. Gefäßleiden

So kann man Krampfadern vorbeugen

Venenerkrankungen sind eine Volkskrankheit. Sie nehmen durch den sitzenden Lebensstil zu. Wie man Krampfadern und Besenreisern vorbeugen kann, erklärt die Deutschen Venen-Liga zum Venentag 2017.
Krampfadern

Krampfadern vorbeugen kann man mit viel Bewegung - auch am Arbeitsplatz

Bei Krampfadern und Besenreisern ist der Rückfluss des Blutes zum Herzen gestört. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Die erbliche Veranlagung zu schwachem Bindegewebe, weibliche Hormone, Übergewicht und das Alter führen dazu, dass die Venenwände ausleieren. Dann schließen auch die Venenklappen nicht mehr richtig. Das Blut versackt in den Beinen.

Dadurch erweitern sich die oberflächlich verlaufenden Venen und treten hervor oder zeichnen sich deutlich unter der Haut ab. Bei Krampfadern sind größere, bei Besenreisern kleinste Venen betroffen. Die erweiterten Venen bilden sich nicht mehr von allein zurück.

Unbehandelte Krampfadern können zu Komplikationen führen

Während die kleineren Besenreiser eher ein kosmetisches Problem sind, können die Krampfadern Schweregefühl, Schmerzen und eine Schwellungsneigung der Beine verursachen. Durch das in den Venen gestaute Blut wird Flüssigkeit ins umliegende Gewebe gedrückt.

Unbehandelte Krampfadern können im weiteren Verlauf zu Komplikationen führen. Zum Beispiel zu Geschwüren, dem so genannten offenen Bein (Ulcus cruris). Sie erhöhen auch die Neigng, in den tiefer liegenden Venen eine Thrombose zu entwickeln. Dabei entwickelt sich an der Venenwand ein Blutpfropf (Thrombus). Löst sich der Thrombus, kann es zu einer lebensgefährlichen Lungenembolie kommen.

So kann man Krampfadern vorbeugen

Wer Krampfadern und Besenreisern vorbeugen möchte, sollte sich regelmäßig bewegen. Denn Bewegung hilft, dass das Blut aus den Venen gut abfließt. „Allgemein gilt der Grundsatz: Viel laufen und gehen, wenig sitzen und stehen“, sagt Petra Hager-Häusler, Geschäftsführerin der Deutschen Venen-Liga, einer Patientenorganisation.

Viele Menschen verbringen einen Großteil ihres Tages am Arbeitsplatz. Dabei ist zum Beispiel für Verkäufer, Friseure oder Bürokräfte langes Stehen oder Sitzen unabdingbar. Doch beim Sitzen und Stehen tun sich die Venen schwer, das Blut entgegen der Schwerkraft Richtung Herz zu transportieren. 

Im Büro Füße kreisen und Zehen dehnen

Dafür gibt es folgende Tipps: Beim Sitzen die Füße nicht baumeln lassen, sondern flach nebeneinander auf den Boden stellen. Die Beine beim Sitzen nicht übereinander schlagen. Möglichst oft die Stellung der Füße und Beine wechseln und immer wieder mit den Füßen nach links und rechts kreisen, Zehenspitzen nach oben und unten dehnen, auf der Stelle trippeln und Zehen beugen.

Zum Telefonieren aufstehen – oder persönlich beim Kollegen vorbeigehen, zur Abwechslung an einem Stehpult arbeiten, Kurzbesprechungen im Stehen abhalten. Nutzen Sie jede Gelegenheit, sich zu bewegen. Treppen steigen statt Aufzug fahren. In der Mittagspause einen kurzen Spaziergang machen.

Schwimmen wirkt wie ein Kompressionsstrumpf

Wer bei der Arbeit lange stehen muss, sollte bequeme flache Schuhe tragen. Wenn möglich beim Stehen aufstützen oder anlehnen. Dazwischen so oft wie möglich in den Zehenstand gehen und auf die Fersen abrollen oder die Knie langsm beugen und strecken (je 10 x). In den Arbeitspausen möglichst die Beine hochlegen.

Dann sollte man in der Freizeit für ausreichend Bewegung sorgen. Beim Schwimmen wirkt der Wasserdruck wie ein natürlicher Kompressionsstrumpf und unterstützt die Venen. Spazieren, Walken oder Nordic-Walking unterstützt die Wadenmuskelpumpe und den Blutrückfluss. Wenn möglich, mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren statt mit dem Auto.

Warme Dusche mit kaltem Beinguss abschließen

Die warme Dusche am Morgen sollte mit einem kalten Bein-Guss abgeschlossen werden. Dazu am linken Knöchel beginnen, den Wasserstrahl über das Schienbein bis zum Knie lenken. Zehn Mal wiederholen und zum rechten Bein wechseln. Das gilt auch nach einem Saunagang. Dabei fängt man am kleinen Zeh an, führt den kalten Duschstrahl weiter außen von der Wade bis zum Oberschenkel. Dann innen am Bein abwärts bis zum großen Zeh. Das löst einen thermischen, für die Gefäße positiven Reiz aus. 

Bei Beschwerden wie schmerzenden oder geschwollene Beinen sollte man einen Venenspezialisten (Phlebologen) konsultieren. Der kann beispielsweise in einer Kombination von Ultraschall und farbiger Bildgebung (Duplex-Sonografie) Störungen der Blutzirkulation oder der Venenklappen sichtbar machen.

Kranken Venen ziehen oder veröden

Zu den möglichen Therapien zählen Kompressionsstrümpfe. Durch den äußeren Druck erhöht sich die Fließgeschwindigkeit des Blutes. Die Beine schwellen ab, weil die Gewebeflüssigkeit wieder verstärkt in die Venen aufgenommen wird und besser abfließen kann. Dann gibt es die Möglichkeit, die Venen stillzulegen oder operativ zu entfernen. Beim Stripping wird über einen kleinen Schnitt eine Sonde eingeführt, die Vene oder der erkrankte Teilabschnitt abgetrennt und herausgezogen.

Alternativ ist es möglich die Venenwände der erkrankten Partie mit einem eingeführten Kabel oder Katheter durch Laserlicht oder Radiowellen zu verschweißen oder mit einem Schaum zu verkleben und so zu veröden (Sklerosierung). Die Vene verschließt sich, schrumpft und wird abgebaut. Das Veröden oder Lasern ist auch bei Besenreisern möglich. Es können aber Pigmentflecken bleiben. Da die Veranlagung zu den erweiterten Venen bestehen bleibt, können Krampfadern und Besenreiser auch nach einem Eingriff erneut auftreten.

Foto: zlikovec/fotolia.com

Autor: bab
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