. Blutdruckmittel krebserregend

So hoch ist das Krebsrisiko von verunreinigten Sartanen

Nitrosaminhaltige Verunreinigungen, wie sie in mehreren Sartanen gefunden wurden, stehen unter Verdacht, krebserregend zu sein. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat das Krebsrisiko nun beziffert. Die Wahrscheinlichkeit an Krebs zu erkranken ist demnach gering, aber vorhanden.
Sartane, Krebsrisiko

Verunreinigte Sartane wie Valsartan und Losartan bergen ein Krebsrisiko. Die Behörden beziffern es auf 30 zusätzliche Fälle pro 100.000 Patienten

Sartane sind Blutdruckmittel aus der Wirkstoffklasse der Angiotensin-II-Rezeptorblocker. Sie senken chronisch hohen Blutdruck und schützten damit Herz, Gefäße und Gehirn. Millionen Menschen weltweit nehmen Sartane wie Valsartan, Candesartan, Irbesartan, Losartan, Olmesartan.

Letzten Sommer allerdings wurde bekannt, dass bei der Herstellung von Sartanen bestimmte krebserregende Stoffe entstehen können: N-Nitrosodimethylamin (NDMA) und N-Nitrosodiethylamin (NDEA). Daraufhin war eine Rückrufaktion von Valsartan-haltigen Blutdruckmedikamenten gestartet. Diese Rückrufaktion betraf bestimmte Chargen eines chinesischen Herstellers. Anschließend wurden geringfügige Verunreinigung auch bei anderen Sartanen und Herstellern gefunden und einige Blutdruckmittel wurden aus den Apotheken zurückgerufen.

Sartane dürfen jetzt mit Verunreinigunsobergrenzen auf den Markt

Die überwiegende Mehrheit der Sartane darf aktuelle weiter produziert werden - unter Einhaltung bestimmter Grenzwerte für NDMA und NDEA. Treten beide Stoffe gemeinsam auf, dürfen die Blutdruckmittel nicht verkauft werden. Nach einer zweijährigen Übergangsphase müssen die Unternehmen nachweisen, dass ihre sartanhaltigen Arzneimittel keine messbaren Verunreinigungen mehr aufweisen, bevor sie in der EU verwendet werden dürfen.

Das bedeutet: Momentan sind nitrosaminhaltige Verunreinigungen bis zu einem gewissen Grenzwert zulässig und die Karzinogene in den Blutdruckpillen enthalten.

Bei den Verbrauchern hinterlässt das alles eine große Verunsicherung. Wie groß ist das Risiko an Krebs zu erkranken, wenn ich jahrelang täglich Sartane eingenommen habe?

 

30 mehr Krebsfälle auf 100.000 Patienten

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) hat nun eine Einschätzung des Krebsrisikos veröffentlicht. Dort heißt es: Wenn 100.000 Patienten NDMA verunreinigtes Valsartan von Zhejiang Huahai (Herstellungsstätte, bei der die höchsten Mengen an Verunreinigungen gefunden wurden) jeden Tag für 6 Jahre in der höchsten Dosis eingenommen hätten, könnte dies 22 zusätzliche Krebsfälle über die Lebenszeit dieser 100.000 Patienten bewirken. Das Vorkommen von NDEA in diesen Arzneimitteln könnte zu 8 zusätzlichen Krebsfällen bei 100.000 Patienten führen, wenn sie das Medikament mit der höchsten täglichen Dosis über 4 Jahre eingenommen hätten. Die Dauer von 6 und 4 Jahren bezieht sich auf die Zeit, in der NDMA und NDEA vermutlich in Valsartan von Zhejiang Huahai vorhanden war.

Herzrisiko größer als Krebsrisiko

Die Schätzungen wurden aus Tierversuchen hochgerechnet. Die EMA stuft das Krebsrisiko als sehr niedrig ein – und betont, dass jeder zweite EU-Bürger im Laufe seines Lebens ohnehin an Krebs erkrankt. Das bedeutet nach dem obigen Beispiel, dass statt 50.000 von 100.000 Patienten 50.030 an Krebs im Laufe ihres Lebens an Krebs erkranken.

Zudem versucht die Behörde Patienten zu beruhigen, indem sie auf das strenge Kontrollverfahren, das die Sicherheit von sartanhaltige Medikamenten garantieren soll, verweist. Patienten, die valsartanhaltige Arzneimittel einnehmen, werden ausdrücklich darum gebeten, das Arzneimittel nicht ohne Rücksprache mit dem Arzt abzusetzen, da das gesundheitliche Risiko eines Absetzens um ein Vielfaches höher liegt als das Risiko durch eine mögliche Verunreinigung.

Foto: pixabay

Autor: ham
Hauptkategorien: Gesundheitspolitik , Medizin
Lesen Sie weitere Nachrichten zu diesen Themen: Bluthochdruck , Arzneimittel
 

Weitere Nachrichten zum Thema Sartane

 
 

Aktuelle Nachrichten aus der Gesundheit

 
. Weitere Nachrichten
Abermals bestätigt eine Studie: Sonnenlicht beeinflusst den Verlauf von Multiple Sklerose positiv. Der Vitamin-D-Spiegel scheint dabei aber nicht die einzige Rolle zu spielen. Die Studienautoren konnten eine weitere Ursache für die Effekte von UV-Licht identifizieren.
Bislang sind zwei Impfstoffe in Deutschland zugelassen, von Biontech/Pfizer und Moderna. Der Impfstoff von AstraZeneca könnte ab Ende Januar erhältlich sein. Das unterscheidet die Impfstoffe.
Schon vergessen? Der Beginn des neuen Jahres ist gerade einmal zwei Wochen her. Jetzt wäre es an der Zeit, mit den da gefassten guten Vorsätzen ernst zu machen: Jeder Dritte will 2021 gesünder leben und mehr Sport treiben; jeder Fünfte will nach den Feiertagsgelagen abspecken. Manche sagen: Eine mindestens so große Kunst wie das Abnehmen ist es, das erreichte Gewicht auf Dauer zu halten. Hier ein paar Tipps dafür.
 
 
. Interviews
Unter dem Stichwort der „harm reduction“ werden E-Zigaretten vielfach als weniger gefährlich bezeichnet als herkömmliche Zigaretten und sogar zur Raucherentwöhnung empfohlen. Die Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) widerspricht dieser Darstellung deutlich. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem Pneumologen Professor Wulf Pankow über die Gefahren durch E-Zigaretten und geeignete Methoden für den Rauchentzug gesprochen.
Der klassische Medikationsprozess im Krankenhaus ist fehleranfällig. Untersuchungen untermauern das. Dabei könnte die Digitalisierung die Arzneimitteltherapie wesentlich sicherer machen. Das Universitätsklinikum Hamburg Eppendorf (UKE) hat schon vor Jahren auf ein Closed Loop Medication Management umgestellt. Gesundheitsstadt Berlin hat mit UKE-Krankenhausapothekerin PD Dr. Claudia Langebrake über die Vorteile des digitalen Medikationsprozesses gesprochen.
Hitzewellen sind eine reale Gefahr für die Gesundheit und lassen die Mortalitätsrate ansteigen. Gesundheitsstadt Berlin hat mit dem wissenschaftlichen Leiter des Zentrums für Medizin-Meteorologische Forschung des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in Freiburg, Prof. Dr. Andreas Matzarakis, über Hitzewarnsysteme und die Auswirkungen von Hitzewellen auf unsere Gesundheit gesprochen.