristig einen Herzinfarkt, weitere fünf Prozent einen Schlaganfall. „Der Mechanismus ist nämlich der gleiche, die Gefäße sind verstopft“, erklärt Böckler.

Besonders gefährdet für Durchblutungsstörungen der Beine sind Männer, Personen ab 60 Jahren sowie mit Diabetes, Übergewicht oder Bluthochdruck. Raucher – auch ehemalige -  haben ein besonders hohes Risiko. Daher wird die Erkrankung auch Raucherbein genannt.

© Adobe Stock/WavebreakMediaMicro

Autor: ham
Hauptkategorie: Medizin
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