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So kommen Kleinkinder gut durch die Sommerhitze

Donnerstag, 11. August 2022 – Autor:
Kinder sind keine kleinen Erwachsenen. Das zeigt sich auch in der Sommerhitze. Ihre Haut ist im Verhältnis zur Körpermasse doppelt so groß. Das macht sie anfällig für Flüssigkeitsverlust und bietet eine enorme Angriffsfläche für die Einwirkung von Sonne und Hitze.
Mama und Kleinkind im Sommer im Schatten eines Obstbaums.

Mit Sonnenhut im Schatten: Säuglinge und Kleinkinder kann man im Sommer gar nicht genug vor Hitze und Sonne schützen. – Foto: AdobeStock/skypictom

Zwei Altersgruppen innerhalb der Bevölkerung sind bei extremer Sommerhitze besonders gefährdet: die Ältesten, das wissen viele; aber genauso die Jüngsten. Der Grund: Der Körper von Säuglingen und Kleinkindern kann sich weniger gut an hohe Temperaturen anpassen als der von Erwachsenen. Ihre Haut ist ungleich empfindlicher – und zugleich ist sie im Verhältnis zur Körpermasse etwa doppelt so groß. Deshalb können kleine Kinder beispielsweise viel schneller Flüssigkeit verlieren. Und die relativ große Körperoberfläche ist zugleich eine enorme Angriffsfläche für Temperaturen und UV-Strahlung. Während einer sommerlichen Hitzewelle wie jetzt brauchen Kinder deshalb eine besondere Aufmerksamkeit – und eine ständige.

Sonnenstich, Hitzschlag, Sonnenbrand: Das kann Hitze bei Kindern anrichten

Bei Kindern kann es leichter zu einem der typischen Hitzenotfälle kommen: zu einem Sonnenstich (einer Überhitzung des Kopfs durch lange andauernde direkte Sonneneinstrahlung); zu einem Hitzschlag (einer Überhitzung des ganzen Körpers, weil ein Kind beispielsweise zu lange im verschlossenen Auto zurückgelassen wird); oder zu einer Hitzeerschöpfung durch Dehydrierung (gesundheitsgefährlicher Verlust von Wasser und Elektrolyten). Gefährlich außerdem: die UV-Strahlung der Sonne, gegen die die weiße Kinderhaut aufgrund fehlender Pigmente so gut wie schutzlos ist.

 

Bei Babys: Regelmäßig durch Fühlen Körpertemperatur prüfen

„Ist der Kopf rot, das Baby schwitzt, wird unruhig oder atmet schneller, ist es Zeit, für Abkühlung zu sorgen“, sagt der Düsseldorfer Kinder- und Jugendarzt Hermann Josef Kahl in der aktuellen Ausgabe des Apothekenmagazins „Baby und Familie". Konkret heißt das: Die Stirn mit einem feuchten, aber nicht eiskalten Tuch abtupfen, einen Ort mit Zimmertemperatur aufsuchen und an heißen Tagen alle fünf bis zehn Minuten prüfen, ob das Baby sehr warm ist. „Das geht am Ohrläppchen, an der Stirn oder im Nacken gut", sagt Kinderarzt Kahl.

Sechs nasse Windeln am Tag: Im Sommer ein gutes Zeichen

Wie alle anderen auch und obwohl sie so klein sind, brauchen auch Babys bei Hitze mehr Flüssigkeit. Bei Bedarf sollte man sie öfter anlegen oder das Fläschchen mit Pre-Milch geben, im Beikostalter können Fläschchenkinder an sehr heißen Tagen zusätzlich auch etwas Wasser bekommen. Sechs nasse Windeln am Tag sollten es sein, dann kann man sicher sein, dass das Baby genug Flüssigkeit erhält.

Wichtigste Regel: Babys niemals allein im Auto lassen

Die wichtigste Regel: im Auto das Baby niemals alleine lassen, auch nicht für ein paar Minuten oder mit geöffnetem Fenster. Während der Fahrt sollte das Auto bei einer Außentemperatur von 30 Grad aber auch nicht ins Eisige, sprich: nicht unter 22 Grad herunterklimatisiert werden. Denn Babys kühlen auch schneller aus.

Achtung bei Kindern mit (Vor-)Erkrankungen

Eltern von Kindern mit akuten oder chronischen Erkrankungen sollten besonders vorsichtig und aufmerksam sein. Denn Kinder mit Gesundheitsproblemen an Herz, Kreislauf, Atemwegen oder Lungen (zum Beispiel Asthma) reagieren besonders empfindlich auf große Hitze und hohe Ozonwerte. Durchfall und Erkrankungen des Nervensystems erhöhen die Gefahr einer Überhitzung und Austrocknung.

Warum Sonnenschutz besonders bei Babys so wichtig ist

Babyhaut ist völlig schutzlos gegenüber der UV-Strahlung der Sonne. Anders als bei Erwachsenen fehlt bei Babys noch der Eigenschutz der Haut (Pigmentierung, Hornschicht). Die Gefahr eines Sonnenbrands ist aus diesem Grund besonders groß. Und: Die Haut vergisst nicht. Experten zufolge erhöhen schwere Sonnenbrände in der Kindheit das Hautkrebs-Risiko im Erwachsenenalter um das Zwei- bis Dreifache.

Weil der natürliche Sonnenschutzfaktor in der Haut noch fehlt und Kinder in dieser Zeit noch keine Sonnencremes oder -lotionen vertragen, rät das Magazin „Baby und Familie" zu einer kompromisslosen Fürsorglichkeit: Kinder im ersten Lebensjahr nie in die direkte Sonne – nur in den Schatten. Im Kleinkindalter dann wird eine Sonnencreme mit Lichtschutzfaktor 50 und mineralischen Filtern empfohlen, die die UV-Strahlung reflektieren. Im Freibad und am Strand müssen Kinder vor Hitze und Sonnenstrahlung besonders geschützt werden (Kleider, Hut, Aufenthalt im Schatten, Sonnencreme).

Tipps für den Hitzeschutz bei Kindern

  • Wohnräume kühl halten, nur frühmorgens und nachts lüften.
  • Kinder regelmäßig (während Hitzewellen stündlich) auffordern, ein kleines Glas zu trinken. Kalorienarme und zuckerfreie Getränke sind dabei zu bevorzugen.
  • Hauttemperatur bei Säuglingen und Kleinkindern regelmäßig prüfen, bei Bedarf sanft kühlen (lauwarme Dusche, feuchte Tücher).
  • Kranke Kinder: Durchfall trocknet den Körper sehr rasch aus. Auf Ermattung, Müdigkeit, trockene Haut und Lippen achten. Lieber zu früh als zu spät zum Arzt.
  • Bei Kindern mit Asthma und anderen chronischen Krankheiten Maßnahmen mit dem Hausarzt absprechen.
  • Kinder müssen auch bei Hitzewellen nicht den ganzen Tag drinnen bleiben. Experten raten: Kinder in Wäldern und Parks mit dichtem Baumbestand spielen lassen, dort sind die Temperaturen erträglicher und die Ozonwerte tiefer.

 (Quelle: sprechzimmer.ch)

Hauptkategorie: Umwelt und Ernährung
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