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11.06.2019

So lassen sich Folgen des Diabetischen Fußsyndroms vermeiden

Füße sind die Achillesferse von Diabetikern. Ein täglicher Kontrollblick und viel Pflege schützen am besten vor chronischen Wunden und anderen den schwerwiegenden Folgen des diabetischen Fußsyndroms. Experten haben Tipps für Diabetiker zusammengestellt.
Diabetikerfüße, Komplikationen vermeiden

Diabetikerfüße sind stark gefährdet. Podologen unterstützen bei der Fußpflege

Menschen mit Diabetes haben ein hohes Risiko, ein diabetisches Fußsyndrom zu entwickeln. Denn infolge einer langjährig veränderten Stoffwechsellage, die wiederum durch den erhöhten Blutzuckerspiegel bedingt ist, kommt es auch zu Veränderungen des Fußes: Nerven, Blutgefäße, Muskeln, Bänder und selbst Knochen sind davon betroffen.

Die Füße werden schnell trocken und rissig und sind damit anfällig für Verletzungen, die Wundheilung ist aufgrund von Durchblutungsstörungen gestört. Zudem kommt es aufgrund von Nervenschädigungen (Polyneuropathie) zum Verlust der Schmerzempfindlichkeit: Beispielsweise wird ein schmerzendes Steinchen im Schuh nicht wahrgenommen und kann den Fuß wund scheuern. „Die fehlende Hautempfindlichkeit muss daher durch einen Kontrollblick ausgeglichen werden“, sagt Dr. Jörn Dohle, Experte für das Diabetische Fußsyndrom bei der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU).

Tägliche Kontrolle und Pflege der Füße

Neben der täglichen Selbstuntersuchung der Füße, dies kann auch von Angehörigen oder einem Pflegedienst übernommen werden, sollten Diabetiker auf richtiges Schuhwerk mit einer geeigneten Fußbettung achten. Die Füße sollten zudem täglich gewaschen und gut eingecremt werden, raten Experten. Denn die Haut ist bei Diabetikern spröde. Auf Barfußlaufen sollte wegen der Verletzungsgefahr verzichtet werden. Zu Hause also Hausschuhe tragen

„Die Früherkennung von Auffälligkeiten ist entscheidend für eine gute Heilung. Diabetiker sollten kleinste Hautrisse, Verletzungen und Druckstellen am Fuß daher frühzeitig einem Spezialisten vorstellen“, sagt DGOU-Vizepräsident Prof. Carsten Perka von der Charité.

 

Umgehend Behandlung einleiten

Kleine Verletzungen oder eine beginnende Entzündung am Fuß sollten umgehend behandelt werden. „Leichte Defekte können sich schnell zu chronischen Wunden entwickeln, wenn sie nicht frühzeitig behandelt werden“, warnt Dr. Tanja Kostuj, ebenfalls von der DGOU.  So entstünden Geschwüre, bei denen sich das umliegende Gewebe entzündet und abstirbt.

Schlimmstenfalls müssen Zehen, Teile des Fußes oder sogar der gesamte Unterschenkel amputiert werden. „Im Frühstadium lassen sich diese Wunden jedoch noch gut behandeln“, weiß Kostuji.

Charcotfuß ist Folge von Nerven- und Durchblutungsstörungen

Der Charcotfuß ist eine weitere Komplikation des diabetischen Fußes: Anfangs gleicht er einer Entzündung, jedoch verlieren die Fußknochen an Stabilität und können schon bei normaler Belastung einbrechen und die gesamte Fußstatik zerstören. Unbehandelt kommt es zur Verformung des Fußes, die wiederum zu massiven Druckstellen und Geschwüren mit bakteriellen Entzündungen führt. Darum ist auch hier die Früherkennung extrem wichtig.

Viele Patienten mit einem diabetischen Fußsyndrom gehen jedoch erst zum Arzt, wenn sie ernsthafte Beschwerden haben und werden dann häufig zu spät zum Spezialisten überwiesen, warnen die Experten für das Diabetische Fußsyndrom von der DGOU.

Zahlen des Statistischen Bundesamts weisen für Deutschland jährlich rund 19.000 Amputationen des Ober- und Unterschenkels (Majoramputationen) aus und 44.0000 Amputationen des Fußes. In 39 Prozent der Fälle ist die Ursache Diabetes mellitus.

Die Tipps der DGOU auf einen Blick

  • Selbstuntersuchung: Diabetiker oder deren Angehörige sollten die Füße täglich nach Verletzungen, Druckstellen und Nagelveränderungen absuchen. Bei Schäden sollte unmittelbar ärztlicher Rat eingeholt werden, um das Ausbreiten von Entzündungen zu verhindern.
  • Fußpflege: Die Füße sollten täglich gewaschen und eingecremt werden. Auch die Pflege der Zehennägel gehört dazu, ggf. durch einen Fachmann. Der Strumpfwechsel und die Desinfektion der Schuhe von innen sollten täglich durchgeführt werden.
  • Schuhwerk: Diabetiker sollten nicht zu enges oder scheuerndes Schuhwerk tragen, damit es nicht zu Druckstellen oder Geschwüren kommt. Der Schuh sollte an den Zehen groß genug sein und keine innen liegenden Nähte haben. Vorteilhaft ist ein weiches, atmungsaktives Leder sowie keine oder eine weiche Vorderkappe. Bestehen bereits Nervenschäden (Polyneuropathie) oder Fußfehlstellungen sollte auf eine geeignete individuelle diabetikergerechte Weichbettung des Fußes geachtet werden.
  • Schuhwechsel: Diabetiker sollten zur Verminderung von Druckstellen öfter mal die Schuhe wechseln.
  • Sofort zum Arzt: Jede Schwellung am Fuß, kleinste Schäden an der Haut oder ein Pilzbefall sollten ärztlich untersucht werden.
  • Fußschutz: Barfußlaufen sollte wegen der Verletzungsgefahr ganz vermieden werden, insbesondere wenn bereits eine Nervenschädigung (Polyneuropathie) festgestellt wurde, d.h. der Schmerzreiz als natürlicher Schutz vor tiefergreifenden Verletzungen ausfällt.
  • Vorstellung in einer „Diabetischen Fußambulanz“: Bei bereits offenen und entzündeten Stellen am Fuß bzw. ausgeprägtem diabetischem Fußsyndrom sollte zügig eine Wundsanierung erfolgen, um einer Amputation entgegenzuwirken. Die Wundsanierung ist sehr anspruchsvoll und erfordert daher eine konzentrierte Zusammenarbeit mit Spezialisten verschiedener Fachgebiete. Dazu zählen: Diabetologen für die Optimierung der Blutzuckereinstellung, Radiologen für die Gefäßdiagnostik, Gefäßchirurgen für die Behandlung der Durchblutungsstörungen, Fußchirurgen für die operative Therapie, Neurologen sowie Orthopädieschuhtechniker zur Kontrolle der Schuhzurichtungen bzw. Orthesenversorgung. Diese Expertenteams sind regional unterschiedlich organisiert und etabliert.

Foto: piyabay 

Autor: ham
Hauptkategorien: Medizin , Prävention und Reha
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